24.000€ für eine wertlose Webseite: Opposition kritisiert Inselregierung von Fuerteventura

mercafuer-b

Eine einfache, aber gestalterisch, technisch und inhaltlich gut gemachte, Webseite kann je nach Funktionsumfang, individueller Gestaltung und technischer Optimierung schnell ein paar tausend Euro kosten.

Einen einfachen Onlineshop ohne individuelle Anpassungen und ohne viel technischen Aufwand kann man ab rund 4.000 Euro bekommen.

Wenn der Auftraggeber einen individuell angepassten Webshop mit vielen Zusatzfunktionen wünscht, die viel Programmieraufwand erfordern, sollte er mindestens 20.000 bis 30.000 Euro einplanen.

Daher könnte der Betrag von 24.000€, den die Inselregierung von Fuerteventura für die Webseite www.mercafuer.com laut der Oppositionspartei Coalición Canaria (CC) ausgegeben hat, auf den ersten Blick im normalen Rahmen liegen.

Doch wie die CC nun in einer Pressemitteilung kritisiert hat, ist diese Webseite alles andere als gut gemacht. Eigentlich sollte diese Webseite eine Plattform sein, um Verbraucher und lokale Produzenten von Agrarprodukten während der Corona-Krise zusammenzubringen. In der Zeit der Ausgangssperre fehlten den Bauern die Märkte als Vertriebsweg.

Doch über die Plattform lassen sich weder Bestellungen aufgeben noch können die Nutzer die Produzenten direkt per Email oder Formular kontaktieren.

Es handelt sich um nicht mehr als ein einfaches Firmenverzeichnis mit 44 Einträgen. Zu den Einträgen finden die Nutzer gerade einmal die Telefonnummer, die Gemeinde, in der der Produzent tätig ist und eine grobe Angabe darüber, welche Produktkategorien er anbietet.

Wert der Webseite höchstens 875 Euro

Nach Ansicht der Coalición Canaria hätte diese Webseite höchstens 875 Euro gekostet, wenn man sie von einem Dienstleister auf Fuerteventura hätte erstellen lassen.

Das „Theme“, mit dem die grafische Gestaltung und die Struktur der Webseite aufgebaut ist, könne man im Internet für 75€ kaufen. Die Einrichtung sei für 800 Euro zu bekommen, behauptet die Oppositionspartei. Diese bemängelt nicht nur, dass die Webseite zu einem völlig überhöhten Preis eingekauft wurde, sondern dass sie ohne Ausschreibung an das Unternehmen IDUS Media, S.L. auf Gran Canaria statt auf Fuerteventura vergeben wurde.

Kurioserweise ist es uns nicht gelungen, die eigene Webseite dieses Unternehmens bei Google zu finden. In diesem Fall sollten bei einem Auftraggeber alle Alarmglocken läuten.

Technisch und Inhaltlich durchgefallen

Die Webseite Mercafuer.com ist technisch und inhaltlich ein Totalausfall. Lediglich die verspielte grafische Gestaltung ist ganz ansehnlich. Allerdings verlangsamt diese die Ladezeiten dramatisch, was der Suchmaschine Google nicht gefallen dürfte.

Der Wert einer Webseite bestimmt sich letztlich durch der Wert der Transaktionen, die dadurch generiert werden. Auch eine nicht besonders gut gemachte Webseite kann theoretisch gut funktionieren. Das wäre aber eine absolute Ausnahme.

Einige Landwirte haben jedoch kritisiert, dass über diese Webseite kein einziger Euro Umsatz generiert wurde. Dies ist durchaus glaubhaft, denn eine Webseite nützt wenig, wenn sie nicht von einer ausreichen großen Zahl von potentiellen Nutzern besucht wird. Dazu muss sie in Suchmaschinen gefunden werden oder beworben werden.

Insofern ist die Webseite für die Landwirte absolut wertlos. Damit wären selbst die 875€, die die CC als Wert der Seite angibt, noch zu viel.

