Cabildo plant Wassernotstand für Fuerteventura

Wassernotstand-Fuerteventura

Wenn man auf Fuerteventura den Wasserhahn aufdreht, ist es längst nicht mehr selbstverständlich, dass auch tatsächlich Wasser rauskommt.

Viele Orte auf Fuerteventura, darunter Lajares, El Roque und El Cotillo im Norden, La Lajita, Tarajalejo und La Pared im Süden und Teile der Hauptstadt Puerto del Rosario leiden schon seit Jahren unter erheblichen Problemen bei der Wasserversorgung.

Insbesondere in den Sommermonaten, wenn der Wasserverbrauch zunimmt, sitzen viele Einwohner im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Trockenen.

Im Sommer 2019 erreichte Fuerteventuras Wasserkrise vielerorts ihren traurigen Höhepunkt: bis zu 15 Tage mussten manche Orte ohne Wasser auskommen.

Die Probleme sind vielfältig: veraltete Meerwasserentsalzungsanlagen, marode Leitungsnetze, baufällige Wasserspeicher und altersschwache Pumpen.

Die Lösung all dieser Probleme wurde durch die offenbar völlig fehlende Organisation und Führung im Consorcio de Abastecimiento de Aguas de Fuerteventura (CAAF), dem öffentlichen Wasserversorgungsverband, verhindert.

Rohrbruch in der nähe von Gran Tarajal

Und so können die technischen Mitarbeiter tag ein tat aus nichts anderes machen, als Löcher zu stopfen. Es vergeht praktisch kein Tag, an dem nicht irgendwo im desaströsen Netz des CAAF eine größere Havarie repariert werden muss. Und das kann dann auch mal dauern. Denn meist fehlt es entweder am Personal oder an Ersatzteilen. Oder an beidem.

Die defekten Leitungsstränge werden dann bis zur Fertigstellung der Reparatur einfach abgedreht und die Einwohner bekommen solange eben kein Wasser geliefert.

Auch wenn es in Ermangelung eines internen Berichtswesens kaum verlässliche Daten gibt, dürften die Wasserverluste von der Produktion bis zur Lieferung beim Endabnehmer bei mindestens 50% liegen.

Erklärung des Wassernotstands für Fuerteventura soll schnelle Lösungen ermöglichen

Auf Antrag des CAAF hat der Gewässerrat der Insel Fuerteventura (Consejo Insular de Aguas de Fuerteventura) am 03.12.2019 im Kanarischen Amtsblatt den Beschluss zur Erklärung des Wassernotstands für Fuerteventura veröffentlicht. Die Öffentlichkeit hat nur 5 Tage Zeit, Einsprüche und Änderungsanträge einzureichen. Nach Ablauf der Frist und ggfs. Beantwortung der Anträge kann der Wassernotstand erklärt werden.

Die Grundlage für den Wassernotstand ist laut Antrag ein „schwererwiegender Rückgang der verfügbaren Wassermengen, die die Produktion und die Wasserversorgung der im Folgenden Aufgeführten Zonen Fuerteventuras gefährden“: Süden (Tesejerague, El Cardón, Marcos Sánchez, Valle de La Lajita, Tarajalejo, La Pared). Norden (Lajares, El Roque und El Cotillo). Mitte (Betancuria und Vega de Rio Palmas sowie die höhergelegenen Teile im Stadtzentrum von Puerto del Rosario).

Der Wassernotstand auf Fuerteventura soll zunächst für 6 Monate gelten. Er kann aber bei Fortbestehen der Probleme verlängert werden.

Der Wassernotstand soll die Durchführung diverser Maßnahmen ermöglichen, die erforderlich sind, um die erforderlichen Mindestwassermenge für die Nutzung im Gesundheitswesen und in Haushalten sicherzustellen.

Dazu gehören unter anderem die Erweiterung und Modernisierung der Entsalzungsanlagen in Puerto del Rosario, Gran Tarajal und Corralejo sowie die teilweise Erneuerung von Wasserleitungen und die Anschaffung von Pumpen und Filtern.

Mit einem geplanten Budget von 5,5 Mio. Euro ist der Neubau einer Entsalzungsanlage, eines Wasserspeichers und eines Anschlussnetzes in der Gemeinde Pájara im Süden Fuerteventuras die größte Einzelinvestition.

Die Reparatur von diversen Wasserspeichern des CAAF und Maßnahmen zur Detektion von Wasserverlusten im gesamten Leitungsnetz stehen ebenfalls in dem Maßnahmenkatalog des Wassernotstands.

Warum musste die Wasserversorgung auf Fuerteventura erst soweit verkommen, dass der Notstand erklärt werden muss?

Die Probleme der Wasserversorgung auf Fuerteventura sind nicht von heute auf morgen entstanden. Sie sind vielmehr die Folge jahrzehntelanger Untätigkeit der Verantwortlichen.

Die Präsidentschaft und somit oberste Verantwortung für das CAAF obliegt dem jeweiligen Präsidenten der Inselverwaltung von Fuerteventura. Es gab über Jahrzehnte ein politisches Interesse, den Wasserpreis auf Fuerteventura möglichst niedrig zu halten. Schließlich war dies immer ein Wahlversprechen der in der Vergangenheit regierenden Coalición Canaria (CC).

