Entwarnung nach Aufregung um schwarze Flagge am Strand von Jandia im Süden von Fuerteventura

Schwarze-Flagge-Jandia-Fuerteventura

Fuerteventura ist berühmt für seine herrlichen Strände und das kristallklare Wasser. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Einwohner und Urlauber besonders sensibel reagieren, wenn eines der wertvollsten Güter, die Wasserqualität an den Badestränden, in Gefahr ist.

Folglich hat am 30. Juli 2021 die „schwarze Flagge“ für Verunsicherung und Aufregung gesorgt, die plötzlich am Rettungsturm T-2 am Strand von Jandia zwischen dem Robinson Club und dem Hotel RIU Palace wehte.

Leider gab es seitens der Gemeinde zunächst keinerlei weitere Informationen oder gar eine offizielle Stellungnahme zu dem Thema.

Ein Blick in die Gemeindeverordnung, die die Nutzung der Strände in Pájara regelt, erklärt die Bedeutung der „schwarzen Flagge“ wie folgt:

„Las banderas de playa de color negro indican que la playa se encuentra actualmente clausurada debido al mal estado del mar y de la arena, suponiendo en ambos casos un grave riesgo para la salud.“

(„Die Strandflaggen in schwarzer Farbe zeigen an, dass der Strand zurzeit gesperrt ist aufgrund des schlechten Zustands des Meeres oder des Sandes, was in beiden Fällen ein gravierendes Risiko für die Gesundheit bedeutet.“)

1. Wasseranalyse hat mikrobiologische Belastung signalisiert

Die Wasserqualität an den Stränden von Pájara wird regelmäßig durch Laboranalysen kontrolliert. Diese regelmäßigen Kontrollen sind unter anderem als Voraussetzung für die Auszeichnung mit dem Qualitätssiegel der „Blauen Flagge“ vorgeschrieben.

Eine solche Wasserprobe hat nun offenbar bei der Untersuchung auf Bakterien ein positives Ergebnis angezeigt. Allerdings soll diese Probe nicht positiv auf E.Coli gewesen sein, sondern auf ein anderes nicht weiter bezeichnetes Bakterium.

Wenn eine Wasserprobe positiv ausfällt, sieht das Protokoll vor, sofort eine zweite Probe zu entnehmen und diese erneut ins Labor zu schicken.

Das Hissen der schwarzen Flagge sei eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen, die aufgrund des ersten positiven Probenergebnisses geboten war, heißt es aus Kreisen der Gemeinderegierung.

Nachdem klar war, dass der Sandstrand nicht von einer möglichen Kontamination durch die nahegelegene Fäkalienpumpstation betroffen ist, wurde die schwarze Flagge zurückgenommen und stattdessen die rote Flagge gehisst. Diese signalisiert ein Badeverbot, nicht aber die komplette Sperrung des Strandabschnittes.

Strandabschnitt wieder zum Baden freigegeben

Nachdem am späten Vormittag des 31.07.2021 das negative Ergebnis der Kontrollprobe vorlag, wurde die rote Flagge heruntergenommen und durch die gelbe Flagge ersetzt. Bei gelber Flagge ist Baden nicht verboten. Allerdings warnt diese vor erhöhtem Risiko z.B. durch Wellen und Strömungen.

Die zweite Probe war ohne jeden Befund. Es wurden keine Krankheitserreger festgestellt, heißt es aus Kreisen der Gemeinde.

Mögliche Gründe für ein positives Analyseergebnis

Die Gründe für ein positives Analyseergebnis einer Wasserprobe sind vielfältig.

Der naheliegendste Grund ist natürlich, dass tatsächlich eine Kontamination vorliegt. Dies sagt allerdings noch nichts über die mögliche Ursache einer Kontamination bzw. über die Herkunft der in der Probe enthaltenen Keime aus.

Grundsätzlich könnte sogar eine Verunreinigung des Probenbehälters vor oder nach der Probenentnahme durch eine schlampige Arbeitsweise zu einem positiven Ergebnis führen.

