Nach langem Streit: historisches Schiff Conquistador Pirata in Hafen auf Fuerteventura verschrottet

Conquistador-Pirata

Die Überreste des historischen Segelschiffs „Conquistador Pirata“ sind am 11. September 2026 aus dem Hafen von Gran Tarajal im Süden von Fuerteventura entfernt worden. Damit soll die Anlegestelle für gewerbliche Schiffe wieder auf voller Länge nutzbar werden. Das Schiff beziehungsweise dessen verbliebene Reste hatten seit 2022 Teile der Hafenanlage blockiert.

Nach Angaben der Gemeinde Tuineje sollen durch die Maßnahme insbesondere die Rampe und die Anlegelinie des kommerziellen Kais freigemacht werden. Dadurch soll der Hafen künftig wieder von Reedereien genutzt werden können. Die Beseitigung des Wracks war seit längerer Zeit eine Forderung aus Gran Tarajal.

An der Maßnahme waren die kanarische Hafenbehörde Puertos Canarios, das Cabildo von Fuerteventura, die Gemeinde Tuineje sowie die Abteilung für Kultur und Kulturerbe der kanarischen Regierung beteiligt. Bei der Entfernung waren unter anderem Tuinejes Bürgermeister David Herrera, Cabildo-Präsidentin Lola García und der Inselvertreter von Puertos Canarios, Juan Luis López, anwesend.

Teile des historischen Schiffs werden erhalten

Vor Beginn der Arbeiten wurde der Zustand der verbliebenen Schiffsteile untersucht. Dabei wurden mehrere Elemente identifiziert, denen ein historischer beziehungsweise kultureller Wert zugeschrieben wird. Dazu gehören der Anker, das Ruder, die Galionsfigur und die Ankerwinde.

Diese Teile sollen erhalten und unter die Obhut der Generaldirektion für Kulturerbe und des Cabildo von Fuerteventura gestellt werden. Sie könnten später für historische, kulturelle oder informative Projekte genutzt werden.

Ein Schiff mit mehr als 100 Jahren Geschichte

Hinter dem inzwischen weitgehend verschwundenen „Conquistador Pirata“ verbirgt sich eine bemerkenswerte Geschichte. Nach Angaben der spanischen Denkmalschutzorganisation Hispania Nostra wurde das Schiff 1918 in Barcelona für die Reederei Masiques gebaut. Ursprünglich trug es den Namen „Nieves“ und gehörte Primitivo Trigo. Es handelte sich um einen sogenanntes Pailebote, einen für die spanische Küstenschifffahrt typischen Segler. (listaroja)

Das Schiff wurde zum Transport von Personen und Waren im Küstenverkehr eingesetzt. Damit gehörte es zu einer Schiffsgeneration aus der Endphase der kommerziellen Segelschiffe in Spanien. Viele dieser Segelschiffe wurden später mit Motoren nachgerüstet und noch jahrzehntelang als Motorsegler genutzt.

1946 erhielt das Schiff den Namen „José Miguel Masiques“. Nach einer zwischenzeitlichen Nutzung als private Yacht gelangte es schließlich auf die Kanarischen Inseln. Ab 1986 wurde es von Teneriffa aus für touristische Ausflugsfahrten eingesetzt und war unter anderem unter dem Namen „Nostramo“ bekannt. Später erhielt es den Namen „Conquistador Pirata“.

Der historische Segler war 36 Meter lang und sieben Meter breit, hatte eine Verdrängung von rund 200 Tonnen und verfügte über etwa 250 Quadratmeter Segelfläche. Hispania Nostra bezeichnete ihn als eines der wenigen noch erhaltenen Exemplare dieses Schiffstyps in Spanien.

Seit 2015 in Gran Tarajal

Eine entscheidende Wendung nahm die Geschichte des Schiffes 2015. Nach Angaben von Hispania Nostra starb der letzte Eigentümer, als sich das Schiff im Hafen von Gran Tarajal befand. In den folgenden Jahren verschlechterte sich sein Zustand aufgrund fehlender Wartung zunehmend. 2019 wurde es von der Hafenverwaltung offiziell als verlassen eingestuft.

Puertos Canarios ließ das Schiff schließlich beschlagnahmen und leitete dessen Beseitigung ein. Im Jahr 2022 wurde ein Auftrag zur Entfernung des „Conquistador Pirata“ vergeben. Das Auftragsvolumen lag bei rund 150.000 Euro, der Zuschlag ging für rund 144.000 Euro an das Unternehmen Subservices S.L.

Angesichts des geplanten Abrisses entwickelte sich allerdings ein Streit um den historischen Wert des Schiffes. Nach Berichten spanischer Medien sah sogar die Staatsanwaltschaft Anhaltspunkte für ein mögliches Delikt gegen das Kulturerbe im Zusammenhang mit der Verschrottung.

Am 24. Mai 2023 nahm die Denkmalschutzorganisation Hispania Nostra den Pailebot „Nostramo“ beziehungsweise „Conquistador Pirata“ in ihre Rote Liste des gefährdeten Kulturerbes (Lista Roja del Patrimonio) auf. Zu diesem Zeitpunkt waren nach Angaben der Organisation noch rund 75 Prozent des ursprünglichen Rumpfes erhalten. Hispania Nostra vertrat damals die Auffassung, dass eine Restaurierung grundsätzlich noch möglich sein könnte.

Mit der endgültigen Entfernung der verbliebenen Schiffsteile am 11. September 2026 endet nun eine mehr als zehnjährige Geschichte der „Conquistador Pirata“ im Hafen von Gran Tarajal. Zumindest einige charakteristische Teile des mehr als 100 Jahre alten Schiffes sollen als Zeugnisse seiner Geschichte auf Fuerteventura erhalten bleiben.

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