Das im Bau befindliche „Zentrum für die vorübergehende Betreuung von Ausländern“ (Centro de Atención Temporal de Extranjeros, CATE) in El Matorral auf Fuerteventura soll nach Angaben der spanischen Zentralregierung noch vor Ende des Jahres 2026 fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. Das neue Zentrum wird zunächst über 300 feste Plätze verfügen. Bei Bedarf kann die Kapazität auf bis zu 600 Plätze erweitert werden. Mit der Inbetriebnahme soll das spanische Innenministerium künftig auf eigene Einrichtungen zurückgreifen können und die sogenannte „Nave del Queso“, eine Immobilie des Cabildo von Fuerteventura, die zurzeit für die Unterbringung von Migranten genutzt wird, an die Inselregierung zurückgeben.
Bereits Ende Oktober 2024 hatte der spanische Ministerrat eine Investition in Höhe von 7,4 Millionen Euro im Dringlichkeitsverfahren für den Bau eines CATE auf Fuerteventura mit einer geplanten Kapazität von 600 Plätzen sowie eines weiteren Zentrums in Adeje auf Teneriffa mit 350 Plätzen beschlossen.
Während das Zentrum in Adeje als modulare Anlage auf Grundstücken des Innenministeriums geplant wurde, begründete die spanische Regierung den Bau auf Fuerteventura damit, dass die Insel ein Zentrum mit ausreichender Kapazität und den notwendigen Versorgungsstrukturen benötige, um Migranten während der ersten polizeilichen Maßnahmen nach ihrer Ankunft unterzubringen.
Polizeiliche Erstaufnahme für maximal 72 Stunden
Ein CATE ist eine polizeiliche Einrichtung, die dem spanischen Innenministerium untersteht. Dort erfolgen die Erstaufnahme, die Identitätsfeststellung und die ersten Verwaltungsmaßnahmen gegenüber irregulär eingereisten Migranten. Die Aufenthaltsdauer darf gesetzlich 72 Stunden nicht überschreiten.
Die Bauarbeiten in El Matorral sollten ursprünglich von der staatlichen Gesellschaft Tragsa ausgeführt werden. Letztlich erhielt jedoch ein anderes Unternehmen den Auftrag. Die Arbeiten begannen vor mehr als einem Jahr und haben sich nach Angaben der Inseldirektorin der spanischen Zentralregierung auf Fuerteventura, María Jesús de la Cruz, etwas verzögert.
Probleme bei der Zufahrt verzögerten den Bau
Der Hauptgrund für die Verzögerung lag nach ihren Angaben in Schwierigkeiten bei der Planung der Zufahrt zum Gelände. Ursprünglich sollte die Zufahrt entlang des Ortes El Matorral verlaufen. Dafür wären Enteignungen privater Grundstücke notwendig gewesen, gegen die sich die Eigentümer jedoch wehrten.
Schließlich einigten sich das Verteidigungsministerium und das Innenministerium darauf, dass das Verteidigungsministerium die benötigte Fläche überlässt und die Zufahrt innerhalb des militärischen Geländes entlang des Zaunes angelegt wird.
Das Gelände gehört dem Verteidigungsministerium, das dem Innenministerium Flächen für den Aufbau der Infrastruktur zur Aufnahme der mit Booten auf Fuerteventura ankommenden Migranten zur Verfügung stellt.
Ehemaliges Abschiebezentrum wird umgebaut
Für den neuen CATE werden die Gebäude des ehemaligen Internierungszentrums für Ausländer (Centro de Internamiento de Extranjeros, CIE) bei El Matorral genutzt. Dieses war 2003 eröffnet worden, um auf dem Seeweg ankommende Migranten aufzunehmen. Es war bis 2012 in Betrieb und wurde 2018 endgültig geschlossen. Es gab Anlass zur Kritik, dass trotz jahrelanger Schließung weiterhin rund 12.500 Euro monatlich für den Unterhalt der Anlage ausgegeben wurden.
Nach Angaben von María Jesús de la Cruz seien inzwischen die Probleme bei der Kläranlage, der Wasserversorgung, dem Stromanschluss und der Zufahrt gelöst worden. Deshalb werde erwartet, dass die Anlage noch vor Ende des Jahres 2026 übergeben und in Betrieb genommen werden könne.
Kapazität kann auf 600 Plätze erweitert werden
Die Inseldirektorin erläuterte, dass die beiden bestehenden Hallen des früheren CIE lediglich angepasst und modernisiert wurden. Ein Neubau sei nicht errichtet worden.
