Kommunistische Wirtschaft: Spaniens Regierung fixiert VK-Preis für Schutzmasken unter Einkaufspreis

Schutzmasken-für-96-Cent

Seit Beginn der Corona-Pandemie waren chirurgische Schutzmasken weltweit plötzlich sehr gefragt. Vielerorts waren die Masken ausverkauft oder wurden zu horrenden Preisen angeboten. Vor spanischen Apotheken hingen regelmäßig Schilder mit dem Hinweis, dass weder Masken noch Desinfektionsgels vorrätig seien.

Die sozialistisch-kommunistische spanische Regierung hielt sich für besonders schlau und hat am 22.04.2020 kurzerhand per Erlass einen maximalen Verkaufspreis für chirurgische Schutzmasken festgelegt. Maximal 0,96 Euro inklusive Mehrwertsteuer soll ein Endverbraucher in Spanien für eine solche Maske bezahlen.

Das Dumme ist nur: die spanischen Distributoren müssen im Einkauf auf dem internationalen Markt mindestens 1,21 Euro für solche Masken bezahlen.

Man muss kein Wirtschaftswissenschaftler sein, um zu wissen, wie der Markt reagieren wird: es werden in offiziellen Geschäften keine Masken mehr zu bekommen sein, weil kein Anbieter einkauft, um dann mit Verlust weiterzuverkaufen. Stattdessen entwickelt sich ein Schwarzmarkt, auf dem Masken zu noch höheren Preisen gehandelt werden.

„Ich hätte kein Problem damit, vorübergehend ohne Gewinn zum Einkaufspreis zu verkaufen. Aber darunter kann ich es nicht“, erklärt eine Händlerin verbittert.

Lehrstunde in Marktwirtschaft für sozialistische und kommunistische Minister

Eine der wichtigsten Bedingungen für das Funktionieren der Marktwirtschaft ist das freie Spiel von Angebot und Nachfrage sowie dem sich daraus ergebenden Preis.

Bei einer Verknappung des Angebots eines Gutes oder bei einem Anstieg der Nachfrage ändert sich der Preis quasi von allein, bis sich ein neues Gleichgewicht einstellt und der Preis wieder stabil bleibt.

Das gilt selbstverständlich auch für chirurgische Schutzmasken und Handdesinfektionsgel während der Coronapandemie.

Anders als auf einem sogenannten „idealen Mark“, wie ihn sich Wirtschaftswissenschaftler vorstellen, brauchen diese Preisanpassungsprozesse in der Realität eine gewisse Zeit.

Steigt die Nachfrage für Schutzmasken plötzlich an, so wie wir es dank Corona gerade erlebt haben, werden erst einmal die Lager der Einzelhändler leer gekauft. Wenn diese dann nachbestellen, stellen sie fest, dass die Großhändler die Preise erhöht haben. Also erhöhen auch die Einzelhändler ihre Verkaufspreise. Die Großhändler decken sich wiederum bei Importeuren ein, die wiederum beim Produzenten nachordert. Sofern noch freie Produktionskapazitäten vorhanden sind, fahren die Hersteller Sonderschichten, um die gestiegenen Nachfrage zu decken.

In einer „normalen“ Situation kommt dieser Prozess zu einem natürlichen Ende. Das Angebot wird so weit ausgedehnt, bis die Nachfrage beim sogenannten „Gleichgewichtspreis“ gedeckt wird.

Nationale Preisdeckelung kann internationalen Wettbewerb nicht beeinflussen

Ein Großteil der Schutzmasken wird in China produziert. Das Geschäft läuft international. Spanische Importeure oder Großhändler stehen also beim Einkauf im Wettbewerb mit Kollegen aus anderen Ländern.

Solange weltweit weniger Masken produziert als benötigt werden, werden die Hersteller die Kunden in den Märkten beliefern, die die höchsten Preise zahlen. In den USA z.B. spielt der Preis keine Rolle.

Wenn dann noch Ware übrig bleibt, werden die Hersteller auch in Länder verkaufen, die weniger zahlen.

