Warum auf den Kanaren die Uhren anders ticken: Die Geschichte der Uhrzeit auf den Kanaren

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Dem Glücklichen schlägt keine Stunde, besagt ein Sprichwort. Warum die Uhren auf Fuerteventura anders ticken, als auf dem spanischen Festland und auch anders, als es ihre geografische Lage es erwarten lassen würden, erklären wir in diesem Artikel.

Obwohl bereits die alten Ägypter um 3.000 vor Christus schon Sonnenuhren auf Basis von einfachen Schattenstäben kannten, war bis zum Mittelalter in Europa die Zeitmessung per Uhr für die Mehrzahl der Menschen schlichtweg unnötig.

Der Tagesablauf der Menschen orientierte sich an dem, was ihnen Licht gab: der Stand der Sonne. Kurz vor Sonnenaufgang stand man auf, um bereits das erste Tageslicht auszunutzen. In besonders heißen Regionen waren die kühleren Morgenstunden besonders wichtig für die Menschen. Während der besonders heißen Mittagsstunden ruhte man sich an möglichst kühlen Orten aus, die Siesta war geboren. Wenn es am Nachmittag wieder kühler wurde, ging man erneut an die Arbeit.

Einen derartigen Arbeitstag kann man sich Deutschland heutzutage kaum noch vorstellen. In Spanien ist diese Art der Trennung von Arbeitszeiten an ein und demselben Tag aber durchaus weiterhin üblich. Es werden immer weniger, aber auch heute noch findet man auf Fuerteventura Geschäfte, die über Mittag die Türen schließen und erst am Nachmittag wieder öffnen.

Die ersten Uhrmacher im mittelalterlichen Europa waren Mönche. Die wichtigen Uhrzeiten wurden durch Glockenschläge der Kirchturmglocken bekannt gegeben. Später ergab sich daraus, dass die ersten öffentlichen Uhren an Kirchen oder Klöstern zu sehen waren.

Zeitzonen

Erst im 19. Jahrhundert wurden für größere Gebiete geltende Zeitskalen eingefügt. Primär geschah das wegen des Ausbaus der Eisenbahnnetze. Die „Ortszeiten“ mussten an eine gemeinsame und zentral erfasste Zeitskala angepasst werden. 1884 wurde dann eine verbindliche Weltzeit eingeführt. Damit einher ging, dass die Zeitzonen, in denen sich die Zeit auf Basis der geografischen Lage unterscheidet, zu amtlichen Zeiten wurden. Aber die Zeitzonen sind nicht nur rein geografisch zu betrachten.

Frankreich und Spanien beispielsweise lägen geografisch betrachtet in der gleichen Zeitzone wie England. Dennoch nutzen die beiden Länder im Gegensatz zu Großbritannien die Mitteleuropäische Zeit (MEZ).

Uhrzeit in Spanien und auf den Kanaren

In einem königlichen Dekret von 1900, das die Zeit in Spanien und auf den Balearen festlegte, hatte man die Kanaren einfach mal „vergessen“. Während also auf dem spanischen Festland und den Balearen ab dem 01.01.1901 die gleiche Zeit wie in England galt, war das bei den Kanaren nicht so klar.

Nach rein geografischer Betrachtung müssten die Uhrzeit auf den Kanaren in der Zeitzone Greenwich – 1 liegen. Damit müsste es auf den Kanaren eine Stunde früher sein, als in Großbritannien.

Drei Uhrzeiten auf Gran Canaria, zwei auf Teneriffa

Um 1920 herum gab es auf Gran Canaria sage und schreibe drei unterschiedliche Uhrzeiten: Eine im Hafen von Las Palmas, eine andere in der Gemeinde und eine dritte an der Kathedrale an der Plaza de Santa Ana, der einzigen öffentlichen Uhr. Die Telegrafenämter hielten sich an die Greenwich Zeit (westeuropäische Zeitzone), dann gab es die geografische Zeitzone, nach der es eine Stunde früher als in England war und eben die Zeit, die die Turmuhr an der Plaza Santa Ana anzeigte.

Gran Canaria und Teneriffa waren zu dieser Zeit wichtige Hafenstädte. 1915 galt Las Palmas de Gran Canaria sogar als zweitwichtigster Handelshafen nach New York.

Insbesondere die Engländer drängten darauf, dass man doch endlich eine offizielle Zeit für die Kanaren festlegen möge. Mehrere entsprechende Anfragen an die kanarische Behörden gaben diese an den Gouverneur weiter und dieser an die spanische Regierung. Dennoch blieben die Anfragen bis 1922 mehr oder weniger unbeantwortet.

Festlegung der Uhrzeit durch König Alfonso XIII

Nach jahrelangem Hin und Her hat König Alfonso XIII dann am 11. Februar 1922 in einem königlichen Dekret die Uhrzeit auf den Kanaren festgelegt. Sie sollte eine Stunde weniger betragen, als die auf dem spanischen Festland und den Balearen gültige Zeit. Daher ist auf den Kanaren seither die Uhrzeit im Vergleich zum Rest Spaniens um eine Stunde verschoben.

Franco lässt die Uhr auf Berliner Zeit vorstellen

In Spanien war es dann übrigens Diktator Franco, der am 16.03.1940 die Uhrzeit um 23 Uhr um eine Stunde vorstellen ließ. Damit wurde auf dem spanischen Festland und den Balearen die Uhrzeit in Einklang mit der Zeit in Berlin und Rom gebracht.

Die Uhrzeit der Kanarischen Inseln ist daher seit 1940 die gleiche Uhrzeit wie in England. An der Zeitverschiebung von einer Stunde im Vergleich zum Rest Spaniens änderte sich nichts.

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