Unsichtbare Gefahr Plastikmüll

Wie die Forschergruppe EOMAR für Ökophysiologie mariner Organismen der Universität Las Palmas de Gran Canaria bei der Untersuchung mehrerer kanarischer Strände herausfand, trägt jede Welle im Durchschnitt 120 Gramm millimeterkleiner Plastikteilchen an einen Quadratmeter Sand – ein Ergebnis, das uns Menschen den besorgniserregenden Grad der Meeresverschmutzung vor Augen führen sollte.

Plastikabfälle, die in den Ozeanen treiben, werden durch natürliche Einflüsse wie UV-Einstrahlung oder die Meeresströmung auf Dauer zerkleinert. Obwohl der Kunststoff dadurch einen immer höheren Feinheitsgrad erreicht und somit quasi unsichtbar wird, kann die tatsächliche Zersetzung von Plastik bis zu mehrere Jahrhunderte andauern. Dieses Mikroplastik entsteht jedoch nicht nur durch Abreibung und Sonneneinstrahlung. Sogenannte Pellets, die als Grundlage der Plastikproduktion verwendet werden, gelangen beispielsweise in größeren Mengen über industrielle Prozesse auch direkt ins Meer.

Diverse Studien haben bereits gezeigt, dass die Tausenden Tonnen an Plastikmüll immer häufiger für den qualvollen und langsamen Tod von Meeresbewohnern verantwortlich sind, da diese mit vollem Magen verhungern oder durch verstopfte Därme verenden. Das Plastikpulver ist nämlich so klein, dass es von verschiedenen Tieren statt oder mit der üblichen Nahrung aufgenommen wird. Dies betrifft unter anderem auch sogenanntes Phyto- (pflanzlich) und Zooplankton (tierisch) und beginnt somit bereits bei den kleinsten Lebewesen der Welt. Angefangen beim Plankton, das die Basis aller Nahrungsketten mariner Ökosysteme markiert, steigt die Konzentration der Plastikpartikel, in denen auch giftige und krebserregende Chemikalien wie Polychlorierte Biphenyle (PCB) oder DDT enthalten sein können, in der Nahrungskette immer weiter an.

Die Forscher der EOMAR wollen mit ihren Untersuchungen zeigen, was im Laufe der Jahre passiert, wenn der pulverisierte Plastikabfall mit seinen angelagerten Schadstoffen letztendlich auch an das Ende der Nahrungskette gelangt und somit in den für den menschlichen Verzehr bestimmten Lebensmitteln landet. Seit über einem Jahr werden dafür regelmäßig drei kanarische Stände untersucht, um das Ausmaß des globalen Problems zu messen. Am Strand von Las Canteras auf Gran Canaria, an der Playa de Famara auf Lanzarote sowie an der Playa del Ámbar auf der kleinsten Kanareninsel La Graciosa wurden dazu alle zwei Wochen oberflächliche Proben aus der ersten Sandschicht entnommen. Diese enthielten weniger als fünf Millimeter große Plastikpartikel, die am Tag der Entnahme aus dem Meer an Land gespült werden mussten. Die Untersuchung der Proben zeigte, dass an den Stränden auf Lanzarote und La Graciosa umgerechnet 120 Gramm Mikroplastik auf einen Quadratmeter Sand kamen, an der Playa de Las Canteras knapp 40 Gramm.

Aus einer Fangprobe gefischter Makrelen konnte EOMAR außerdem bereits Rückstände von Mikroplastik im Magen der Tiere finden. Die Gefahr soll durch eine Untersuchung noch weiter verdeutlicht werden, indem einer im Labor gezüchteten Zooplankton-Kultur Mikroplastik zugeführt wird. Das Plankton wird anschließend an Makrelen verfüttert, die wiederum als Futter für Meeresschildkröten dienen sollen. Aus den Ausscheidungen der untersuchten Schildkröten will man schließlich erkennen, ob sich die chemischen Schadstoffe, die am Anfang der Nahrungskette standen, auch in ihrem Gewebe angereichert haben und somit irgendwann zwangsläufig bei uns Menschen landen.

Wie aus einer internationalen Umweltkonferenz bekannt wurde, die im Mai auf Lanzarote stattfand, betrifft die Gefahr in einem solch alarmierenden Ausmaß nicht allein die Kanaren, sondern neben Spanien auch viele weitere Länder und stellt somit ein globales Problem dar. Aus diesem Grund gehen weltweit immer mehr Strandsäuberungsaktionen und bewusstseinsfördernde Kampagnen an den Start, um die Gewässer von der unsichtbaren Bedrohung zu befreien und den Teufelskreis zu stoppen. Ein Anfang ist dabei schon gemacht, wenn der eigene Unrat nicht achtlos weggeworfen oder am Strand liegen gelassen wird.

Auf Fuerteventura erreichten die beiden Interessengemeinschaften „Limpia Cofete“ und „Limpiaventura“ innerhalb kürzester Zeit wachsenden Zuspruch, und das sowohl von Anwohnern als auch von Urlaubern vor Ort. Deutlich wurde dies in den organisierten Beachcleaning-Aktionen, die ihre Teilnehmerzahlen von Mal zu Mal wachsen sahen und auch schon im Rahmen der europaweiten Initiative „Let’s Clean Up Europe“ an den Start gingen. Bleibt zu hoffen, dass das leidenschaftliche Engagement beider Gruppen sowie auch aller anderen Akteure, die sich für Abfallvermeidung und umweltbewusstes Denken einsetzen, immer mehr Menschen erreicht, um gemeinsam mit einem verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt für eine bessere Zukunft sorgen zu können.

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