Innerhalb der ehemaligen Hallen entstehen rund 300 feste Plätze. Zusätzlich wird im Außenbereich eine Fläche vorbereitet, auf der bei Bedarf weitere 300 Plätze geschaffen werden können.
Nach Angaben des Innenministeriums soll jede Region, die regelmäßig Migranten aufnimmt, über geeignete Einrichtungen verfügen, damit Situationen wie in den vergangenen Jahren künftig vermieden werden können. Infrastruktur dürfe nicht nur für Krisenzeiten geschaffen und anschließend wieder aufgegeben werden.
„Nave del Queso“ soll an das Cabildo zurückgegeben werden
Seit dem Jahr 2021 hatte das Cabildo von Fuerteventura dem spanischen Innenministerium die sogenannte „Nave del Queso“, eine Gewerbehalle am Rand von Puerto del Rosario, als provisorisches CATE zur Verfügung gestellt. Dort wurden Migranten während der ersten 72 Stunden nach ihrer Ankunft auf Fuerteventura betreut.
Die Überlassung war von Anfang an nur als Übergangslösung gedacht, bis das frühere CIE in El Matorral entsprechend umgebaut worden wäre. Mit der Inbetriebnahme des neuen CATE soll diese Halle nun an das Cabildo zurückgegeben werden.
Zunehmende Bedeutung durch Inkrafttreten des Europäischen Migrationspakts
Mit dem Inkrafttreten des Europäischen Pakts zu Migration und Asyl (Pacto Europeo de Migración y Asilo) am 12. Juni 2026 gewinnen die CATE zusätzlich an Bedeutung. Sie dienen künftig als zentrale Anlaufstellen für die verpflichtende biometrische Identifizierung, das beschleunigte Grenzscreening sowie die Registrierung im Fingerabdrucksystem Eurodac.
Kein neues Internierungszentrum geplant
María Jesús de la Cruz stellte zugleich klar, dass eine Wiedereröffnung des früheren CIE endgültig vom Tisch sei. Ursprünglich war vorgesehen gewesen, die Einrichtung mit europäischen Fördermitteln zu modernisieren. Von diesen Plänen habe die Regierung jedoch Abstand genommen. Vorgesehen sei ausschließlich der Betrieb des CATE.
Auch die Schaffung neuer Aufnahme-, Notfall-, und Verteilungszentren (Centros de Acogida, Emergencia y Derivación, CAED) durch das spanische Migrationsministerium gilt derzeit als unwahrscheinlich. Diese Einrichtungen dienen normalerweise der Unterbringung von Migranten nach Abschluss der Identifizierung im CATE.
Aktuell 320 Aufnahmeplätze auf Fuerteventura
Derzeit stehen auf Fuerteventura insgesamt 320 Plätze für die Aufnahme von Migranten zur Verfügung. Seit dem 1. Juli 2026 betreibt die Stiftung Cepaim (Fundación Cepaim) nach einer Umstrukturierung 280 Plätze, davon 180 in El Matorral und 100 in Puerto del Rosario.
Zusätzlich verwaltet das Spanische Rote Kreuz (Cruz Roja) in Puerto del Rosario eine Einrichtung mit 40 Plätzen für besonders schutzbedürftige Personen, darunter Frauen und Familien. Nach Angaben der Inseldirektorin reicht diese Kapazität derzeit aus, da die durchschnittliche Aufenthaltsdauer nach Verlassen des CATE etwa einen Monat beträgt. Viele Migranten würden jedoch bereits vorher auf das spanische Festland weitergeleitet.
Anwohner äußerten zunächst Bedenken
Die geplante Errichtung des CATE in El Matorral war in der Bevölkerung zunächst auf Kritik gestoßen. Einige Einwohner lehnten die Ansiedlung einer Aufnahmeeinrichtung für Migranten im Ort ab.
María Jesús de la Cruz erklärte jedoch, dass nach einzelnen Vorfällen im Umfeld der Unterkunft die betreibende Nichtregierungsorganisation reagiert habe. Inzwischen habe sich ein gutes gegenseitiges Verständnis entwickelt und ein friedliches Zusammenleben eingestellt. Dies sei ein Ziel, das die Gesellschaft insgesamt anstreben müsse.
Wenn Du unsere Inhalte nützlich, unterhaltsam oder informativ findest, kannst Du den Lohn für unsere Arbeit selbst bestimmen. Das geht ganz einfach über diesen Link: