Spanier machen zu wenig Babys

Nach der Studie „Demografía y Natalidad en España“ („Demografie und Geburtenrate in Spanien“) des Instituts für Familienpolitik gehören die Kanaren neben Asturien und Galizien zu den drei autonomen spanischen Gemeinschaften, die eine Geburtenrate von ungefähr einem Kind pro Mutter aufweisen, was als kritische Zahl angesehen wird.

Obwohl die meisten Spanier im Durchschnitt 2,3 Kinder haben möchten, was über der stabilen Geburtenzahl von 2,1 läge befindet sich die tatsächliche Zahl an Kindern pro Mutter mit 1,3 weit darunter und bildet sogar die Geringste in ganz Europa.

Heute werden in Spanien rund 114.000 Kinder weniger geboren als noch im Jahre 1980, obwohl die Bevölkerung seitdem um 9 Millionen Menschen gestiegen ist und auch Geburten von Müttern mit ausländischen Wurzeln hinzugezählt werden, die bereits 2014 allein 75.714 ausmachten. Laut der Studie führt die aktuelle Geburtenzahl dazu, dass in Spanien 260.000 Menschen weniger geboren werden, als für die Erhaltung der Bevölkerung von einer Generation zur nächsten nötig sind.

In der EU gehören spanische Mütter zu jenen, die am spätesten Kinder bekommen, was es schwerer macht, dem Trend in den kommenden Jahren entgegenzusteuern. Das Alter des ersten Kindes hat seit 1980 um mehr als 3,5 Jahre zugenommen und liegt heute bei den meisten Gemeinden bei über 32 Jahren. Im Jahr 2013 wurden in Spanien 108.690 Abtreibungen durchgeführt, was einer Abtreibung alle 4,8 Minuten entspricht. Somit gehört das Land neben Frankreich und dem Vereinten Königreich zu den drei Ländern mit den meisten Abtreibungen.

Die spanische Bevölkerungszahl ist im Zeitraum von 2010 bis 2015 um 600.000 auf 46,4 Millionen Menschen gesunken. Gleichzeitig ist die Zahl der Geburten um 60.000 auf 350.000 Babys gesunken. Seit drei Jahren ist die Bevölkerung in Spanien rückläufig, die Abnahme erreichte 2014 einen Wert von 32.777.

Trotz des Rückgangs an Einwanderern von 1,3 Millionen, der vor allem der Wirtschaftskrise zu schulden ist, liegt die Zahl der Immigranten nach wie vor bei 4,4 Millionen. Damit werden knapp 9,5% der Bevölkerung, oder einer von zehn Personen in Spanien, zur Gruppe der Immigranten gezählt.

Spanien hat sich in ein alterndes Land verwandelt. Fast jeder fünfte Spanier ist über 65 Jahre alt und 6% sind über 80 Jahre alt. Die Lebenserwartung ist gleichzeitig alle fünf Jahre um ca. 1,3 Jahre angestiegen und beträgt bei Geburt 83 Jahre. Damit ist das Durchschnittsalter über einen Wert von 42 Jahren angestiegen. Mit ihm hat sich auch der Altersabschnitt mit der größten Bevölkerungszahl von den 20- bis 24-Jährigen im Jahr 1996 zu den 40- bis 50-Jährigen im Jahr 2015 verschoben.

Der Studie nach ist diese demografische Entwicklung einmalig in der Geschichte und wird, falls sie weiter fortschreitet, in Zukunft katastrophale Folgen haben. Konkret wird ungefähr jeder dritte Spanier über 65 und jeder neunte (6 Millionen Menschen) über 80 Jahre alt sein. Die historische „Bevölkerungspyramide“ wird sich damit umgekehrt haben, sodass die über 80-Jährigen das größte Alterssegment darstellen und auf drei Leute über dem Rentenalter von 65 Jahren nur fünf Beschäftigte unter 65 Jahren fallen würden.
Vor diesem Hintergrund hat das Institut für Familienpolitik eine Reihe von Vorschlägen vorgestellt, unter anderem einen Staatsvertrag zur Geburtenzahl und Demografie und die Sammlung von Vorschlägen zur Geburtensituation in Spanien. Weitere Vorschläge sind die entsprechende Sensibilisierung der Gesellschaft, Familienförderung sowie regelmäßige Umfragen über Nöte und Probleme der spanischen Familien, besonders der Mütter und werdenden Mütter.

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