Fuerteventura gilt heute als eine der trockensten Inseln der Kanaren, geprägt von kargen Ebenen, kaum Niederschlag und ohne Wälder oder natürliche Seen. Offene Wasserquellen fehlen weitgehend, die Landschaft ist vielerorts wüstenartig. Umso bemerkenswerter sind neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die ein völlig anderes Bild der Insel vor rund 9.000 Jahren zeigen.
Studie in Fachzeitschrift veröffentlicht
Am 1. März 2026 wurde in der Fachzeitschrift „Quaternary“ eine Studie veröffentlicht. Analysiert wurden fossile Vogelknochen aus der Cueva del Llano in der Gemeinde La Oliva im Norden von Fuerteventura. Die Höhle ist Teil eines vulkanischen Röhrensystems nahe Villaverde und die einzige bekannte Struktur auf der Insel mit geschichteter Sedimentfüllung aus dem Pleistozän und Holozän.
Das Alter der Funde wurde mithilfe der Radiokarbonmethode bestimmt. Die untersuchten Schichten datieren auf etwa 8521 bis 5786 Jahre vor heute und liefern damit Einblicke in die Zeit lange vor der Ankunft des Menschen auf Fuerteventura und den Kanaren.
209 Fossilien erzählen von reicher Vogelwelt
Insgesamt wurden 209 in der Höhle gefundene Vogelknochen untersucht. Den größten Anteil stellen mit 149 Funden die Überreste der Wachtel Coturnix coturnix. Darüber hinaus fanden sich zahlreiche weitere Arten, darunter viele kleine Singvögel, die heute auf Fuerteventura nicht mehr vorkommen.
Die Ansammlung der Knochen wird auf die Aktivität von Raubvögeln zurückgeführt. Sowohl tagaktive als auch nachtaktive Jäger nutzten die Höhle offenbar über lange Zeit als Rückzugsort, lagerten oder fraßen dort in Ruhe ihre Beute.
Wälder und Gewässer statt Trockenheit
Besonders aufschlussreich ist die Zusammensetzung der Vogelarten. Viele der identifizierten Arten sind an Wälder, dichten Bewuchs oder an Gewässer gebunden. Einige kommen heute weder auf Fuerteventura noch auf anderen Kanarischen Inseln vor.
Die Forscher schließen daraus, dass es in der Umgebung der Höhle einst Gewässer wie Teiche oder Lagunen gab, begleitet von üppiger Ufervegetation. Auch bewaldete Flächen mit dichtem Unterwuchs müssen vorhanden gewesen sein, ein Landschaftsbild, das im deutlichen Gegensatz zur heutigen Trockenheit steht.
Klima deutlich feuchter im Holozän
Im frühen Holozän herrschte auf Fuerteventura demnach ein deutlich feuchteres Klima als heute. Trotz global höherer Temperaturen zwischen etwa 10.000 und 7.000 Jahren vor heute könnten veränderte atmosphärische Bedingungen zu stärkeren Niederschlägen auf der Insel geführt haben.
Diese klimatischen Verhältnisse ermöglichten so vielfältige Lebensräume und eine deutlich größere Artenvielfalt. Mit der späteren Entwicklung trockenerer Bedingungen verschwanden diese Lebensräume nach und nach.
Bedeutung für Forschung und Schutz
Die Ergebnisse unterstreichen die hohe wissenschaftliche Bedeutung der Cueva del Llano. Der Fundort liefert wichtige Hinweise auf die Umweltgeschichte von Fuerteventura und zeigt, wie stark sich Klima und Landschaft im Laufe der Zeit verändert haben.
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