Spanien plant Verbindung der Stromnetze von Fuerteventura und Gran Canaria

Stromkabel-Verbindung-Fuerteventura-unf-Gran-Canaria

Die spanische Zentralregierung hat die Verbindung der Stromnetze von Fuerteventura und Gran Canaria in ihren neuen Entwurf für die Stromnetzplanung bis 2030 aufgenommen. Damit können die technischen Vorarbeiten und die Verwaltungsverfahren für die künftige Verbindung zwischen beiden Inseln beginnen.

Das spanische Ministerium für den ökologischen Wandel und die demografische Herausforderung (Ministerio para la Transición Ecológica y el Reto Demográfico, MITECO) gab dies am 23.10.2026 bekannt.

Die Entscheidung wurde nach einem Treffen zwischen dem spanischen Staatssekretär für Energie, Joan Groizard, und dem kanarischen Regierungsrat für ökologischen Wandel und Energie, Mariano Hernández Zapata, mitgeteilt. Bei dem Gespräch ging es um Änderungen am Planungsentwurf, die nach der Prüfung von insgesamt 2.566 Stellungnahmen aus dem öffentlichen Anhörungsverfahren vorgenommen wurden.

Stromverbindung zwischen Fuerteventura und Gran Canaria noch ohne Zeitplan

Nach Angaben des Ministeriums enthält der überarbeitete Entwurf ausdrücklich Maßnahmen für die künftige Stromverbindung zwischen Gran Canaria und Fuerteventura. Diese sollen es ermöglichen, die technischen Arbeiten und die erforderlichen Verwaltungsverfahren einzuleiten.

Das Vorhaben ist damit Bestandteil der geplanten Maßnahmen für die Stromversorgungssysteme der Inseln. Das gesamte Planungsdokument befindet sich allerdings weiterhin im Genehmigungsverfahren.

Konkrete Angaben zu Kosten, technischen Details oder zum Zeitplan für den Bau der Verbindung zwischen Fuerteventura und Gran Canaria machte das Ministerium nicht.

Die Aufnahme in den Planungsentwurf bedeutet daher noch nicht, dass der Bau der Verbindung bereits beschlossen ist oder kurzfristig beginnen kann.

Stromverbindung könnte Versorgungssicherheit verbessern und Kosten senken

Eine Verbindung zwischen Fuerteventura und Gran Canaria könnte die Versorgungssicherheit auf beiden Inseln deutlich verbessern. Bei Ausfällen von Kraftwerken oder Engpässen in der Stromerzeugung könnte Elektrizität zwischen den Inseln ausgetauscht werden. Davon würde auch Lanzarote profitieren, dessen Stromnetz bereits mit dem von Fuerteventura verbunden ist. Ein weiterer Vorteil wäre die bessere Nutzung erneuerbarer Energien. Überschüssiger Strom aus Windkraft und Solaranlagen könnte auf andere Inseln übertragen werden, anstatt die Erzeugung bei geringer Nachfrage drosseln zu müssen. Umgekehrt könnte Fuerteventura bei geringer eigener Stromproduktion zusätzliche Energie beziehen.

Kosteneinsparungen und CO2-Vermeidung

Bereits im Rahmen der spanischen Stromnetzplanung für den Zeitraum 2015 bis 2020 wurden die wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile einer solchen Verbindung untersucht. Nach damaligen Berechnungen könnten die variablen Kosten der Stromerzeugung um rund 62 Millionen Euro jährlich sinken. Durch einen geringeren Bedarf an zusätzlichen Kraftwerkskapazitäten von etwa 127 Megawatt könnten weitere 30 Millionen Euro an fixen Kosten eingespart werden. Außerdem wurde eine Verringerung des jährlichen CO₂-Ausstoßes um rund 240.000 Tonnen prognostiziert. Das entspräche mehr als sechs Prozent der damaligen Emissionen der zusammen betrachteten Stromversorgungssysteme. Diese Zahlen beruhen allerdings auf älteren Modellrechnungen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf die aktuelle Planung übertragen.

Weitere Stromprojekte auf den Kanarischen Inseln erhalten Vorrang

Neben der geplanten Verbindung zwischen Fuerteventura und Gran Canaria sieht der Entwurf mehrere vorrangige Projekte für die Strominfrastruktur der Kanarischen Inseln vor.

