Dramatische Übersterblichkeit in Spanien während der Coronakrise

Momo-Corona-Grippe-Hitzewelle

„Das Corona-Virus ist nicht tödlicher als ein normales Grippevirus“. „Corona ist nicht mehr als ein gewöhnlicher Schnupfen“. „Wenn man uns nicht gesagt hätte, dass es das Coronavirus gibt, hätte es keiner bemerkt.“ „Es sterben nicht mehr Menschen an Corona als in der jährlichen Grippesaison.“ „In der Sterbestatistik wird man Corona gar nicht erkennen können.“

Dies sind die gängigsten Thesen von Verschwörungstheoretikern, die diese in viel geklickten Youtubevideos und Blogbeiträgen verbreiten und mit denen sie versuchen, die Coronapandemie und all ihre Auswirkungen als Fake News und nicht existent darzustellen.

Insbesondere die These, die Coronapandemie würde in der Sterbestatistik gar nicht auffallen, ist für Spanien definitiv empirisch widerlegt, nachdem das Nationale Zentrum für Epidemiologie (CNE) die Sterbestatistik MoMo öffentlich gemacht hat. Wer im Kurvenverlauf der Mortalität für den Zeitraum der Coronapandemie keine Anomalie entdeckt, muss mit Blindheit gestraft sein.

Was genau ist die Momo-Statistik?

MoMo ist ein System zum Monotoring der Mortalität, also zur Überwachung der Sterblichkeit. Dabei werden täglich sämtliche Todesfälle in Spanien unabhängig von der Todesursache erfasst (rote Kurve) und mit der erwarteten Sterblichkeit (schwarze Kurve) verglichen. Der graue Bereich gibt das Intervall für eine statistische Sicherheit von 99% an.

Die Daten aus dem laufenden Jahr stammen von den Personenstandsregistern, die die Daten elektronisch erfassen, und werden vom Justizministerium an das CNE übermittelt. Erfasst werden rund 93% der Spanischen Bevölkerung. Die Zahlen aus den Vorjahren stammen vom Nationalen Statistikinstitut INE.

Zweck des MoMo ist es, Auffälligkeiten in der Sterblichkeit der Bevölkerung zu entdecken und den Effekt von jedwedem wichtigen Ereignis auf die Sterblichkeit zu schätzen, um damit den Gesundheitsbehörden Reaktionen zu ermöglichen. Üblicherweise erkennt man in der Verlaufskurve des MoMo die Auswirkungen der saisonalen Grippeepidemien und sommerlicher Hitzewellen.

Was sagt der aktuelle Verlauf der MoMo-Statistik über die Corona-Pandemie aus?

Da die MoMo-Statistik die Todesursache nicht berücksichtigt, bedeutet der Kurvenverlauf erst einmal nur, dass es im Zeitraum vom 17.03.2020 bis zum 07.04.2020 einen erheblichen Exzess bei der Sterblichkeit in Spanien gab. In Spanien sind in diesem Zeitraum 16.850 mehr Menschen gestorben, als für diesen Zeitraum statistisch zu erwarten gewesen wäre. Das bedeutet einen Mortalitätsüberschuss von 68%.

Bei der Interpretation der Zahl ist zu beachten, dass sie für den beobachteten Zeitraum systematisch unterschätzt ist, da die Todesfälle im Normalfall mit einer Verzögerung von 2-3 Tagen in die Statistik einfließen. Zurzeit funktionieren die Personenstandsregister aufgrund der extremen Zahl von Todesfällen jedoch nicht „normal“, sodass die Verzögerungen deutlich größer ausfallen.

Diese Zahl beweist allerdings nicht, dass die zusätzlich verstorbenen Personen auch tatsächlich an Covid-19 gestorben sind. Die Zahl weist erst einmal nur darauf hin, dass es ein ungewöhnliches Ereignis in Spanien gibt bzw. gegeben haben muss, dass zu dieser extremen Übersterblichkeit geführt hat.

