Sparen & Spenden: Warum Menschen auf Fuerteventura auf private Hilfe angewiesen sind

Karola-Norbert-Marco

„Wir bekommen täglich rund 200 Anrufe von Menschen, die dringend Hilfe benötigen. Wir werden von Hilferufen regelrecht überrannt“, erklärt uns Frau Dr. Karola Simoni sichtlich berührt.

Als Begründerin des Gemeinnützigen Vereins „caja de la pequeña Silvia“ sammelt die deutsche Ärztin auf Fuerteventura unermüdlich Spenden für ihre „arme-Kinder-Kasse“.

Unterstützt wird sie dabei von ihrem Partner Dr. Norbert Kuner, den Gründungsmitgliedern des Vereins Anke Grützediek, Bianka Eigenbrodt, Monika Reinartz und David Sarnow und vielen weiteren ehrenamtlichen Helfern.

Die „arme-Kinder-Kasse“ gab es schon vor Corona. Doch sie diente meist dazu, kleinere Probleme zu lösen, wie z.B. Kindern die Teilnahme an einer Klassenfahrt zu ermöglichen oder ein paar neue Fußballschuhe zu spendieren, wenn die Eltern sich das nicht leisten konnten. Medizinische Hilfe spendeten Karola und Norbert im Bedarfsfall durch ihren persönlichen Einsatz sowieso.

Pandemische Ausbreitung der Armut auf Fuerteventura

Doch mit der Corona-Pandemie breitet sich die auch die Armut auf Fuerteventura pandemisch aus. Zehntausende von Familien sind von plötzlicher Arbeitslosigkeit betroffen. Tausende Kleinunternehmer stehen vor dem Ruin.

Menschen, die bis vor Kurzem noch ein Einkommen erzielten, das ihnen ein einigermaßen sorgloses Leben ermöglichte, und sogar diejenigen, die zu den Besserverdienern gehörten, können ihren Kindern nicht einmal mehr etwas zu essen kaufen. An Schulbücher ist da oft gar nicht zu denken.

„Die staatlichen Zuschüsse für Schulbücher bemessen sich nach dem Einkommen der Leute in den Jahren 2018 und 2019. Da war für die meisten die Welt noch in Ordnung. Heute stehen sie unverschuldet vor dem Nichts und bekommen keine Hilfen für Bücher, weil sie nach Aktenlage zu viel verdienen“, erläutert Karola das Versagen des Sozialsystems.

Auch sonst kommt die versprochene Hilfe bei den Bedürftigen oft nicht an.

„Das von der Regierung versprochene Grundeinkommen ist ein Bürokratiemonster. Ohne Anwalt können viele Betroffene die Formulare gar nicht erst ausfüllen“, erzählt Karola weiter.

Außerdem stapeln sich die Anträge unbearbeitet auf den Ämtern, die mit der Lawine gar nicht mehr zurecht kommen.

Dasselbe gilt auch für andere Sozialleistungen und sogar für die Renten. Viele Menschen, die ihren Job verloren haben oder deren Arbeitsverhältnis suspendiert wurde (ERTE), müssen monatelang auf ihre Zahlungen warten. Neue Rentner bekommen keinen Termin, um ihre Rente zu beantragen.

Die Sozialämter auf den Gemeinden sind teilweise wochenlang nicht zu erreichen. Wenn man endlich durchkommt, bekommt man einen Termin „in ein paar Monaten“.

Wir können nicht die Welt retten, aber ein paar Familien einen vollen Kühlschrank bescheren

Das Team der privaten Hilfsorganisation ist überwiegend mit zwei Aufgaben beschäftigt: Anträge bearbeiten und einkaufen gehen.

Besonders wichtig ist Karola die gründliche Prüfung der Bedürftigkeit der Antragsteller: „Wir müssen auswählen, weil wir nicht genug Geld für alle haben. Deshalb berücksichtigen wir die Art der Notlage und wie sehr die Kinder betroffen sind“.

„Wenn wir ein Video bekommen, in dem eine alleinerziehende Mutter mit ihren Kindern in einer ansonsten völlig leeren Wohnung auf einem abgenutzten Sofa sitzt und uns dafür dankt, dass sie sich endlich wieder einmal satt essen konnten, ist das sehr emotional“.

Spenden kommen überwiegend von Patienten

Dr. Karola Simoni betreibt ihre Arztpraxis in Costa Calma seit 2004. Sie genießt bei ihren Patienten großes Vertrauen. Und so liegt es nahe, dass ein Großteil der Spenden aus den Reihen ihrer Patienten stammt.