Auch eine zufällige, zeitlich und räumlich punktuelle Verschmutzung am Ort der Probenentnahme kann zu einem positiven Ergebnis führen, z.B. wenn ein vorbeifahrendes oder ankerndes Boot kurz zuvor verbotenerweise Fäkalien ins Meer entsorgt hat. Solche Fälle kommen leider immer wieder mal vor, stellen aber für die Umwelt und die Sicherheit des naheliegenden Strandabschnitts in der Regel keine Gefahr dar, schon gar nicht bei den ablandigen Windverhältnissen, die im Süden Fuerteventuras vorherrschen.

In der Nähe des betroffenen Strandabschnitts befindet sich eine Fäkalien-Pumpstation. In der Vergangenheit ist es dort gelegentlich zu Havarien mit entsprechender Kontamination gekommen. Dies sei aber laut Informationen aus Gemeindekreisen im aktuellen Fall auszuschließen.

Mangelhafte Kommunikationspolitik der Gemeinde

Die Verantwortung für die Strände der Gemeinde Pájara liegen bei der delegierten Gemeinderätin für Strände, Dunia Álvaro, und beim Bürgermeister Pedro Armas.

Die fehlende Kommunikation seitens der Gemeinde ist schwer nachzuvollziehen. Möglicherweise war man bereits davon ausgegangen, dass es sich um einen falschen Alarm gehandelt haben könnte, und wollte einen möglichen Imageschaden verhindern.

Doch in Zeiten, in denen praktisch jeder Strandbesucher ein Smartphone mit Kamera in der Tasche und dank mobilem Internet jederzeit Zugang zu sozialen Medien hat, ist es offensichtlich, dass eine solche Strategie des Verschweigens nicht funktionieren kann.

Sicher wäre ein kurzes offizielles Statement mit der Information, dass man den Strand rein vorsorglich gesperrt hat, um auf die Ergebnisse der zweiten Probe zu warten, wesentlich sinnvoller gewesen.

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9 Kommentare

  1. Eigentlich wäre ja überhaupt mal interessant wie das mit den Abwässern auf den Inseln so funktioniert. Ich glaub ich google mal.
    Kann mich an die 80ziger Jahre an Italien oder Jugoslawien erinnern. Da konnte einem schon einmal so ein Köttel begegnen während des schwimmens.
    Aber das wird wohl nicht mehr so sein… Ooooooder????..:-)

  2. Könntet ihr bitte mal in einer Karte kennzeichnen, wo genau diese Fäkalien-Pumpstation liegt? Da muss man ja nun wirklich nicht ins Wasser steigen, egal, ob vorher geklärt wird

    • Die Station liegt zwischen Robinson und Rio Palace. Allerdings wir da kein Abwasser ins Meer gepumpt. Es ist die tiefste Stelle in der Umgebung. Von dort wird das Abwasser zur Kläranlage hochgepumpt.

  3. Als Tourismusverantwortlicher der Gemeinde würde ich auch schreiben, das alles in Ordnung ist. Komisch, dass die erste Probe so kritische Keimzahlen aufwies, dass der Strand gesperrt werden musste und es dafür von der Gemeinde keine vernünftige Erklärung gibt. Vielleicht ist es doch nicht so gut, wenn man direkt am örtlichen Badestrand die Fäkalabwässer ins Meer pumpt?

    • Die Station liegt zwischen Robinson und Rio Palace. Allerdings wir da kein Abwasser ins Meer gepumpt. Es ist die tiefste Stelle in der Umgebung. Von dort wird das Abwasser zur Kläranlage hochgepumpt.

    • Die Station liegt zwischen Robinson und Rio Palace. Allerdings wir da kein Abwasser ins Meer gepumpt. Es ist die tiefste Stelle in der Umgebung. Von dort wird das Abwasser zur Kläranlage hochgepumpt.

  4. Das an der Badestelle von der Pump und Aufbereitunsstation eingeleitete Abwasser ist ja nicht weg. Bisweilen trägt die Strömung den ganzen Spaß wenig verdünnt zurück.

    • Die Pumpstation dient dazu, das Abwasser vom tiefsten Punkt in der Umgebung nach oben zur Kläranlage zu pumpen, nicht ins Meer.

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