Dazu gehört eine Stromverbindung zwischen Tías und Playa Blanca auf Lanzarote. Dieses Projekt wurde ausdrücklich als vorrangig eingestuft und soll bei der weiteren Planung bevorzugt behandelt werden.

Ebenfalls zu den vorrangigen Vorhaben gehören die stärkere Vernetzung des Stromnetzes auf La Palma, eine neue Nord-Süd-Verbindung auf Teneriffa, der westliche Stromnetzring auf Teneriffa sowie die Verstärkung der Nord-Süd-Verbindung auf Gran Canaria.

Darüber hinaus sollen Drosselspulen und Synchronkompensatoren installiert werden, um die Stabilität der insularen Stromnetze zu erhöhen.

Nach Angaben des Ministeriums dienen diese Maßnahmen dazu, die Stromübertragungsnetze auf den Kanarischen Inseln zu verstärken und die Versorgungssicherheit zu verbessern.

26 neue Umspannwerke und 452 Kilometer Stromleitungen geplant

Der neue Planungsentwurf sieht auf den Kanarischen Inseln den Bau von 26 neuen Umspannwerksanlagen sowie Maßnahmen an einem Großteil der bereits bestehenden Anlagen vor.

Außerdem ist der Bau von insgesamt 452 Kilometern neuer Stromleitungen vorgesehen. Weitere 26 Kilometer bestehender Leitungen sollen durch technische Verbesserungen eine höhere Übertragungskapazität erhalten.

Nach Abschluss der öffentlichen Anhörung wurden vier zusätzliche Umspannwerksanlagen und 26 weitere Schaltfelder in die Planung aufgenommen. Diese sollen vor allem zur Verstärkung der Verteilnetze beitragen.

Das Ministerium weist darauf hin, dass die Zahl der vorgesehenen Schaltfelder im kanarischen Stromnetz deutlich über dem Durchschnitt des spanischen Festlands liegt.

Zudem erinnert das Ministerium an eine im Sommer 2026 verabschiedete Regelung. Demnach müssen Verteilnetze in Inselgebieten, in denen die Zahl der Stromunterbrechungen über dem landesweiten Durchschnitt liegt, gezielt verstärkt werden. Diese Verpflichtung gilt auch dann, wenn die Netze die bestehenden gesetzlichen Anforderungen bereits erfüllen.

Mehr Kapazität für Stromverbrauch und erneuerbare Energien

Mit den geplanten Maßnahmen sollen die Stromnetze der Kanarischen Inseln künftig eine zusätzliche Nachfrage von 0,4 Gigawatt bewältigen können.

Dieser zusätzliche Bedarf hängt nach Angaben des Ministeriums insbesondere mit der Elektrifizierung der Häfen und der Stromversorgung von Wohngebäuden zusammen.

Auch der Ausbau erneuerbarer Energien soll durch die neue Netzplanung erleichtert werden. Die vorgesehene Dimensionierung der Stromversorgungssysteme auf den Inseln soll die Integration von rund 2,2 Gigawatt zusätzlicher Erzeugungsleistung aus erneuerbaren Energien ermöglichen.

Darüber hinaus berücksichtigt der Entwurf die Vorbereitung der notwendigen Infrastruktur für die Einbindung des geplanten Pumpspeicherkraftwerks Güímar auf Teneriffa.

Die geplante Stromverbindung zwischen Fuerteventura und Gran Canaria ist somit Teil einer umfassenderen Strategie zur Modernisierung und Stabilisierung der Stromversorgung auf den Kanarischen Inseln. Wann die Verbindung tatsächlich gebaut werden könnte, bleibt allerdings offen.

Bestimme den Lohn für unsere Arbeit!

Wenn Du unsere Inhalte nützlich, unterhaltsam oder informativ findest, kannst Du den Lohn für unsere Arbeit selbst bestimmen. Das geht ganz einfach über diesen Link:

e445ff221e3341e2afc61fea0dd13f0b
https://www.fuerteventurazeitung.de/du-bestimmst-den-lohn-fuer-unsere-arbeit/ banner 300x250 Bestimme den Lohn

Weitere Beiträge im Bereich Fuerteventura Nachrichten