Wohnungsnot auf Fuerteventura verschärft sich trotz Ferienwohnungsgesetz

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Sechs Monate nach Inkrafttreten des kanarischen Gesetzes über Ferienwohnungen fällt die Bilanz auf Fuerteventura ernüchternd aus. Nach Einschätzung von Verbänden, Immobilienunternehmen, der Architektenkammer von Fuerteventura und der Bürgerplattform Plataforma Artículo 47 hat die Regelung den Wohnungsmarkt nicht entspannt. Stattdessen seien Immobilienverkäufe, Sanierungen und Neubauprojekte ins Stocken geraten, während die Preise für Wohnraum weiter steigen und sich die Wohnungsnot auf der Insel verschärft.

Die von der kanarischen Regierung eingeführte Regelung sollte ursprünglich den weiteren Ausbau des Ferienwohnungssektors begrenzen und dadurch mehr Wohnraum für Einheimische schaffen. Diese erwartete Umwandlung von Ferienwohnungen in langfristige Mietwohnungen sei jedoch ausgeblieben. Gleichzeitig würden immer mehr Arbeitnehmer gezwungen, auf Wohnwagen, Wohnmobile oder sogar ihre Autos als Unterkunft auszuweichen.

Architektenkammer sieht Investitionsstopp

Der Dekan der Architektenkammer von Fuerteventura, Jorge Arribas, erklärt, dass das Gesetz zahlreiche Bauträger und private Eigentümer davon abgehalten habe, neue Wohnungen zu errichten. Gleichzeitig habe dies jedoch nicht zu einem größeren Angebot auf dem Markt für langfristige Mietwohnungen geführt.

Nach seinen Angaben liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis auf Fuerteventura je nach Region zwischen mehr als 3.000 Euro im Norden der Insel und rund 1.800 Euro in der Gemeinde Tuineje. Der Bau eines Einfamilienhauses mit etwa 100 Quadratmetern Wohnfläche koste derzeit mindestens 250.000 Euro. Diese Investition sei nur für Personen attraktiv, die auf eine spätere wirtschaftliche Rendite hoffen.

Arribas hält die Annahme für falsch, Investitionen würden automatisch in den klassischen Wohnungsbau fließen, wenn Ferienwohnungen eingeschränkt würden. Kapital suche sich stets den wirtschaftlich attraktivsten Markt.

Weniger Sanierungen und Nachteile für Kleinvermieter

Auch die Investitionen in die Sanierung bestehender Gebäude seien zurückgegangen. Viele private Eigentümer hätten ihre Wohnungen bislang modernisiert, um sie zunächst als Ferienunterkunft zu vermieten. Nach einigen Jahren seien diese Immobilien häufig in den klassischen Mietmarkt gewechselt. Dieses Modell funktioniere nun deutlich schlechter.

Nach Ansicht von Arribas habe die Ferienvermietung auch vielen Einwohnern von Fuerteventura zusätzliche Einnahmen ermöglicht, etwa wenn eine zweite Familienwohnung zeitweise touristisch vermietet wurde. Dieses Geld sei überwiegend auf der Insel geblieben und habe die lokale Wirtschaft gestärkt.

Stattdessen führe die zunehmende Bürokratie dazu, dass vor allem große Unternehmen als Anbieter Zugang zum Ferienwohnungsmarkt erhielten, während kleine Eigentümer zunehmend verdrängt würden. Arribas spricht sich deshalb für Maßnahmen gegen Spekulation und gegen große Wohnungseigentümer aus, anstatt kleine private Vermieter stärker einzuschränken.

Nachhaltiger Tourismus müsse auch Wohnraum berücksichtigen

Der Architekt kritisiert außerdem, dass der Begriff des nachhaltigen Tourismus nicht konsequent umgesetzt werde. Touristische Kapazitäten dürften nicht schneller wachsen als Wohnraum und öffentliche Infrastruktur für die einheimische Bevölkerung. Gerade Tourismusregionen wie die Kanarischen Inseln oder die Balearen litten inzwischen darunter, dass Arbeitnehmer kaum noch bezahlbaren Wohnraum fänden.

Wer neue Tourismuszentren plane, müsse gleichzeitig ausreichende Wohngebiete und leistungsfähige Verkehrsverbindungen für die Beschäftigten schaffen.

Immobilienverkäufe gehen zurück

Auch Immobilienmakler berichten von deutlichen Veränderungen seit Inkrafttreten des Gesetzes. Viele spanische und ausländische Kaufinteressenten wollten Immobilien in Tourismusgebieten erwerben, um sie während ihres eigenen Urlaubs zu nutzen und in der übrigen Zeit als Ferienwohnung zu vermieten. Die Unsicherheit darüber, ob künftig überhaupt noch eine Ferienwohnungslizenz erteilt werde, habe zahlreiche Käufer abgeschreckt.

