Ende eines Schandflecks auf Fuerteventura rückt näher: Gemeinde ermöglicht Abriss von Las Agujas

Corralejo / Fuerteventura. Das Atlantis Bahia Real liegt direkt neben der Ruine des Las Agujas

Auf Fuerteventura gibt es mehrere Bauruinen, die schon seit Jahrzehnten die Landschaft verschandeln. Die aufgrund ihrer Lage wohl am häufigsten wahrgenommene Bauruine dürfte der ehemalige Hotelkomplex „Las Agujas“ sein. Schließlich liegen „die Nadeln“, in Anspielung an die spitzen Dachkonstruktionen, direkt am Ortsausgang von Corralejo und am Anfang der berühmten Strände „Grandes Playas“, sodass dort täglich wohl tausende von Urlaubern vorbeifahren.

Viele dürften sich wohl die Frage stellen, wie eine Immobilie in aller bester Lage, nämlich direkt am Meer, über Jahrzehnte derart vergammeln kann.

Doch wie bei vielen wertvollen Grundstücken auf Fuerteventura schwelt auch bezüglich der Las Agujas seit langem ein Streit zwischen Eigentümern, Umweltschützern und den Behörden.

Bereits im August 2019 hatte die Fuerteventurazeitung berichtet, dass die Gesellschaften, denen das Grundstück der Las Agujas und des benachbarten Hotels Bahia Real gehören, die beiden Grundstücke zusammenlegen wollen, um das Agujas abzureißen und danach das 5-Sterne-Hotel Secrets Bahia Real zu erweitern. Beide Gesellschaften gehören indirekt dem US-amerikanischen Investmentfond Blackstone.

Das Unternehmen hatte damals einen entsprechenden Antrag zur punktuellen Änderung des Bebauungsplans von La Oliva gestellt. Ein Umweltgutachten, das dem Antrag beigefügt war, sah in der geplanten Baumaßnahme keine bedeutenden Auswirkungen auf die Umwelt in der näheren Umgebung.

Laut Kritikern sollen andere Gutachten jedoch zu dem Ergebnis gekommen sein, dass gerade die Bebauung auf dem Las-Agujas-Grundstück einen wichtigen Einfluss auf die Sanddynamik der Grandes Playas und der Dünen habe.

Im Juli 2020 hatte die Kommission zur Umweltfolgenabschätzung der Inselregierung von Fuerteventura ihre Zustimmung zum Abriss der Bauruine gegeben.

Gemeide La Oliva bezeichnet Abriss der Las Agujas als Realität

Las Agujas Corralejo Fuerteventura
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Am 22. Juni 2022 hat die Gemeinderegierung von La Oliva in einer Pressemitteilung verkündet: „Nach drei Jahren Wartezeit, ist der Abriss der „Las Aguas“ am Ortseingang schon eine Realität. Der Gemeinderat hat in einer außerordentlichen Sitzung die „ersatzweisen Bauvorschriften“ [„normas subsidiarias“] dahingehend geändert, dass sie nun den Abriss der bestehenden Gebäude erlauben. Dadurch werden die Grundstücke, die in der Nähe der Küstenlinie liegen, frei gemacht, was Handlungen ermöglicht, die eine verwahrloste und einen hässlichen Anblick bietende Zone zurückgewinnen.

Die durchgeführte Änderung [der Bebauungsvorschriften] verfügt über alle vorgeschriebenen Gutachten, insbesondere im Hinblick auf die Umweltschutzaspekte“, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Bürgermeisterin von La Oliva, Pilar González, zeigte sich mit dem Beschluss zufrieden, weil der dazu beitragen wird, den Anblick am Ortseingang von Corralejo zo verbessern. Sie dankte den Mitarbeitern des Bauamtes für ihren Einsatz, weil es höchste Zeit für dieses Vorhaben gewesen sei.

Darüber, ob die Änderungen in den Bebauungsvorschriften außer dem Abriss der Bauruine auch gleich die geplante Zusammenlegung der Grundstücke und die Erweiterung des angrenzenden Hotels ermöglichen, verlor die Gemeinde in der Pressemitteilung übrigens kein einziges Wort.

