Gofio, Fuerteventuras Kraftnahrung: ein typisch kanarisches Lebensmittel

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Wer schon einmal auf den kanarischen Inseln war und sich mit typisch kanarischen Spezialitäten beschäftigt hat, der kommt am „Gofio“ nicht vorbei. Mousse de Gofio ist eine der bekanntesten Nachspeisen, die auf den kanarischen Inseln serviert werden. Aber auch aus der typischen Tagesküche auf Fuerteventura ist Gofio nicht wegzudenken. Kinder bekommen morgens oder zum Nachmittagssnack einen Löffel Gofio in die Milch gerührt, zum Fuerteventura- Ziegen Käse reicht man „Pella de Gofio“, zum Nachtisch „Mousse de Gofio“ und vieles mehr.

Was ist Gofio?

Gofio ist ein Mehl, das aus geröstetem Mais (kanarisch millo, spanisch maíz) und / oder Weizen (spanisch trigo) hergestellt wird. Es handelt sich um ein Naturprodukt. Das reine Gofio hat eine helle Farbe, ist aber nicht so weiß wie Mehl. Die Farbe des unverarbeiteten Gofio variiert je nachdem, wie stark das Getreide geröstet wurde. Gofio kann leicht gelblich oder auch zart hellbraun sein. Kommt es mit Flüssigkeiten in Berührung wird das Gofio dunkler in der Farbe.

Ursprung des Gofio

Gofio gibt es seit der prähispanischen Zeit auf den Kanaren. Die ersten Bewohner der kanarischen Insel waren berbischen Ursprungs. Das kalorienreiche Gofio war ein fundamentaler Bestandteil ihrer täglichen Nahrung. Das Gofio wurde aus allem hergestellt, was es an Getreide und Hülsenfrüchten gab. Vornehmlich waren das Weizen und Gerste (spanisch: cebada) und Linsen (lentejas).

Der heute zumeist im Gofio verwendete Mais kam aber erst viel später, nämlich nach der Entdeckung Amerikas auf die Kanaren. Dennoch entwickelte er sich schnell neben dem Weizen zu dem am häufigsten für die Herstellung von Gofio genutzten Getreidearten.

Welchen Nährwert hat Gofio?

Gofio ist ein sehr nährstoffreiches Nahrungsmittel. Es ist reich an Ballaststoffen und Vitaminen der B-Gruppe (B1, B2, B3) und Vitamin C. Außerdem enthält es Mineralien wie Eisen, Magnesium, Zink und Kalium. Gofio ist reich an Kohlenhydraten (ca. 80g pro 100g Gofio) und Proteinen (ca. 11g pro 100g Gofio).

Eine Nährwertangabe ist schwierig, da es so viele verschiedenen Mischungen gibt, die sich alle unterscheiden. Je nach Mischung hat Gofio rund 340-400 kcal pro 100g.

Wie wird Gofio hergestellt?

Traditionell wird das geerntete, gereinigte und getrocknete Getreide in einem Außenofen, der mit Holz befeuert wird in einer Art großer Pfanne, dem tostador unter Rühren geröstet. Diese Pfanne bestand anfangs aus Lehm, später dann nutze man Pfannen aus Metall. Damit das Getreide gleichmäßig röstet, wird es mit einem Stab gerührt. Man unterscheidet die unterschiedlichen Röstungsgrade: tostado ligero (leicht geröstet) und tostado (kräftigere Röstung).

Dann wurde das abgekühlte geröstete Getreide in typischen Steinmühlen gemahlen. Diese bestehen aus zwei runden, leicht konischen Steinen. In der Mitte der Steine ist ein Loch, durch das eine hölzerne Achse verläuft. Im oberen Stein ist ein weiteres Loch, in das ein Holzstab eingesetzt werden kann. Dann kann man den oberen Stein entweder mit Hilfe eines langen Stabes drehen oder aber direkt mit der Hand. Das Getreide wird über das Loch der Achse eingefüllt, das fertige Mehl kommt am Rand aus der Mühle heraus und wird auf einem Tuch oder Ähnlichem aufgefangen.

