Mindestens 22 Boote mit 710 Migranten erreichen die Kanaren innerhalb von 24 Stunden

Flüchtlingsboote-im-Hafen-von-Gran-Tarajal

Am 09.10.2020 markierte die Flüchtlingskrise auf den Kanaren ihren bisherigen Höhepunkt. Mindestens 710 Menschen erreichten die Kanarischen Inseln auf 22 „pateras“ und „cayucos“, wie die Boote in Abhängigkeit von ihrer Bauform genannt werden.

Basierend auf Daten des Roten Kreuzes und des kanarischen Rettungskoordinationszentrums erreichen am Morgen des 09.10.2020 insgesamt 384 Migranten auf 14 Booten an verschiedenen Punkten die Kanaren.

Am Nachmittag griff die Seenotrettung drei weitere Boote mit jeweils 50, 15 und 20 Menschen an Bord in der Nähe von Gran Canaria auf. Sie wurden in den Hafen von Arguinegin gebracht. Alle Menschen befanden sich augenscheinlich in gutem Gesundheitszustand.

Später entdeckte die Seerettung ein „cayuco“ mit 112 Migranten aus dem Magreb, darunter 35 Minderjährige in der Nähe von Teneriffa. Sie wurden in den Hafen von Los Christianos gebracht und waren ebenfalls in gutem gesundheitlichen Zustand.

Gegen 20 Uhr wurde in der Zone von Punta Rasca (Teneriffa) ein weiteres cayuco mit 100 Menschen an Bord entdeckt und nach Los Cristianos gebracht.

Ungefähr zur selben Zeit wurde ein Boot mit 40 Personen vor Lanzarote entdeckt und ein Boot mit 6 Personen erreichte aus eigener Kraft die Küste von Fuerteventura bei Las Salinas.

Am frühen Morgen des 10.10.2020 erreichte eine Patera mit 18 Menschen den Hafen von Arguineguin.

Die Zahl der Migranten, die die Kanaren erreicht haben, muss für den 09.10.2020 möglicherweise nach oben korrigiert werden. Einige Migranten konnten wohl aus eigener Kraft die Küste erreichen und entkommen.

Unterbringung wird immer schwieriger

Durch die große Zahl der Migranten, die die Kanaren über den Atlantik erreichen, und durch die Notwendigkeiten der Corona-Protokolle wird deren Unterbringung immer schwieriger.


Wie wir schon mehrfach berichtet haben, sahen die Behörden auf den Kanaren keinen anderen Ausweg, als Migranten in leer stehenden Hotels und Apartmentanlagen unterzubringen. Die kanarischen Behörden sehen sich von der spanischen Regierung im Stich gelassen. Tatsächlich scheint man das Thema im Ministerium für Migration am liebsten totschweigen zu wollen.

Die Kritik an der Unterbringung in Hotels wird indes auch auf Fuerteventura immer lauter.

Die Bürgermeisterin von La Oliva, Pilar Gonzalez, wird von der kanarischen Tageszeitung Canarias7 wie folgt zitiert: „Der Tourismus ist der Hauptmotor unserer Wirtschaft (…) und unser Image nach außen als Tourismusziel wird bereits von der epidemiologischen Situation auf der Inseln beeinträchtigt, und Entscheidungen wie diese tragen dazu bei, dieses weiter zu schädigen…“.

Daher forderte die Bürgermeisterin den Staat auf, Unterbringungsalternativen zu suchen, die die Anforderungen an die Bewohnbarkeit und Sicherheit erfüllen können.


Laut Onlinmagazin Fuerteventurahoy soll Gonzaléz gegenüber dem Direktor des Hotels in Corralejo, in dem die Migranten untergebracht sind, geäußert haben, dass „eine touristische Gemeinde es sich nicht leisten könne, Migranten in einem 4-Sterne-Hotel unterzubringen“.

Außerdem soll die die Entscheidung als „absolute Provokation gegenüber den 1.500 Familien sein, die im Gemeindegebiet auf den sozialen Dienst der Gemeinde angewiesen seien“. Es könne nicht sein, dass „diese spanischen Personen, die ihre Steuern zahlen und Lebensmittelhilfen beantragt haben, sehen, dass wir auf die Immigration reagieren, indem wir diese in 4-Sterne-Hotels versorgen“.

Corona machte Einzelunterbringung erforderlich

Die Tatsache, dass auf den Kanaren Migranten in Hotels und Apartmentanlagen untergebracht werden müssen, hat mindestens drei Gründe:

1.) Es auf den Kanaren keine freien Kapazitäten mehr zur Unterbringungen von Migranten. Die Unterbringung von Migranten ist Aufgabe des spanischen Staates. Dieser hat aber bisher nichts unternommen, um weitere Unterbringungsmöglichkeiten, wie z.B. das Ausländerinternierungszentrum (CIE) auf Fuerteventura wieder zu eröffnen.

2.) Der Richter, der für Kontrolle der Unterbringung von Migranten zuständig ist, hat die aktuelle Lage im Zeltlager von Aguineguin sowie in anderen Unterkünften als unzumutbar gerügt.

3.) Aufgrund der Coronaprotokolle müssen die Menschen möglichst isoliert von einander untergebracht werden. Dies ist in den bisher üblichen Sammelunterkünften jedoch nicht möglich, da dort viele Menschen auf engsten Raum zusammengedrängt leben und sich sanitäre Einrichtungen teilen müssen. In den Hotels und Apartments können die Menschen dagegen einzeln untergebracht werden, um eine Coronaausbreitung zu vermeiden.

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