Die Häfen auf Fuerteventura und Lanzarote verfügen inzwischen über ausreichende Umschlagzahlen, um eine eigene Hafenbehörde finanzieren zu können. Zehn Jahre nachdem die kanarische Regierung unter Fernando Clavijo von der Coalición Canaria (CC), damals gemeinsam mit der PSOE regierend, im Juni 2016 grünes Licht für die Schaffung einer Hafenbehörde für Lanzarote gegeben hatte, ist das Vorhaben politisch jedoch weiterhin nicht umgesetzt worden.
In den vergangenen zehn Jahren hat insbesondere Fuerteventura seine Hafenaktivitäten deutlich ausgebaut. Gleichzeitig haben beide Inseln ihre Zusammenarbeit intensiviert und bilden inzwischen eine gemeinsame Interessenvertretung, um gegen die aus ihrer Sicht zentralistische Behandlung durch die Hafenbehörde von Las Palmas vorzugehen.
Gemeinsame Verwaltung soll Entscheidungswege verkürzen
Eine gemeinsame Hafenbehörde für Lanzarote und Fuerteventura könnte, ohne den Einfluss privilegierter Entscheidungsträger aus Las Palmas, eine modernere Plattform für Hafendienstleistungen schaffen. Dadurch könnten Projekte schneller umgesetzt werden, die nach Ansicht der Handelskammer von Fuerteventura bislang durch die Hafenbehörde von Las Palmas behindert worden seien. Als Beispiel nennt sie die seit Jahren diskutierte regelmäßige Fährverbindung zwischen Fuerteventura und Tarfaya in Marokko. Während Lanzarote im Juni 2026 ein Erdölprospektionsschiff für Wartungsarbeiten empfangen habe, habe Fuerteventura einen weiteren Rückschlag hinnehmen müssen, nämlich die Einstellung der Fährverbindung nach Cádiz infolge des Auslaufens der Gemeinwohlverpflichtung.
Güterumschlag übersteigt bereits 1,5 Millionen Tonnen
Nach den aktuellen Verkehrsdaten wurden in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 über die Häfen von Arrecife und Puerto del Rosario zusammen mehr als 1,5 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Auf den Hafen von Arrecife entfielen 821.068,23 Tonnen, der Hafen von Puerto del Rosario erreichte 684.010,04 Tonnen.
Diese Zahlen belegen, dass beide Häfen wirtschaftlich leistungsfähig genug sind, um eine eigenständige Hafenbehörde dauerhaft finanzieren zu können. Während die technische Machbarkeit längst nachgewiesen sei, scheitere die Umsetzung weiterhin an politischen Entscheidungen auf staatlicher Ebene.
Beschluss der kanarischen Regierung liegt seit 2016 vor
Der Regierungsrat der kanarischen Regierung hatte bereits im Juni 2016 beschlossen, beim spanischen Verkehrsministerium offiziell die Einrichtung einer Hafenbehörde für Lanzarote zu beantragen. Grundlage dafür waren technische Gutachten, die die wirtschaftliche Eigenständigkeit bestätigten.
Als möglicher Ausweg wird eine gemeinsame Hafenbehörde für Lanzarote und Fuerteventura vorgeschlagen. Ähnliche Kooperationen gebe es bereits im Energiebereich. Denkbar wäre sogar ein wechselnder Vorsitz zwischen beiden Inseln. Gegenwärtig werde die Hafenbehörde von Las Palmas von der Coalición Canaria geführt, während die spanische Zentralregierung von der PSOE gestellt werde. Gleichzeitig stehe ein Kanarier an der Spitze der staatlichen Hafenbehörde Puertos del Estado.
Widerstände aus Las Palmas und Madrid
Die Verzögerung dürften geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen innerhalb der bestehenden Hafenbehörde von Las Palmas geschuldet sein. Mit der Ausgliederung der Häfen von Arrecife und Puerto del Rosario würde die Hafenbehörde von Las Palmas den Einfluss auf zwei der wichtigsten und stabilsten Handels- und Versorgungshäfen verlieren. Dadurch könnten Einnahmen verloren gehen, die bislang auch für größere Investitionen auf Gran Canaria verwendet würden.
Hinzu komme die komplexe Rechtslage nach dem spanischen Hafengesetz (Ley de Puertos del Estado y de la Marina Mercante). Die spanische Regierung verlange nicht nur den Nachweis kurzfristiger Wirtschaftlichkeit, sondern auch langfristiger finanzieller Stabilität, selbst für Zeiten möglicher Tourismuskrisen oder Unterbrechungen der Verkehrsverbindungen. Obwohl sämtliche von der Autonomen Gemeinschaft beauftragten Gutachten zu einem positiven Ergebnis kämen, werde die Unterzeichnung des erforderlichen Ausgliederungsdekrets in Madrid seit Jahren hinausgezögert.
Mehr Investitionen und schnellere Entscheidungen erwartet
Die derzeitige Struktur führt dazu, dass alle wichtigen Entscheidungen über die Häfen von Arrecife und Puerto del Rosario weiterhin von Las Palmas aus getroffen werden, obwohl auf Lanzarote ein einstimmiger Konsens aller politischen Kräfte im Cabildo, die Unterstützung der Handelskammer sowie eine seit 1971 bestehende gesellschaftliche Forderung nach einer eigenen Hafenbehörde bestehen.
Eine eigenständige Verwaltung würde nach Einschätzung des Berichts die Entscheidungsprozesse erheblich beschleunigen und die Entwicklung neuer Hafenflächen erleichtern. Gleichzeitig könnten private Investitionen in Bereiche wie Schiffsreparaturen, Treibstoffversorgung, Kreuzfahrtlogistik und die sogenannte Blaue Wirtschaft (Economía Azul) gezielt gefördert werden.
Darüber hinaus könnten beide Inseln ihre Hafenerträge unmittelbar in die Verbesserung ihrer Verkehrsanbindungen investieren und durch gezielte Hafengebühren die Importkosten senken. Dies könnte einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Diversifizierung sowie zur Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze auf Fuerteventura und Lanzarote leisten.
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