Wie wird Gofio in der Küche verwendet?

Auch heute noch wird Gofio in der typisch kanarische Küche häufig verwendet. In den Supermärkten der Insel finden sich reihenweise unterschiedliche Mischungen und Röstungen.

Eine der typischsten Zubreitungsarten ist das sogenannte Pella de Gofio. Diese Art der Zubereitung ist zugleich die Älteste.

Hierzu wurde das Gofio einfach mit Wasser zu einem festen Teig verknetet, der lange haltbar ist. Zum Verzehr brach man einfach ein Stück ab. Auch die Ziegenhirten hatten auf ihren Wanderungen über die Inseln immer Pella de Gofio in einem Ledersack bei sich. In diesem wurde das Gofio mit Wasser gemischt und verknetet. Auch die Aufbewahrung fand in diesem Ledersack, dem zurrón statt.

Typisch kanarisch: Traditionelle Gerichte und Rezepte mit Gofio

Gofio escaldado – gebrühtes Gofio

Diese Gericht ist sehr traditionell und findet sich auf so mancher Speisekarte auf Fuerteventura.

Es handelt sich um Gofio, das mit heißer Brühe zu einer Art Brei verrührt wird.

Traditionell verwendet man Fischbrühe. Serviert wird das Gofio escalado mit großen Zwiebelstücken. Diese werden als eine Art Löffel benutzt.

Häufig wird mit etwas Minze und geröstetem Knoblauch dekoriert.

Gofio escalado kann aber auch mit Gemüsebrühe, Fleischbrühe oder Hühnerbrühe hergestellt werden.

Gofio escaldado reicht man zum Beispiel als Vorspeise. Dann isst man dazu Mojo (Rezept Mojo Canario). Auch reicht man das gebrühte Gofio zu Fischgerichten wie gegrilltem Fisch.

Rezept Gofio escaldado

Zutaten:

  • 1l Fischbrühe, am besten selbst hergestellt
  • 200g Gofio
  • 1 Zweig Minze
  • Rote Zwiebel
  • ggf. gerösteten Knoblauch

Die Fischbrühe zum Kochen bringen. Von der Herdplatte nehmen und den Zweig Minze (etwas Minze zur Dekoration aufbewahren) hinzugeben. Rund 2 Minuten ziehen lassen und dann die Minze wieder entfernen.

Gofio in eine Schüssel geben und die Fischbrühe mit einem Schneebesen unterrühren. Kräftig rühren, so dass keine Klümpchen entstehen.

Die geschälte Zwiebel schälen und vierteln, die so entstehenden Zwiebelspalten auseinander zupfen.

Gofio escalado in einer Schüssel anrichten. Die Zwiebelspalten am Rand ins Gofio stecken. Mit etwas Minze und wer es mag- mit geröstetem Knoblauch dekorieren und heiß servieren.

Pella de Gofio

Pella de Gofio ist die eine der einfachsten Varianten, in der Gofio in der kanarischen Küche verarbeitet wird. Traditionell wurde nur Gofio mit Wasser verknetet und die entstehende teigartige Masse zu einer Teigrolle geformt. Von dieser schneidet man dann Scheiben ab und reicht sie als Beilage, zum Beispiel zum Sancocho Canario.

Heute gibt man zur Pella de Gofio neben Wasser etwas Salz, gegebenenfalls etwas Zucker und Öl.

Diese Version der Pella de Gofio schmeckt auch hervorragend zu Ziegenkäse.

Die Pella de Gofio kann beliebig erweitert werden. Kleingehackte Zwieben, Paprika oder auch Käse können mit im Teig verarbeitet werden und geben so immer wieder ein anderes Aroma.