Allerdings gibt das spanische Gesundheitsministerium die Zahl der offiziell nach einer Covid-19-Infektion verstorbenen Personen mit 16.353 an (Stand 11.04.2020). Diese Zahl liegt auffällig nah an dem in der MoMo-Studie beobachteten Mortalitätsüberschuss von 16.850 Toten.

Es ist zumindest plausibel, dass zwischen der beobachteten Übersterblichkeit in Spanien und der Covid-19-Pandemie auch ein ursächlicher Zusammenhang besteht.

Sicher ist jedoch auch, dass die Verschwörungstheoretiker sich auf keinen Fall auf den Verlauf der Sterblichkeit beziehen können, wenn sie die Existenz von Corona leugnen wollen. In der MoMo-Kurve ist in nämlich in jedem Fall „etwas“ zu sehen, und zwar sehr, sehr deutlich.

Konzept der „erwarteten Todesfälle“ nicht für Ausgangssperre gemacht

Die Zahl der erwarteten Todesfälle basiert auf den Zahlen, die in der Vergangenheit beobachtet worden sind. Es gab in der Vergangenheit zwar Grippewellen und Hitzeperioden. Bei diesen „ungewöhnlichen“ Ereignissen lag die Übersterblichkeit übrigens nur im Bereich von 2% bis 4% über den Erwartungswerten und nicht wie jetzt bei 68%.

Es gab in der Vergangenheit jedoch keine Ausgangssperre, die ihrerseits erhebliche Auswirkungen auf bestimmte Todesursachen hat. So liegt zurzeit die Zahl der Verkehrstoten auf einem historischen Minimum. Auch die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle sollte momentan sehr gering sein.

Anderseits ist nicht abzuschätzen, ob die Sterblichkeit durch andere Ursachen wie Herzinfarkt wegen Existenzangst, verspätete oder ausbleibende Arztbesuche infolge der Überlastung des Gesundheitssystems usw. erhöht wird.

Es ist also gut möglich, dass gewisse Kreise neue Theorien in Umlauf bringen, die behaupten, dass es das Ereignis „Ausgangssperre“ ist, das für die erhebliche Übersterblichkeit verantwortlich ist, und nicht das Ereignis „Coronavirus-Pandemie“. Auch eine solche These ließe sich ohne weitere Untersuchungen der Todesursachen allein mit der MoMo-Kurve weder beweisen noch widerlegen. Allerdings müsste dann die Übersterblichkeit mindestens bis zum Ende der Ausgangssperre anhalten oder größer werden, anstatt abzunehmen.

13 Kommentare

  1. Bei der Untersuchung der Übersterblichkeit, um die es in dem Artikel geht, wird die Todesursache überhaupt nicht gestellt. Die Todesfälle werden unabhängig von der Todesursache gezählt. Das wird im Artikel auch ausführlich dargelegt. In Spanien kommen die Gerichte nicht einmal hinterher, die Sterbeurkunden auszustellen, weil plötzlich so viele Menschen sterben. Da ist es irgendwie verständlich, dass es kaum möglich ist, die „mit“ Corona Vertorbenen zu obduzieren.

  2. Ich finde es persönlich sehr beeindruckend, das (fast) immer und überall von den Coronatoten gesprochen wird!
    Evtl sollte man grundsätzlich unterscheiden zwischen mit und an Corona verstorbenen!
    Bei keinem der Verstorbenen wurde nach dem Tod eine Obduktion durchgeführt, denn sie hatten das Virus ja vorher schon getestet!
    Jede Statistik ist nur so gut, wie die Fragen, die man dazu gestellt hat!

  3. hallo zusammen

    geht mal auf event 201 ist es nicht möglich das leute aus angst sterben grad die älteren die es ja laut statistik am meisten erwischt kommen doch in so eine panik corona viren gibt es aber nicht so wie es zur zeit dargestellt wird

  4. @Alex, ihre Meinung hat mit dem Thema nicht wirklich etwas zutun.
    Sie machen genau das, was sie anderen vorwerfen.