Nach Einschätzung von Maklern müssten viele Eigentümer ihre Preisvorstellungen inzwischen nach unten korrigieren. Luxusvillen am Golfplatz von Caleta de Fuste würden derzeit zwischen 490.000 Euro und 800.000 Euro angeboten. Dennoch steige der durchschnittliche Quadratmeterpreis bislang weiter an.

Eigentümer bevorzugen Zeitmietverträge

Auch auf Vermietungen spezialisierte Agenturen bestätigen, dass das Angebot an klassischen Langzeitmietwohnungen trotz des Gesetzes kaum zugenommen habe. Stattdessen würden viele Wohnungen inzwischen als zeitlich befristete Mietobjekte angeboten.

Viele Eigentümer misstraze langfristigen Mietverträgen weiterhin.

Zeitmietverträge seien allerdings nur zulässig, wenn ein konkreter Grund vorliege, etwa wegen eines Studiums, einer medizinischen Behandlung oder eines befristeten Arbeitsvertrages. Andernfalls könne diese Vertragsform als Umgehung der Vorschriften für Ferienwohnungen oder des Gesetzes für städtische Mietverträge gewertet werden.

Nach ihren Angaben werden bislang außerdem kaum Kontrollen durchgeführt, sodass zahlreiche Ferienwohnungen weiterhin ohne ordnungsgemäße Lizenz betrieben würden.

Mieten bleiben auf hohem Niveau

Auch auf dem Mietmarkt setzt sich der Preisanstieg fort. Für eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern werden in Corralejo inzwischen monatlich etwa 1.000 bis 1.200 Euro verlangt. In Puerto del Rosario liegen vergleichbare Wohnungen meist zwischen 700 und 800 Euro pro Monat. Ein ähnliches Preisniveau wird inzwischen auch in Tarajalejo erreicht.

Das größte Angebot an Langzeitmietwohnungen gibt es weiterhin in Puerto del Rosario. In den klassischen Tourismusorten würden Eigentümer ihre Wohnungen meist nur an Bekannte vermieten. Sobald eine Immobilie auf den Markt komme, finde sie aufgrund der enormen Nachfrage innerhalb kürzester Zeit einen Mieter oder Käufer.

Junge Käufer profitieren von Förderprogrammen

Die hohen Mieten führten gleichzeitig dazu, dass viele junge Menschen lieber eine Immobilie kauften, sobald dies finanziell möglich sei. Unterstützt würden sie dabei durch das Programm Hipoteca Joven de Canarias, das bis zu 95 Prozent des Kaufpreises sowie Notarkosten finanzieren könne.

Neben jungen Käufern gehörten weiterhin ausländische Investoren, insbesondere in den Tourismusgebieten, sowie Beamte zu den wichtigsten Käufergruppen auf Fuerteventura. Banken seien bei Beamten häufig bereit, bis zu 100 Prozent des Kaufpreises zu finanzieren.

Immer mehr Menschen leben in Wohnwagen oder Autos

Auch Chus Vila von der Bürgerplattform Plataforma Artículo 47 bestätigt, dass zwar weniger neue Ferienwohnungslizenzen vergeben würden, dies jedoch keineswegs zu mehr dauerhaftem Wohnraum geführt habe. Stattdessen verschärfe sich die Wohnungsnot weiter.

Immer mehr Arbeitnehmer lebten inzwischen in Wohnwagen, Wohnmobilen oder sogar in ihren Fahrzeugen. Selbst unbefristete Arbeitsverträge reichten häufig nicht mehr aus, um eine Wohnung zu finden. Viele Vermieter verlangten inzwischen Einkommen von rund 2.000 Euro monatlich sowie umfangreiche Bonitätsnachweise. Familien mit Kindern oder Haustieren hätten zusätzlich oft Schwierigkeiten, überhaupt eine Wohnung zu finden.

Alternative Wohnformen könnten das Problem ebenfalls nicht lösen. Wohnwagen, Container oder Mobilheime dürften nach den geltenden Bauvorschriften nur auf erschlossenen Baugrundstücken aufgestellt werden. Zahlreiche Anlagen auf ländlichen Grundstücken seien deshalb bereits von den Behörden entfernt worden.

Chus Vila schildert sogar Fälle, in denen berufstätige Eltern gezwungen gewesen seien, gemeinsam mit ihren Kindern im Auto zu übernachten. Nach ihrer Auffassung sei das neue kanarische Ferienwohnungsgesetz bislang vor allem Symbolpolitik gewesen und habe die eigentliche Wohnungskrise auf Fuerteventura nicht entschärft.

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