Die Reederei Baleària Canarias und die Hafenbehörde von Las Palmas haben eine neu Ära für den Schiffsverkehr auf den Kanarischen Inseln eingeleitet. In der Nacht zum 09.06.2026 erhielt die Schnellfähre „Mercedes Pinto“ als erstes Schiff überhaupt eine Betankung mit Flüssigerdgas (LNG) im Hafen von Las Palmas.
Die „Mercedes Pinto“ war erst am 05.06.2026 auf der Verbindung zwischen Teneriffa, Gran Canaria und Fuerteventura in Betrieb gegangen. Mit dem neuen Hochgeschwindigkeitsschiff will Baleària die Verbindungen zwischen den Inseln stärken und die Beförderungskapazitäten im Archipel ausbauen.
Nach Angaben der Hafenbehörde handelt es sich sowohl um die erste LNG-Betankung im Hafen von Las Palmas als auch um die erste Versorgung eines Baleària-Schiffes mit Tanklastwagen auf den Kanarischen Inseln.
Versorgung mit zwei Tanklastwagen gleichzeitig
Die Betankung erfolgte am Kai „Juan Sebastián Elcano“ mithilfe des sogenannten MTTS-Systems (Multi Truck To Ship). Dieses Verfahren ermöglicht die gleichzeitige Versorgung eines Schiffes durch mehrere Tanklastwagen.
Für den Vorgang wurden zwei Tankfahrzeuge eingesetzt, die parallel arbeiteten. Insgesamt wurden 600 Megawattstunden Energie in Form von Flüssigerdgas an Bord gepumpt. Die Förderleistung betrug 600 Liter pro Minute und Tankwagen, wodurch ein gemeinsamer Durchfluss von 1.200 Litern pro Minute erreicht wurde.
Die erfolgreiche Durchführung dieser Operation stärkt nach Angaben der Verantwortlichen die technische und logistische Leistungsfähigkeit des Hafens von Las Palmas für die Versorgung von Schiffen mit umweltfreundlicheren Kraftstoffen.
Baleària setzt auf nachhaltigere Schifffahrt
Der Generaldirektor von Baleària, Georges Bassoul, erklärte, dass Baleària Canarias mit dieser ersten Versorgung einen wichtigen Schritt zur Förderung der Entwicklung und regelmäßigen Bereitstellung nachhaltiger Schiffskraftstoffe auf den Kanaren unternehme.
Ziel sei es, die maritime Mobilität effizienter und zugleich umweltverträglicher zu gestalten. Die Nutzung alternativer Kraftstoffe solle dazu beitragen, die Emissionen des Schiffsverkehrs im Archipel schrittweise zu reduzieren.
Hafen von Las Palmas will führende Rolle ausbauen
Die Präsidentin der Hafenbehörde von Las Palmas, Beatriz Calzada, dankte Baleària für das Vertrauen in den Hafen von Las Palmas. Sie bezeichnete die Versorgung der „Mercedes Pinto“ als Startschuss für die Bereitstellung weniger umweltschädlicher Kraftstoffe.
Calzada betonte, dass der Hafen bereits heute zu den führenden Versorgungsstandorten im mittleren Atlantik gehöre. Nach ihren Angaben ist Las Palmas Marktführer bei der Treibstoffversorgung von Schiffen im mittleren Atlantik und belegt im spanischen Hafensystem den zweiten Platz.
Die Hafenbehörde habe die Bunkeringaktivitäten als strategischen Bereich definiert. Daher müsse der Hafen in der Lage sein, sämtliche Kraftstoffarten bereitzustellen, die von Reedereien benötigt und vom Markt nachgefragt werden. Gleichzeitig arbeite die Behörde daran, künftig eigene Lagerkapazitäten für Flüssigerdgas aufzubauen, um Schiffe direkt mit LNG versorgen zu können. Dabei werde besonderer Wert auf hohe Sicherheitsstandards gelegt.
Mercedes Pinto als Vorzeigeprojekt für Umwelttechnik
Mit einer Investition von 128 Millionen Euro gilt die „Mercedes Pinto“ als eines der modernsten Hochgeschwindigkeitsschiffe der Baleària-Flotte. Das Schiff verfügt über Dual-Fuel-Motoren, die sowohl mit Erdgas als auch mit Biogas betrieben werden können.
Biogas gilt als CO₂-neutrale Energiequelle und kann unter bestimmten Voraussetzungen einen Betrieb mit netto null CO₂-Emissionen ermöglichen. Die Fähre ist damit ein zentrales Element der Dekarbonisierungsstrategie der Reederei.
Baleària verfolgt bereits seit Jahren eine Strategie, Erdgas als Übergangskraftstoff im Seeverkehr einzusetzen. Nach Angaben des Unternehmens lassen sich dadurch die Emissionen von Kohlendioxid und Stickoxiden deutlich reduzieren. Gleichzeitig entfallen Schwefel- und Partikelemissionen nahezu vollständig. Darüber hinaus setzt die Reederei auf ausgewählten Routen bereits Biogas ein, um die Umweltbelastung weiter zu verringern und die Schifffahrt langfristig klimafreundlicher zu gestalten.
Für Fuerteventura bedeutet die Inbetriebnahme der „Mercedes Pinto“ eine weitere Modernisierung der Verkehrsanbindungen. Die Insel profitiert damit nicht nur von zusätzlichen Kapazitäten auf den wichtigen Fährstrecken zwischen Teneriffa, Gran Canaria und Fuerteventura, sondern auch von einem Schiff, das nach aktuellen Umweltstandards entwickelt wurde und einen Beitrag zur schrittweisen Dekarbonisierung des kanarischen Seeverkehrs leisten soll.
Ein weiterer positiver Nebeneffekt: das moderne Schiff ist wesentlich leiser, was für Anwohner in Hafennähe sehr angenehm ist; und es stinkt auch nicht so sehr, wie ein mit Diesel oder Schweröl angetriebenes Schiff.
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