Kanarische Spritpreise auf Rekordniveau

Seit Beginn der Wirtschaftskrise sind die Preise für Treibstoffe auf den Kanaren kontinuierlich gestiegen. Während der Liter Benzin im Jahr 2007 durchschnittlich 0,76€ (95 Oktan) bzw. 0,83€ (98 Oktan) kostete, lagen die Preise in 2012 durchschnittlich bei 1,10€ bzw. 1,18€. Dies entspricht einem Anstieg von rund 46%. Noch deutlicher ist im selben Zeitraum der Preis für Dieselkraftstoff gestiegen, nämlich von durchschnittlich 0,64€ auf 1,03€, bzw. um 61%. Und auch in 2013 geht der Preisanstieg unaufhaltsam weiter.

Im Februar 2013 lag der Preis für Diesel bei 1,11€.

Gegenläufig zum Preisanstieg hat sich die Nachfrage nach Kraftstoffen verringert. In 2007, dem Jahr vor dem Beginn der Krise, wurden auf den Kanaren 578.470 Tonnen Benzin und 788.024 Tonnen Diesel verbraucht. In 2012 tanken die Canarios dagegen nur 476.000 Tonnen Benzin und 628.000 Tonnen Diesel.

Abgesehen von den Steuererhöhungen ist es vor allem der fehlende Wettbewerb auf dem kanarischen Tankstellensektor, der trotz sinkender Nachfrage zu immer weiter steigenden Preisen führt. Die Konsumenten sind darauf angewiesen, Kraftstoff nachzufragen, und können den Verbrauch nicht in dem Maße reduzieren wie die Preise steigen. Ökonomen nennen dieses Nachfrageverhalten „Preis-inelastisch“.

Juan Luis Jiménez, Professor für angewandte Wirtschaftsanalyse der Universität von Las Palmas ist, genau wie andere Kollegen, nach mehrjährigen Studien der Treibstoffmärkte in Spanien und auf den Kanaren zu dem Ergebnis gekommen, dass der Wettbewerb in diesem Sektor sehr gering ist bzw. auf den Kanaren praktisch gar nicht existiert.
Auf den Kanaren gibt es ca. 418 Tankstellen, die von 5 Firmen betrieben werden. Marktführer mit 202 Stationen ist DISA, gefolgt von Cepsa mit 79 Tankstellen. Knapp dahinter liegt BP mit 62 und etwas abgeschlagen Repsol mit 55 Betrieben. Mit gerade einmal 20 Tankstellen hat „Petrolífera Canaria“ (PCan), eine Einkaufsgemeinschaft von freien Tankstellen, nicht einmal 5% Marktanteil.

In 2004 hat mit der Übernahme der Shelltankstellen durch DISA und durch die Fusion von Cepsa mit Texaco eine Konzentration stattgefunden, durch die DISA nun rund 48% des Marktes kontrolliert.

Um den Wettbewerb auf dem spanischen Tankstellenmarkt zu fördern, hat der Ministarrat der spanischen Regierung am 22.02.2013 einen Maßnahmenkatalog beschlossen, der den Marktzutritt von neuen Wettbewerbern erleichtern soll. Firmen, die in einer Provinz bereits einen Marktanteil von 30% besitzen, dürfen in den nächsten 5 Jahren keine neuen Tankstellen eröffnen oder übernehmen. Davon betroffen sind insbesondere DISA auf den Kanaren, sowie Repsol, die rund 35% aller 10.300 Tankstellen in Spanien kontrolliert.

Die Maßnahmen der Regierung stützen sich auf Gutachten der Nationalen Wettbewerbskommission und der Nationalen Energiekommission aus dem Oktober 2012. Beide Gutachten führen die massiven Preisanstiege bei den Kraftstoffen auf die Marktmacht, die die großen Mineralölkonzerne ausüben, zurück. Beide Kommissionen raten zu einer Förderung des Marktzutritts von neuen Wettbewerbern.

„Nur die freien Tankstellen können etwas Wettbewerb in den Markt bringen“, glaubt der Wirtschaftsprofessor Jiménez. Auf den Kanaren reduzieren die „Großen“ im Umkreis von einigen Kilometern einer „PCan“-Tankstelle ihre Preise, weil sie Angst vor der Konkurrenz haben, erklärt er weiter.

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