Wissenschaftler entwickeln Konzepte für das Parken an Fuerteventuras Stränden

Playa-la-Concha-Parkplatz-Autos

Manche Strände auf Fuerteventura liegen weit abseits und sind ohne Auto kaum zu erreichen. Doch gerade an abgelegenen Stränden in schützenwerten Naturgebieten ergibt sich ein Interessenkonflikt zwischen einer angemessenen Nutzung und dem Erhalt der Naturressourcen.
Wissenschaftler der Forschungsgruppe Geografie, Umwelt und Geoinformationstechnologien (Grupo de Geografía, Medio Ambiente y Tecnologías de la Información Geográfica) des Instituts für Ozeanografie und Globalen Wandel (Instituto de Oceanografía y Cambio Global, IOCAG) der Universität Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC) haben 24 Naturstrände an der Nordküste von Fuerteventura untersucht. Ziel der Studie war es, die die maximale Kapazität der Strände zu bestimmen und darauf aufbauend eine Planung für Parkplätze zu entwickeln, die eine nachhaltige Bewirtschaftung dieser Naturgebiete ermöglicht und gleichzeitig Erholung sowie Naturschutz miteinander in Einklang bringt.

Die Untersuchung entstand im Rahmen des Wiederherstellungsplans für die Nordküste von Fuerteventura (Plan de Restauración de la Costa Norte de Fuerteventura). Dieser hatte deutlich gemacht, dass objektive Planungsinstrumente benötigt werden, um Naturstrände mit einem hohen Besucheraufkommen sinnvoll zu verwalten. Dabei spielen insbesondere Parkmöglichkeiten sowie die teilweise fehlende Erschließung der Strände eine entscheidende Rolle für die tatsächliche Zahl der Besucher, die diese Küstenabschnitte maximal verkraften können.

24 Naturstrände in La Oliva untersucht

Für die Untersuchung analysierten die Wissenschaftler 24 Naturstrände im Norden der Insel, die sich alle im Gemeindegebiet von La Oliva befinden. Ziel war es, zu ermitteln, wie viele Besucher und Fahrzeuge diese Strände aufnehmen können, ohne ihre natürlichen Lebensräume zu gefährden oder die Qualität des Besuchserlebnisses zu beeinträchtigen.

Zunächst berechneten die Forscher die physische Tragfähigkeit jedes einzelnen Strandes. Grundlage war ein unterschiedlicher Belegungsmaßstab, der zwischen Sandstränden und felsigen Stränden unterscheidet. Anschließend wurde daraus die tatsächliche Tragfähigkeit ermittelt. Dabei wurden verschiedene Einflussfaktoren berücksichtig, darunter der Wind, dessen Wirkung nach Angaben der Forscher widersprüchlich ist. Während starker Wind für klassische Strandbesucher oft als Einschränkung empfunden wird, ist er für Sportarten wie Windsurfen oder Kitesurfen eine wesentliche Voraussetzung.

Darüber hinaus wurden ökologische Faktoren berücksichtigt. So schränken Schutzmaßnahmen für Vogelarten in den Besonderen Vogelschutzgebieten (Zonas de Especial Protección para las Aves, ZEPA) die Nutzung der Strände während der Brutzeiten ein. In geringerem Umfang wurde außerdem der Einfluss von Niederschlägen berücksichtigt.

Infrastruktur begrenzt die tatsächliche Kapazität

Im letzten Schritt berechneten die Wissenschaftler die sogenannte effektive Tragfähigkeit. Dabei wurde berücksichtigt, welche Infrastruktur an den einzelnen Stränden tatsächlich vorhanden ist, etwa Zufahrten, Parkplätze, Toiletten oder Rettungsschwimmer.

Die Ergebnisse zeigen, dass die effektive Tragfähigkeit der untersuchten Küstenabschnitte vor allem durch zwei Faktoren begrenzt wird. Zum einen führt die stark gegliederte Küstenlandschaft mit ihren zahlreichen kleinen Buchten dazu, dass die nutzbare Strandfläche vielerorts sehr begrenzt ist. Zum anderen verfügen die meisten Naturstrände, wie für geschützte Naturräume typisch, nur über wenige dauerhafte Einrichtungen.

Auf Grundlage der gewonnenen Daten entwickelten die Forscher einen Vorschlag für eine gezielte Parkplatzplanung. Dieser soll nicht nur an den untersuchten Stränden, sondern auch in anderen Schutzgebieten mit hohem Besucherdruck als Planungsinstrument dienen.

Intelligente Überwachung der Parkplätze vorgeschlagen

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehört unter anderem der Einsatz intelligenter Überwachungssysteme, die die Auslastung und Nutzung von Parkplätzen in Echtzeit erfassen können. Dadurch könnten Besucherströme besser gelenkt und Überlastungen einzelner Strandabschnitte vermieden werden.

Der Wissenschaftler Eloy del Rosario Rodríguez betont, dass die Ermittlung der touristischen Tragfähigkeit nicht bedeute, den Zugang zu den Stränden einzuschränken. Vielmehr gehe es darum, diesen sinnvoll zu planen und ein Gleichgewicht zwischen Naturschutz, wirtschaftlicher Nutzung und der Qualität des Besuchs zu schaffen. Ziel sei es, ein Zusammenleben mit der geschützten Tierwelt und den empfindlichen Lebensräumen dieser Naturgebiete zu ermöglichen, damit die Strände auch künftig genutzt werden können, ohne ihre Zukunft zu gefährden.

Die Forschungsergebnisse wurden in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Journal of Outdoor Recreation and Tourism veröffentlicht. Autoren der Studie sind Eloy del Rosario Rodríguez, die Professorin für Physische Geografie Emma Pérez Chacón Espino sowie der Wissenschaftler Leví García Romero. Die Untersuchung liefert erstmals eine wissenschaftlich fundierte Grundlage, um die Nutzung stark besuchter Naturstrände auf Fuerteventura langfristig nachhaltiger zu steuern und den zunehmenden Tourismus mit dem Schutz empfindlicher Küstenökosysteme besser in Einklang zu bringen.

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