Riesige tote Schildkröte vor Fuerteventura geborgen

Lederschildkröte-Kran

Bei einer Jetskitour am 23.01.2020 entdeckten die Teilnehmer in der Nähe von Costa Calma im Süden Fuerteventuras ein großes, im Wasser treibendes Objekt. Dieses stellte sich als tote Lederschildkröte heraus.

Der Tourguide der Jetskitour informierte die Umweltabteilung des Cabildo (Inselregierung von Fuerteventura). Diese sendete einen Beamten zur Wassersportstation „Matas Bay“ bei Matas Blancas, etwas nördlich von Costa Calma. Dieser fuhr dann gemeinsam mit dem Inhaber der Surfschule, Victor Sosa, mit dessen Boot aufs Meer, um die Schildkröte zu suchen.

Tatsächlich konnten die beiden die Schildkröte rund 3 Seemeilen vor der Küste ausfindig machen. Als sie die Stelle erreichten, tummelte sich eine Gruppe von Delfinen um den Kadaver, als wollten sie „nach dem Rechten schauen“, wie Victor Sosa uns in einem Gespräch erzählte.

Nachdem sie sich vergewissert hatten, dass die Schildkröte nicht mehr lebte, schleppten die beiden das riesige Tier mit dem Boot bis an Land.

Dort hievten Sosa und seine Angestellten die verendete Schildkröte gemeinsam mit dem Beamten der Umweltbehörde auf einen Trailer, mit dem sie normalerweise Boote aus dem Wasser ziehen. Das war selbst mit mehreren Männern ein echter Kraftakt bei geschätzten 300-400kg Körpergewicht.

Einmal an Land untersuchte der Beamte des Cabildo die Schildkröte. Es handelte sich um eine Lederschildkröte mit einer Körperlänge von gut zwei Metern. Das Gewicht des Tieres schätzte er auf weit über 300kg.

Keine äußeren Hinweise auf die Todesursache

Die Schildkröte wies keinerlei offensichtlichen äußeren Verletzungen auf und war auch nicht in irgendetwas verheddert, dass sie hätte behindern können.

Offensichtlich war das Tier erst vor kurzer Zeit verendet, da es auch keinerlei Spuren von Verwesung aufwies. Über die Todesursache kann aktuell nur spekuliert werden.

Das Tier wurde dann mit einem Kranwagen abgeholt und zur biologischen Station in La Oliva im Norden Fuerteventuras gebracht. Dort werden Forscher der Universität von Las Palmas de Gran Canaria eine Nekropsie durchführen, um die Todesursache festzustellen.

Gefahr für den Schiffsverkehr

Da die tot herumtreibende Schildkröte aufgrund ihrer Größe eine Gefahr für den Schiffsverkehr darstellte, musst schnell gehandelt werden. Man war froh, das Tier so schnell gefunden zu haben. Eine Kollision eines Bootes mit einem dermaßen großen und schweren Tier kann schnell unabsehbare Folgen haben.

Normalerweise würden die Tiere abtauchen. Häufig kommt es dennoch zu Verletzungen der Tiere durch Schiffsschrauben, was aber hier nicht der Fall war.

Zusammenarbeit mit Unternehmen und Bevölkerung

Es ist nicht unüblich, dass die Beamten der Umweltabteilung bei ihrer Arbeit auf die Ausrüstung der anliegenden Surfschulen oder Wassersportstationen zurückgreifen. Schließlich kann das Cabildo nicht an jedem Punkt der Küste Boote anliegen haben, auf die es im Falle eines Falles zugreifen kann. So können die Beamten schneller agieren, was in vielen Fällen dann auch dazu führt, eine Gefahr abzuwenden.

Auch bei der Sichtung von verendeten Tieren ist die Umweltbehörde oft auf die Augen der Bürger angewiesen, die wie im vorliegenden Fall ihre Entdeckung melden.

Lederschildkröten

Die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) ist die größte lebende Schildkröte. Sie können sogar eine Panzerlänge von bis zu 2,5 Metern sowie ein Gewicht von beinahe 700kg erreichen.

Ihren Namen verdankt die Art ihrem lose zusammenhängenden Knochenpanzer, der von einer lederartigen Haut umgeben ist. Alle anderen Schildkrötenarten haben dagegen den typischen Rückenschild mit Hornschuppen. Anders als andere Schildkrötenarten haben Lederschildkröten auch keine Krallen.

Lederschildkröten leben pelagisch, also auf dem offenen Meer. Sie ernähren sich unter anderem von Quallen.

Möglicherweise war das Tier den Leuchtquallen in seichtere Gewässer gefolgt, die Mitte Januar 2020 massenhaft vor der Südküste Fuerteventuras aufgetaucht waren.

Leider kommt es oft vor, dass Lederschildkröten Plastiktüten mit Quallen verwechseln und diese fressen. In rund 40% der untersuchten Kadaver von Lederschildkröten fanden Forscher Plastikmüll.

4 Kommentare

  1. Hallo Regina, die Nekropsie ist wohl bereits durchgeführt worden. Wir sind dabei herauszufinden, wer der Ansprechpartner ist und uns weitere Infos liefern kann. Wenn wir verlässliche Informationen haben, werden wir darüber berichten.

  2. Was hat die Obduktion ergeben?
    Vielleicht könnte die Redaktion mal nachfragen und das Ergebnis hier veröffentlichen?

  3. Im Meeresmuseum in Stralsund gibt es eine präparierte Lederschildkröte, die dort in der Luft hängt. Also nicht in Wasser bzw. Alkohol. Dort wären sicher sachdienliche weitere Hinweise bei einer offiziellen Anfrage zu erhalten.

  4. Falls die Schildkröte den Quallen gefolgt sein sollte, könnte sie sich möglicherweise damit überfressen haben.
    Von daher wäre es sehr interessant zu erfahren, was die Obduktion ergibt?
    Eine weitere Frage:
    Kann das Tier, bzw. genauer der Panzer, nach der Obduktion so konserviert werden, das es ausgestellt werden könnte? Vielleicht in Morro Jable in der Schildkrötenstation? Denn sehenswert bei der Grösse wäre es allemal!

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