Daher kann ein vom Staat festgesetzter Höchstpreis praktisch immer nur dazu führen, dass es zu einer Unterversorgung kommt und dass Schwarzmarktgeschäfte stattfinden. Die Unterversorgung ist nicht umsonst typisch für realsozialistische oder kommunistische Volkswirtschaften.

Preisdeckelung erstickt Produktionsausweitung in Spanien

Viele Unternehmen der Textilbranche in Spanien waren bereit, ihre Produktion auf die Herstellung von Schutzmasken umzustellen. Bei hoher Nachfrage und hohen Preisen macht das wirtschaftlich Sinn. Schließlich verursacht eine Umstellung der Produktion Kosten. Maschinen müssen umgerüstet und Mitarbeiter müssen geschult werden. Neue Rohstoffe und Verpackungen müssen beschafft werden. Neue Vertriebskontakte müssen her.

Der Textilverband Acotex stellt klar: „Die Herstellung einer Maske in einem kleinen Unternehmen kostet mehr als einen Euro. Viele Firmen haben anfangs aus Solidarität ihre Produktionslinien umgestellt, aber um in Maschinen und Personal zu investieren, brauchen sie höhere Preise.“

„Auf diesen Preis können die Hersteller nicht kommen. Und exportieren dürfen sie auch nicht“, erklärt der Verband Intertextil. „Der Preis von 96 Cent deckt kaum die Kosten und daher lohnt es nicht, Masken zu produzieren, weshalb einige Firmen es lassen werden.“

Auch die Händler, die sich bereits vor dem Erlass zu höheren Einkaufspreisen mit Schutzmasken eingedeckt haben, könnten jetzt nur mit Verlust verkaufen. Auch diese Händler könnten versucht sein, die Ware ins Ausland zu schmuggeln um sie auf dem internationalem Markt zu verkaufen.

Es zeigt sich einmal mehr, dass unüberlegte Eingriffe des Staates in den Markt meist nicht zum gewünschten Ziel führen, wie z.B. zur Versorgung der Bevölkerung mit Masken zu einem günstigen Preis.

Ausweg: Subventionierung

Die Lösung des Problems könnte eine wenigstens vorübergehende Subventionierung der Produktion von Schutzmasken sein, damit die Firmen wenigstens ihre Kosten decken können. So wäre zumindest eine Versorgung der Bevölkerung mit dem wichtigen Produkt gewährleistet.

Gleiches Schicksal für Handdesinfektionsgel

Dem Markt für Handdesinfektionsmittel droht übrigens dasselbe Schicksal. Auch hierfür hat die Regierung Höchstpreise festgelegt.

4 Kommentare

  1. Seit 55 Jahren bin ich als
    Tourist ein Freund der
    spanischen Lebensart.
    Organisation und Planung
    waren noch nie die Stärken
    der Spanier.

  2. Desinfektionsmittel stelle ich selbst her. Eine sprühflasche füllen mit reinem Alkohol (wenn erhältlich, sonst hochprotentigen Schnaps), dazu ein paar Tropfen teebaumöl. Ist desinfizierend.

  3. glaub ich nicht, dass die studiierten Herren das nicht berücksichtig haben. Ich glaube eher an die Theorie, dass die Sekretärin es versäumt hat, allen mitzuteilen, dass die Differenz vom Staat getragen wird – als „Unterstützung“ ans Volk – die Politiker haben nun ganz viel zu tun, das ist sicher untergegangen. Bei den Spitzengehältern leisten die sich so einen Fehler nicht, denn in jeder anderen Firma hätten sie die fristlose Kündigung bekommen!

  4. Der meist zitierte Satz in meinem Leben : Bin mit Spaniern groß geworden, eines Tages saß ich mit meinem Freund Antonio in der Küche seiner Eltern, auf der Fensterbank stand eine Cafetera, (das ist so ein Ding mit dem man Café auf der Herdplatte braut) mit verschmorten Plastikgriff. Die Frage an meinen Freund Antonio lautete: „ wie kann man so etwas bauen?“ Er meinte: „ Bei uns ist das anders, ihr macht einen Plan und baut etwas, wir bauen etwas und wenn es nicht funktioniert machen wir einen Plan! Mit 8 Jahren hat mir Antonio etwas erklärt was bist heute Gültigkeit hat.

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