Der Streit um das möglicherweise historisch wertvolle Fischerhaus in Cueva de la Negra im Gemeindegebiet von Pájara im Süden von Fuerteventura geht in eine neue Runde. Die spanische Generaldirektion für Küste (Dirección General de Costas) hat der Eigentümerfamilie eine neue Verfügung zugestellt, nach der das Gebäude am 21. September 2026 abgerissen werden soll. Das gab die Partei Asamblea Majorera, Coalición Canaria (AM-CC) am 14. September 2026 bekannt.
Bereits für den 26. August 2026 war ein Termin für den Abriss des Hauses vorgesehen. Dieser wurde jedoch nicht ausgeführt, nachdem die Inselregierung von Fuerteventura (Cabildo) vorsorgliche Maßnahmen zum Schutz des Gebäudes angeordnet hatte.
Cabildo hatte ersten Abriss vorläufig gestoppt
Das Cabildo hatte die Aussetzung damit begründet, dass mögliche kulturelle, historische und archäologische Werte des Gebäudes vor einem Abriss untersucht und dokumentiert werden müssten. Außerdem befindet sich das Haus in unmittelbarer Nähe einer archäologischen Fundstätte. Das Verfahren zur Untersuchung des möglichen kulturellen Wertes ist nach Angaben von AM-CC weiterhin nicht abgeschlossen.
Die Fuerteventura-Zeitung hatte bereits ausführlich über den Fall berichtet. Am 24. August 2026 hatte zunächst die Partido Popular (PP) gefordert, den Abriss zu verhindern und den möglichen historischen und ethnografischen Wert des Gebäudes zu untersuchen. Die PP bezeichnete das Haus als letztes erhaltenes bauliches Zeugnis der ehemaligen Küstensiedlung Cueva de la Negra.
PP will Abriss von historischem Fischerhaus auf Fuerteventura verhindern
Am 26. August 2026 ordnete das Cabildo schließlich vorsorgliche Maßnahmen an. Die Inselregierung erklärte damals ausdrücklich, dass damit ein möglicher irreversibler Schaden am kulturellen und archäologischen Erbe verhindert werden solle. Eine endgültige Einstufung des Hauses als Kulturgut war damit allerdings nicht verbunden.
Cabildo stoppt Abriss von Fischerhaus auf Fuerteventura einstweilig
AM-CC fordert erneuten Stopp des Abrisses
Angesichts des neuen Abrissdatums fordert AM-CC das spanische Ministerium für den ökologischen Wandel und die demografische Herausforderung (Ministerio para la Transición Ecológica y el Reto Demográfico) sowie die Generaldirektion für Küste auf, den Abriss zumindest so lange auszusetzen, bis die laufenden Untersuchungen abgeschlossen sind.
„Sie müssen ermöglichen, dass die historischen, ethnografischen und archäologischen Werte des Gebäudes untersucht und dokumentiert werden, bevor eine Entscheidung getroffen wird, die nach ihrer Umsetzung nicht mehr rückgängig gemacht werden kann“, erklärte die Partei.
Nach Angaben von AM-CC ist das Haus mehr als 150 Jahre alt und eines der letzten Beispiele für die historische Küstenbesiedlung auf der Halbinsel Jandía.
„Diese Familie hat sich über Generationen darum gekümmert, ein Gebäude mit mehr als 150 Jahren Geschichte zu erhalten, und nun will der Staat es ihr wegnehmen“, kritisiert die nationalistische Partei.
Forderung nach Übertragung der Zuständigkeit für die Küsten
AM-CC nimmt den Fall erneut zum Anlass, die Übertragung der Zuständigkeiten für die Verwaltung der Küsten auf die kanarische Regierung zu fordern. Gleichzeitig verlangt die Partei die Verabschiedung eines neuen Gesetzes, das es der kanarischen Regierung ermöglichen soll, diese Kompetenzen tatsächlich zu übernehmen.
Nach Auffassung von AM-CC könnten dadurch „derartige Schäden sowohl am historischen und kulturellen Erbe der Insel als auch für die Familien von Fuerteventura“ vermieden werden.
Kritik an Ángel Víctor Torres
Kritik übt AM-CC außerdem am spanischen Minister für Territorialpolitik, Ángel Víctor Torres. Die Partei wirft dem früheren Präsidenten der Kanarischen Inseln vor, nicht eingegriffen zu haben, um den Abriss zu verhindern.
„Es scheint, als habe er vergessen, woher er kommt, und es ist traurig, dass er sich nicht eingeschaltet hat, um einen Angriff auf unser Kulturerbe und auf die Familien zu verhindern, die historisch mit dem Meer verbunden sind, wie es in diesem Fall zutrifft“, erklärte AM-CC.
Damit steht das Haus in Cueva de la Negra wenige Wochen nach dem ersten verhinderten Abriss erneut vor einer ungewissen Zukunft. Entscheidend dürfte nun sein, ob die zuständigen staatlichen Behörden den für den 21. September 2026 angesetzten Abriss trotz des noch laufenden Verfahrens zur Untersuchung möglicher historischer, ethnografischer und archäologischer Werte durchführen lassen.
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