    Sie sollten ihre kritischen Äusserungen vielleicht selber beherzigen:
    „Wer so einen Müll schreibt muss auch dazu stehen!!“

  5. Bewegung und Sport gehören zum täglichen Leben. Ich würde alles machen und mich und jeden Menschen vor dem Virus zu schützen, damit wir ans Meer und laufen gehen können. Es ist wirklich so, wer rastet der rostet. Bitte hebt die Ausgangssperre auf Fuerteventura auf. Der Geist und unser Körper wird es danken.

  6. Man sollte mit beschreibenden Adjektiven zurückhaltend umgehen, wenn man weder Statistiker noch Epidemiologe ist.
    Das ist Bildzeitungsniveau.
    Nein, kein Kaffee.

  7. Seriöse Quellen sollte man unbedingt beachten.
    Zahlen zu beurteilen ist nicht immer einfach.
    Rumgeplärre ist nicht hilfreich.

  8. Ein Wort an Alex: Können Sie sich auch weniger aggressiv und mehr sachlich zu anderen Kommentaren äußern? Offenbar haben Sie ja keine konkrete Meinung zum eigentlichen Thema.

  9. Es kursieren so viele Fake News.Man sollte nur seriöse Berichte lesen,alles andere ist nur Panikmacherei und Hysterie.Hoffen wir,dass es bis Ende diesen Jahres oder spätestens bis Anfang nächsten Jahres einen Impfstoff gibt,dann wäre schon sehr viel getan.

  10. Eins steht fest wir alten Menschen sind hier um zu laufen täglich bis 8 km
    Unser Zucker ist wahnsinnig hoch wenn wir weiter eingesperrt sind sterben wir an zu hohen Zuckerwerten und nicht an CORONA

  11. Wir kommen jedes Jahr im Juni nach Fuerteventura und verbringen wunderschöne Tage in unserem kleinen Lieblingshotel am Rande von Costa Calma und an unseren beiden Traumstränden Risco del Paso und Playa de Cofete … ich kenne die Titelseite der Fuerteventura Zeitung schon lange, sie liegt immer im Café aus indem wir morgens Energie tanken bevor wir an den Strand fahren … ehrlich gesagt habe sie aber nie beachtet, weil ich einfach dachte sie sei ein Werbeblatt das sich mit dürftigen PR-Beiträgen über Wasser hält …

    Nun möchte ich gerne meine vorgefasste Meinung revidieren; was ich hier während den letzten Wochen gelesen habe ist Top-Journalismus, brilliant recherchiert und extrem informativ …

    Dafür möchte ich mich herzlich bei Ihnen bedanken, der Kaffee ist unterwegs …

    Grüsse aus der Schweiz
    Marco Rosenfelder

    .

  12. Wiedermal feinster Bullshit den ihr hier von euch gebt. Erster Absatz und letzter passen bestens zusammen. Ein Beweis für eure Sinnlosigkeit. Nichts bewiesen nur Meinungsbildende Spekulationen.
    Wer sind denn die Verfasser eurer Artikel? Wo findet man die Namen?
    Wer so einen Müll schreibt muss auch dazu stehen!!

  13. Naja, die Kurve zeigt nur einen kurzen Zeitraum.
    Bitte schauen sie auch hier:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Demografie_Spaniens#Geburten_und_Todesf%C3%A4lle_seit_1900
    Ein bischen runterscrollen zu der Tabelle: Geburten und Todesfälle seit 1900
    Die Todeszahlen sind seit 2015 sogar rückläufig.
    Tatsächlich könnten die Todeszahlen steigen.
    Doch kann mann dann von einer Übersteblichkeit reden, wenn man die Zahlen mit den Jahren vor 2015 vergleicht ? Dies bleibt abzuwarten.
    Europaweit sollte vom Hysterie-Gaspedal herunter gegangen werden.
    Lesen Sie bitte auch hier:

    https://www.deutschlandfunk.de/palliativmediziner-zu-covid-19-behandlungen-sehr-falsche.694.de.html?dram:article_id=474488

    https://www.welt.de/regionales/hamburg/article207086675/Rechtsmediziner-Pueschel-In-Hamburg-ist-niemand-ohne-Vorerkrankung-an-Corona-gestorben.html?utm_source=pocket-newtab

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