Pella de Gofio als Süßspeise

Man kann die kleinen Gofio-Taler auch als Süßspeise zubereiten. Dann gibt man zum Beispiel zerdrückte Banane dazu. Etwas Zimt und Rosinen geben ebenfalls eine leckere Note. Bei dieser Art der Zubereitung sind der Phantasie ebenfalls keine Grenzen gesetzt. Man gibt einfach hinein, was einem schmeckt. Von Datteln über Mandeln oder anderen Nüssen, zu Kokosflocken oder Apfelstückchen. Mischverhältnis? So wie es schmeckt!

Mousse de Gofio

Ein echter Traum ist ein Dessert mit Gofio, das Mousse de Gofio. Ähnlich einem Mousse au Chocolat wird es auch hergestellt.

Wir stellen hier zwei Varianten vor:

Rezept

  • Für 6 kleine Portionen braucht man:
    500ml Schlagsahne
  • 5 Eigelb
  • 1 Prise Salz
  • 150gr Gofio
  • 50gr Zucker
  • 2 Blatt Gelatine
  • ggf. gehackte Mandeln und Honig

Zubereitung:
Gelatine in kaltem Wasser einweichen

Sahne, Zucker und Eigelb in einem Topf gut verrühren und auf ca 85°C erwärmen. Wer kein Thermometer hat: bei mittlerer Hitze dauert das ca 7-8 Minuten, dabei ständig gut rühren, das Gemisch darf nicht kochen, sonst stockt das Ei!

Nach dem Erreichen der gewünschten Temperatur nimmt man den Topf vom Herd und lässt die Mischung etwas abkühlen. Dann das Gofio gut untermischen. Die Gelatine ausdrücken, mit etwas von der warmen Mischung verrühren, bis die Gelatine aufgelöst ist. Dann unter den Rest der Mischung rühren. Direkt auf der Oberfläche der Mischung mit Folie abdecken und mindestens 12 Stunden in den Kühlschrank stellen.

Nach der Kühlzeit mit der Küchenmaschine oder dem Handrührgerät wie Sahne aufschlagen. Dabei gewinnt die Mischung an Volumen und wird richtig cremig.

Dann in kleine Gläser abfüllen und mit gehackten Mandeln dekorieren.

Das Rezept ist nicht so sehr süß. Echte Süßmäulchen nehmen etwas mehr Zucker.

Rezept Mousse de Gofio

Wer eher ein Freund von weniger Kühlzeit und schnellerem Genuss ist, dem sei diese Variante als Herz gelegt:

  • 200ml Schlagsahne
  • 3 Eier
  • 3 El Gofio
  • 4 EL Zucker
  • Zimt

Sahne steif schlagen und im Kühlschrank kalt stellen. Eier trennen. Eigelb mit Zucker weißschaumig schlagen. Gofio gut unterrühren. Das Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen. Eigelb-Gofio Mischung vorsichtig unter die Sahne heben, Eiweiß ebenfalls vorsichtig unter die Mischung heben. Gegebenenfalls etwas gemahlene Mandeln unterheben. Mousse auf kleine Gläser verteilen. Etwa eine Stunde kalt stellen, dann mit Zimt bestäuben und servieren.

Gofio ist sehr wandelbar und dennoch einzigartig. Unsere klare Empfehlung: Einfach mal probieren!

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5 Kommentare

  1. Hola ,
    kann mir jemand sagen , wo ich den Kamelkäse bekommen kann? Bin ab 12.11 in Corralejo untergebracht und kann nachwievor picco espaniol.-((
    Vielen Dank
    Sabine

  2. Irgendwie habe ich den Verdacht, der Verfasser des Artikels mag die kanarische Küche … ;o))

    Einfach klasse, auch in dieser Ausführlichkeit – bzw. gerade DESWEGEN.

    Gerne weiter so!

    • In Betancuria hatten wir Gofio probiert, hervorragend! Kenne den Namen nicht mehr, ist direkt an der Hauptstraße rechts neben dem kleinen aber feinen Touristen Geschäft die auch selbstgemachten Ziegenkäse anbieten!

      • Dann kann es sich nur um das Restaurante Valtarajal handeln, von welchem ich bereits im Artikel über die Ruta de las Tapas sprach ;o))

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