Für die Eigentümerin des Grundstücks bedeutet dies vermutlich zunächst einmal, dass sie eine Abrissgenehmigung beantragen kann. Ob sich jedoch auch eine Verpflichtung zum Abriss daraus ergibt, ließ die Gemeinde in der Pressemitteilung ebenfalls offen. Falls es eine solche Verpflichtung nicht gibt, stellt sich die Frage, welchen Anreiz die Grundstückeigentümerin hat, das Geld für einen teuren Abriss auf den Tisch zu legen.

Der stärkste Anreiz dürfte wohl die Aussicht auf eine Baugenehmigung für die Hotelerweiterung sein. Weitaus schwächer wäre dagegen der Anreiz, wenn ein Abriss lediglich die Nachbarschaft des angrenzenden Luxushotels verschönern könnte.

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16 Kommentare

  1. Wird sich zeigen ob sich das Bahia so anstellt wie Riu oder jetzt zumindest den Abriss kurzfristig in die Wege leitet.

    Was ist eigentlich mit der Anlage hinter dem Bahia? Gehört die auch Blackstone? Ist es wahr dass die zum Bahia hin angemalt wurde damit es für die Hotelgäste nicht so furchtbar aussieht mit der Ruine?

  2. Ja Fuerte, wie war es früher dort schön, Corralejo Fischerdorfcharakter. Die Baustahl Ruinen entstanden erst später, als nimmersatte Gewinnstreber sich wie Heuschrecken darübermachten. Glaube nicht, dass ein planbarer Abriss gelingt.

  3. Vor 23 Jahren hatten wir im Las Agujas Familienurlaub mit Sohn, Schwiegertochter und 2 Enkelinnen verbracht.
    Ein paar Jahre später wurde es geschlossen, genau weiss ich es nicht mehr, obwohl wir jedes Jahr Urlaub auf Fuerteventura verbringen.

  4. Hallo! Hier böte sich die einmalige Chance, einen jahrelangen Schandfleck zu entfernen und den Küstenstreifen wieder allen Bürgern zugänglich zu machen. Eine so küstennahe Bebauung könnte doch mit ein paar Umweltgesetzen ganz einfach verhindert werden und damit würde das Grundstück ja für jeden Investor wertlos und könnte von der Gemeinde übernommen werden. Höchstwahrscheinlich könnte man sogar den heutigen Eigentümer zum Rückbau verpflichten. Aber warum? Es winken ja wieder lukrative Bauaufträge, um einen neuen Schandfleck dorthin zu setzen. Das ist alles ein widerliches Geschacher und Gemache, das einem US-amerikanischen Mega-Investor Dollars einbringt, aber der Bevölkerung von Fuerteventura nichts als weiterer nackter Beton.
    MfG Stefan

  5. „Auf Fuerteventura gibt es mehrere Bauruinen“ …
    … Grundsätzlich kann „mehrere“ natürlich alles bedeuten. Ich hätte mich für „zahlreiche“ entschieden.

  6. Interessanter Bericht. Im Text steht, die Eigentümer der Grundstücke sind Gesellschaften des US-amerikanischen Investmentfond Blackstone. Dann heisst es, für die Eigentümerin des Grundstücks bedeutet dies vermutlich zunächst einmal, dass sie eine Abrissgenehmigung beantragen kann. Wie sind denn nun die Besitzverhältnisse, wer ist sozusagen eingetragen im Grundbuch?

  7. Kann man das besichtigen, im Sinne eines lost place?

    Was gibt es sonst noch in der Art, ich kenne z.b. das relativ kleine alte Hotel in Tarajalejo und das in Morro, welches aber leider bewacht wird?

      • Ja Thomas mach doch mal einen Artikel über die „Lost Places of Fuerteventura“ und ihre Hintergründe oder eines deiner interessanten Videos. Es gibt ja so einige, die ältesten sind über 3000 Jahre alt 😉

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