Der niedrige Wasserpreis, der, wenn man die Leitungsverluste berücksichtigt, deutlich unter den Produktionskosten liegt, ist nur durch eine Subventionierung des CAAF möglich. Verluste, die das CAAF im operativen Geschäft einfährt, werden also immer durch Zahlungen aus dem Steuertopf ausgeglichen. Folglich hat keiner der Verantwortlichen einen Anreiz oder gar die Notwendigkeit, effizient zu wirtschaften und dafür zu sorgen, dass die Einnahmen wenigstens die Kosten decken. Hauptsache der Tausch von billigem Wasser gegen Wälerstimmen funktioniert.

Natürlich durften die buchhalterischen Verluste nicht allzu groß ausfallen. Deshalb wurde die Wasserversorgung regelrecht kaputtgespart.

Eigentlich dient der Wassernotstand zur Reaktion auf Tiefstände bei natürlichen Wasservorkommen

Sicherlich hätten all die jetzt im Eilverfahren vorgesehen Maßnahmen auch in Ruhe und ohne die Erklärung eines Wassernotstandes durchgeführt werden können. Genaugenommen ist der Wassernotstand eigentlich auch für die Regionen auf den Kanarischen Inseln vorgesehen, die von natürlichen Wasserressourcen abhängen. Diese natürlichen Vorkommen hängen von Umweltphänomenen ab, die nicht planbar sind, wie z.B. längere Dürreperioden. Die Behörden könnten dann während eines erklärten Notstandes z.B. private Wasservorkommen enteignen, die Erschließung von eigentlich unrentablen Vorkommen anordnen oder Wasserlieferungen rationieren.

Fast ausgetrockneter Stausee auf Gran Canaria. Für solche Situationen ist der Wassernotstand eingentlich vorgesehen.

Auf Fuerteventura dagegen hängt die Wasserversorgung kaum von Umwelteinflüssen ab, da unser Trinkwasser zu 100% aus entsalztem Meerwasser besteht. Die zwei wesentlichen Faktoren, die also den Bedarf an Trinkwasser auf Fuerteventura bestimmen, sind die Entwicklung der festen und fluktuierenden Bevölkerung (Touristen). Diese beiden Faktoren sind wesentlich besser planbar, als außergewöhnliche Umweltbedingungen auf anderen Inseln.

Wenn also der Wassernotstand auf Fuerteventura den Zweck hat, die Investitionen in die Verbesserung der Wasserversorgung zu beschleunigen, kann das letztlich nur bedeuten, dass die Verantwortlichen verkürzte Verfahren zur öffentlichen Ausschreibung verwenden oder gleich ganz auf Ausschreibungen verzichten können. Es wird also wieder der Steuerzahler sein, den die Versäumnisse der letzten Jahre teuer zu stehen kommen werden.

Und weil jetzt alles ganz schnell gehen muss, ist es höchst zweifelhaft, ob den geplanten Einzelmaßnahmen ein gut durchdachtes Gesamtkonzept zugrunde liegen wird. Denn was nutzt es, wenn man die Produktion erweitert, wenn das zusätzliche Wasser anschließend in unzähligen Löchern in den Leitungen im Boden versickert?

Könnte eine Privatisierung das Wasserproblem auf Fuerteventura lösen?

Es gibt einige Zonen auf Fuerteventura, die nicht vom CAAF mit Wasser versorgt werden, sondern in denen die Wasserversorgung ganz oder teilweise privatisiert ist. Dazu gehören z.B. Morro Jable und Costa Calma und einige Zonen im Gemeindegebiet von Antigua. Dort funktioniert die Wasserversorgung im allgemeinen recht stabil. Dort müssen die Verbraucher den Luxus, dass auch tatsächlich Wasser aus dem Hahn kommt, mit etwas höheren Wasserpreisen erkaufen.

Auch für eine öffentliche Wasserversorgung wie die des CAAF sollte eigentlich die Verpflichtung gelten, Wasser zu einem Preis zu verkaufen, der mindestens die Produktionskosten einschließlich der Wasserverluste deckt. Alles andere kann auf Dauer nicht nachhaltig sein, und zwar weder ökonomisch noch ökologisch. Schließlich stammt der Strom für unsere Meerwasserentsalzungsanlagen auf Fuerteventura noch zum allergrößten Teil aus einem Ölkraftwerk.

3 Kommentare

  1. Wenn jetzt Nestle die gesamte Wasserversorgungrechte aufkauft, wie Maroc, Tunesie, Bulgarien, Rumänien, können sich nur noch Reiche das Wasser leisten. Ohne Geld geht wieder ein Tagesmarsch zum Erdbrunnen drauf.(z.B. Tunesien). Für Wasser wird in Zukunft gemordet werden.

  2. Hier auf dem Wasserspeicher Gebäude läuft schon seit einigen Wochen das Trinkwasser den Berg hinab selbst Caaf Fahrzeuge fahren daran vorbei und kümmern sich nicht darum. So bekommen wir mit dem Trinkwasser in Zukunft eine grüne Insel……
    Schneeflocke

  3. Guten Tag,
    diese Situation wundert mich nicht mehr.
    Ich komme schon seit über 15 Jahre nach Costa Calma. Es ist festzustellen, dass Neubauten -vermutlich mit EU-Mittel gebaut- keiner Unterhaltung unterliegen. Sie vergammeln gerade so vor sich hin. Die Hotels geben sich sehr große Mühe aber der öffentliche Bereich wird nicht betreut.
    Eine Unterhaltung ist nicht zu erkennen.
    Leider ist dies so. Die Ursache kann ich jedoch nicht beurteilen.
    Herzliche Grüße, vielleicht bis zum nächsten Urlaub.

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