Den 44 Produzenten, die auf der Webseite aufgeführt sind, wäre sicher mehr damit gedient gewesen, wenn das Cabildo de Fuerteventura die 24.000 Euro unter ihnen aufgeteilt hätte. Die 545€ pro Unternehmen hätten jedem einzelnen wohl mehr genützt, als der Anteil an einer unsinnigen und völlig überteuerten Webseite.

7 Kommentare

  1. @ Vladimir
    Bin mir sicher,dass diese unsere Welt eine Bessere wäre,wenns Leute wie dich,nicht geben würde.

  2. Marktwirtschaft ist ja grundsätzlich in Ordnung. Allerdings geben in einer Marktwirtschaft die Nachfrager ihr eigenes Geld aus. Im vorliegenden Fall ist dagegen aber fremdes Geld ausgegeben worden, nämlich das der Steuerzahler. Ein Unternehmen, dass solche überteuerten Webseiten einkauft, wird sich am Markt sicher nicht lange halten, sondern im Wettbewerb untergehen. Derjenige, der so einen Einkauf in einem Unternehmen zu verantworten hat, wird seinen Job schnell verlieren. Ich befürchte, dass diese Inkompetenz der Verantwortlichen im Cabildo wohl keine Konsequenzen haben wird. Insofern scheint es weit her geholt zu sein, in diesem Fall von freiem Wettbewerb zu sprechen.

  3. Seht euch die ,,Nieten in Nadelstreifen“ der Inselregierung an, dann weiß man wo die Euro’s hingeflossen sind.

    Don Bernado

  4. Das nennt man freie Marktwirtschaft. Ein eigenes Online Business aufzubauen, welches sich konkret auf Webdesign spezialisiert hat, ist ein hochprofitables Geschäft mit Ausgaben von wenigen 100€ und Einnahmen von mehreren 1000€, wenn man die Kunden findet. Am besten sind natürlich mindestens mittelständige Unternehmen und Regierungen als Kunden. Da kann man gut absahnen.

    Business ist eben Business und ich habe nichts dagegen. Wer dagegen ist, will einfach arm bleiben und dem Markt schaden, wie Nordkorea.

    Der Markt ist nicht perfekt und ständig in Bewegung…Entweder man beschwert sich, was exakt gleich wäre, wie wenn man den Kopf gegen die Wand knallt, oder man akzeptiert es, verhandelt, macht ein Special-Deal, etc. …

    Nicht „Geiz ist geil“ Sondern „Markt ist Markt“

  5. Das ist ein politisches Projekt!
    Da sind 24000.-Eur ein absolutes Schnäppchen!
    Nutzen darf bei Politik eh nicht erwartet werden.

    Zum Vergleich: In einer unwesentlichen Kleinstadt in Baden-Württemberg werden ~12000000000.-Eur für ein stark politisch motiviertes Projekt mit genau so zweifelhaftem Nutzen vergraben.
    Anders formuliert, Fuerteventura erhält genau das Selbe für nur 0.002% der Kosten.
    Und da schimpfe nochmal einer über die BWL-Kenntnisse der Lokalpolitiker………

  6. Sehr informativ, vielen Dank!!!! Unglaublich, dass ihr dann die IDUS Media, S.L. Webseite nicht finden konntet. Das setzt dem ganzen noch die Krone auf. Ein Schelm, wer böses dabei denkt 😉 Wohin ist denn das Geld verschwunden? Sowas auf Kosten der Zukunft seiner eigenen Heimat zu tun, bzw. des Primären Sektors, gerade in dieser schwierigen Zeit… Ist mir schleierhaft, wie man so Geldg**l sein kann und sich dann immer noch so toll verlogen in den Lokalmedien präsentiert… ( ich erahne wer sich da bereichert hat, denn wir haben schon öfter von verschwundenem Geld in Zusammenhang mit einer bestimmten Person gehört 😉 ) Aber Hauptsache man kann sich davon was schönes kaufen.. ne?

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*

Weitere Beiträge im Bereich Fuerteventura-Nachrichten