Fuerteventuras unsichtbare Arbeitslosigkeit

Arbeitslosenzahlen-Kanaren

Auf Fuerteventura waren zum Ende des 3. Quartals 2020 13.520 Personen arbeitslos gemeldet. Damit lag die offizielle Arbeitslosenquote auf Fuerteventura zum Ende des 3. Quartals bei 23,17%.

Zum Ende des ersten Quartals 2020 waren auf Fuerteventura 10.040 Personen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote lag bei 15,98%.

Bei einem oberflächlichen Blick auf die Zahlen scheint die Arbeitslosigkeit, die sich in Folge der Corona-Krise auf Fuerteventura ausgebreitet hat, gar nicht so dramatisch zu sein.

Schließlich lag die offizielle Arbeitlosenquote auf Fuerteventura nach der Banken- und Finanzkrise von 2008 zwischen 2009 und 2013 ständig zwischen 30 und 36%.

Außerdem zeigt ein Blick in den historischen Verlauf der Arbeitslosenquote, dass die Arbeitslosenquote auf Fuerteventura in der Vergangenheit auch in Boomzeiten fast immer bei mindestens 10% lag.

Man hat der Arbeitslosigkeit einfach einen anderen Namen gegeben

Tatsächlich sind auf Fuerteventura aber zurzeit viel mehr Menschen ohne Arbeit, ohne dass sie als „Arbeitslose“ gezählt werden.

Das Zauberwort, mit dem sich die linkspopulistische spanische Zentralregierung die Arbeitslosenzahlen schönredet, heißt ERTE. Hinter diesen Expedientes de Regulación Temporal de Empleo verbirgt sich eine zeitlich begrenzte Suspendierung der Arbeitsverhältnisse.

Zu Beginn der Pandemie hat die spanische Regierung Ende März 2020 per Gesetz bestimmt, dass die Corona-Krise kein Grund für eine Kündigung des Arbeitsverhältnis wegen „höherer Gewalt“ sein soll.

Anstatt zu kündigen, sollten die geschlossenen Unternehmen ihre Mitarbeiter in die sogenannte ERTE schicken. Dadurch entstand allerdings die Verpflichtung, die Mitarbeiter auch nach Beendigung des ERTE für mindestens 6 Monate weiterzubeschäftigen. Die Arbeitnehmer sollten zunächst 70% ihres Bruttolohns erhalten.

Der große Vorteil für die Politik: die Arbeitsverhältnisse bestehen offiziell weiter, sie sind quasi nur auf Eis gelegt. Die Betroffenen müssen nicht als Arbeitslose gezählt werden, die offizielle Arbeitslosenquote bleibt niedrig.

Aktuelle ERTE-Zahlen für Fuerteventura schwer zu finden

Während sich die Zahlen für die Zahl der Arbeitslosen und der Arbeitslosenquote für Fuerteventura auf der Webseite des Kanarischen Statistikinstituts (ISTAC) leicht finden lassen, konnten wir dort keine aktuellen Zahlen über die Zahl der Personen finden, die zurzeit auf Fuerteventura von einen ERTE betroffen sind.

Medienberichten zufolge waren Anfang Mai rund 16.000 Arbeitnehmer von eine ERTE betroffen.

Selbst wenn man davon ausgeht, dass in den Sommermonaten auf Fuerteventura die Zahl der von ERTE betroffenen Arbeitnehmern zurückgegangen ist, dürften deren Zahl mindestens noch genauso hoch sein, wie die Zahl der offiziellen Arbeitslosen.

Wenn man also die Definition von „arbeitslos“ davon abhängig machte, ob für es für die betroffene Person „etwas zu tun“ gibt, dann wären läge die Arbeitslosenquote auf Fuertenventura bei mindestens 46%, wahrscheinlich aber bei weit über 50%.

Tickende soziale Zeitbombe

Es ist zurzeit kaum abzuschätzen, wie viele der Arbeitsplätze, die zurzeit in Form eines ERTE künstlich am Leben gehalten werden, für immer verschwinden werden.

Doch es braucht schon viel Zweckoptimismus, wenn man glaubt, dass alle Unternehmen und damit auch alle Arbeitsplätze die Krise überleben.

Deshalb besteht ein großes Risiko, dass mit dem Auslaufen der ERTE und dem damit verbundenen anschließenden Kündigungsverbot die Zahl der Firmenpleiten und der „offiziellen“ Arbeitslosen massiv ansteigen könnte.

In vielen Fällen kommen die Ausgleichszahlungen für die von den ERTE betroffenen Arbeitnehmer entweder verspätet oder gar nicht. In vielen Familien reicht das Geld nicht mal mehr, um genug zu essen zu kaufen.

Private Hilfsorganisationen wie der Verein „caja de la pequeña Silvia“ unter Federführung der deutschen Ärztin Dr. Karola Simoni haben Hochkonjunktur und sorgen dank der Unterstützung von privaten Spendern dafür, das besonders hat betroffen Familien mit Kindern Lebensmittel kaufen können.

6 Kommentare

  1. @Helga
    Ich glaube,die Menschen,die hier jemals 20 Jahre in einem Betrieb gearbeitet haben, kann man an 5 Fingern abzählen!
    Hier gab es seit Jahren fast nur befristete Verträge für 1Jahr…
    In den Genuß einer solchen Abfindung kommt hier wie gesagt vermutlich eine „Handvoll“…

  2. Heute kam ja die Meldung das ein Impfstoff zum greifen nahe ist. Wollen wir mal hoffen das es so ist. Der Tourismus würde sich schnell erholen. Die Menschen wollen reisen und viele brauchen nach dieser schweren Zeit Abwechslung und Erholung. Ich wünsche es allen und vorallem Fuerte mit seinen tollen Einwohnern das viele Sorgen und Nöte wieder verschwinden.

  3. Es gibt für dieses Problem keine nachhaltige Lösung. Die einseitige Abhängigkeit vom Tourismus schlägt natürlich voll zu, wenn der Tourismus wegbricht. Quasi Meyer-Werft in groß. Diversifikation ist das Zauberwort, aber wie soll das auf einer Insel wie Fuerte funktionieren? Man könnte die halbe Insel mit Photovoltaik zupflastern und LNG herstellen, mit entsprechenden Auswirkungen auf den Tourismus. Ich mutmaße einfach mal, dass es noch Jahre dauern wird, bis sich das touristische Niveau wieder normalisiert. Viele wird es auf das Festland ziehen, auf der Suche nach Arbeit.

  4. Das ist Sozialismus. So oft gescheitert und immer wieder praktiziert. Staatlicher Eingriff in die Wirtschaft funktioniert dauerhaft nicht.

  5. Hallo,
    Wie ich informiert bin, bekommt ein Arbeitnehmer der sich in Erte befindet und anschließend gekündigt wird pro Arbeitsjahr einen Monat Abfindung..
    Das wird sehr wahrscheinlich nicht passieren. Dann kommt die Firmenpleite und die Arbeitnehmer hatten garnichts von dem Gesetz.
    Beispiel 20 Jahre beim gleichen Arbeitgeber monatlich 1300 Euro macht 26. 000 Euro.
    Zum heulen für viele…
    Es trifft immer die, die es wirklich brauchen…
    😔

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