Außerdem sieht Karola im Praxisalltag als Ärztin natürlich auch viele Fälle, in denen die Gesundheit der Kinder als Folge fehlender finanzieller Möglichkeiten der Eltern beeinträchtigt ist.

Doch in dem Maße, in dem die Not auf Fuerteventura wächst, steigt auch der Bedarf an Spendengeldern.

Spenden und Sparen – Ein Unternehmer bietet spontan Unterstützung an

Als Marco Buonocore, Mitbegründer des Unternehmens „L Aloe Vera fresca di Fuerteventura“ von der wachsenden Armut auf Fuerteventura erfährt, entschied er sich spontan, die „caja de la pequeña Silvia“ durch eine Aktion zu unterstützen.

„Als Patient kenne ich Karola schon lange, aber da ich mich bisher kaum in den sozialen Medien bewegt habe, habe ich erst vor Kurzem von ihrem sozialen Verein erfahren“, erklärt uns Marco.

„Als relativ großes Unternehmen auf Fuerteventura sitzen wir wie alle anderem im selben Boot. Auch unserer Firma geht es im Moment wirtschaftlich nicht gut. Aber dennoch würden wir die „arme-Kinder-Kasss“ gerne unterstützen“.

Und so hat Marco Karola, Norbert, das Team des lokalen Radiosenders Hola FM und uns von der Fuerteventura-Zeitung an einen Tisch gebeten und uns seine Idee vorgestellt:

„Wir haben die Preise für unsere Produkte ohnehin schon gesenkt, aber wir bieten ab 1. November 2020 jedem, der in unserem Onlineshop oder in unseren Filialen etwas kauft, einen zusätzlichen Rabatt von 5% an.“

„Für jedes Produkt, das wir ab dem 01.11.2020 verkaufen, spenden wir außerdem 1 Euro für die „caja de la pequeña Silvia. Im Durchschnitt liegen pro Einkauf 5 Artikel im Warenkorb, sodass pro Kunde im Schnitt 5€ an Spenden generiert werden sollten.“

„Für diese Aktion sind wir aber auf werbliche Unterstützung angewiesen, die Hola FM und die Fuerteventura Zeitung beisteuern.“

„So entsteht eine win-win-win-Situation“, von der auch wir als Unternehmen natürlich profitieren, weil wir unsere Belegschaft während der Krise an Bord behalten können. Unsere Kunden bekommen ein hochwertiges Produkt noch günstiger und last but not least können wir die „arme-Kinder-Kasse“ unterstützen.

Hier der Link zum Onlineshop von „L Aloe Vera Fresca di Fuerteventura“

Mit diesem Codewort bekommt ihr die 5% Rabatt beim Online-Einkauf und in den Geschäften: SILVIA.

Und wer auf Fuerteventura ist, findet unter diesem Link die Adressen und Öffnungszeiten der Geschäfte.

Wir finden die Aktion von „L Aloe Vera fresca di Fuerteventura“ unterstützenswert. Vielleicht kann sie als Vorbild für ähnliche Aktionen anderer Firmen dienen.

Hier findet Ihr weitere Informationen zum gemeinnützigen Verein: www.cajapequenasilvia.com

7 Kommentare

  1. Es wird für jeden Fuerte-Lover eine Selbstverständlichkeit sein einen kleinen Teil dazu beizutragen, stimmt´s ?

  2. Großartige Aktion! Wir haben ebenfalls gespendet. Danke an Frau Simoni und ihr Team für die Hilfe der bedürftigen Familien.

  3. Danke für diesen Sonderartikel über die absolut bewunderungswürdige Aktion.
    Ich habe auch gespendet und hoffe, dass @Senna diesen Artikel liest.
    Bleibt alle schön gesund.

  4. An Alle die ihre geliebte Insel dieses Jahr nicht besuchen konnten…. Spendet!!!
    So trägt ihr bei, dass es denen, die unter den Folgen der katastrophalen Situation leiden, ein kleines bisschen besser geht.

  5. Ein wirklich ganz tolle und engagierte Aktion für die Menschen auf Fuerte!
    Ich habe den Link sofort an alle Freunde weitergegeben und alle aufgefordert, dafür zu spenden. Ich habe ebenfalls eine ordentliche Summe gespendet und hoffe auf ganz viele Unterstützer!
    Danke, Frau Simoni und Ihre engagierten Helfer, dass Sie eine so schnelle und unkomplizierte Hilfe aufgebaut haben.

    Martin aus Hamburg

  6. Guten Tag, wir möchten helfen. Bitte um Kontakt zu den Vermittelnden, 01636969120, Mit freundlichen Grüßen Jörg Belinsky

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