Die kurvenreiche Bergstraße FV-30 zwischen Pájara und Vega de Río Palmas gehört zu den landschaftlich reizvollsten Strecken auf Fuerteventura. Doch für so manchen Autofahrer ist sie schon eine Herausforderung, und für große Reisebusse wird die schmale Straße zunehmend zum Problem. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen, wenn sich zwei Busse in engen Kurven begegnen und nicht aneinander vorbeifahren können. Die Gemeinde Betancuria fordert deshalb dringend Maßnahmen vom Cabildo (Inselregierung). Doch wäre es möglicherweise sinnvoller, besonders große Busse auf diesem Streckenabschnitt grundsätzlich zu verbieten?
Busse mit mehr als zwölf Metern Länge blockieren die Straße
Die Gemeinde Betancuria hat sich offiziell an das Cabildo von Fuerteventura gewandt. Anlass sind wiederholte Verkehrsbehinderungen auf der FV-30, insbesondere auf dem Abschnitt zwischen Pájara und Vega de Río Palmas.
Nach Angaben der Gemeinde kam es mehrfach zu Situationen, in denen sich große Reisebusse auf der schmalen Bergstraße begegneten und ihre Fahrt nicht fortsetzen konnten. Einige der betroffenen Fahrzeuge waren mehr als zwölf Meter lang.
Weil die Fahrbahn an bestimmten Stellen nicht genügend Platz bietet, mussten Busfahrer teilweise über längere Strecken rückwärtsfahren, um dem entgegenkommenden Verkehr das Passieren zu ermöglichen.
Solche Manöver sind auf einer kurvenreichen Bergstraße besonders problematisch. Die eingeschränkte Sicht, die engen Kurven und die teilweise unmittelbar an die Fahrbahn angrenzenden, tiefen Regenrinnen und Abhänge können das Unfallrisiko erheblich erhöhen.
Die Gemeinde Betancuria hat insbesondere zwei Straßenabschnitte identifiziert, auf denen ein gleichzeitiges Passieren zweier großer Busse praktisch unmöglich ist.
Reiseleiter koordinieren ihre Fahrten über WhatsApp
Dass es trotz der schwierigen Straßenverhältnisse nicht ständig zu Blockaden kommt, liegt auch an der Eigeninitiative der Reiseleiter.
Wie eine mit den örtlichen Verhältnissen vertraute Expertin gegenüber der Fuerteventurazeitung erklärt, nutzen Reiseleiter eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe, um ihre Fahrten auf der FV-30 abzustimmen.
Insbesondere wenn ein Bus von Betancuria in Richtung Pájara unterwegs ist, informieren sich die Beteiligten gegenseitig.
„Normalerweise klappt das sehr gut, weil wir wissen, wer kommt“, berichtet die Expertin.
In der Praxis wartet beispielsweise ein Bus oben am Aussichtspunkt, während der entgegenkommende Bus den engen Straßenabschnitt passiert. Anschließend kann der wartende Bus seine Fahrt fortsetzen.
Probleme vor allem während der Kreuzfahrtsaison
Nach Einschätzung der Expertin ist das Problem keineswegs während des gesamten Jahres gleich groß.
„Den ganzen Sommer ist es kein Problem“, erklärt sie.
Schwieriger werde die Situation mit Beginn der Kreuzfahrtsaison, wenn zahlreiche Passagiere der Kreuzfahrtschiffe an organisierten Inselausflügen teilnehmen.
Dann sind mehr Reisebusse gleichzeitig unterwegs, die zudem aus beiden Richtungen in die engen Streckenabschnitte einfahren.
Gemeinde Betancuria fordert Ausweichbuchten und Ampeln
Die Gemeinde hat dem Cabildo von Fuerteventura drei konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, um die Verkehrssicherheit zu verbessern.
Zum einen sollen zusätzliche Ausweichbuchten geschaffen werden, in denen größere Fahrzeuge bei Gegenverkehr anhalten können. Außerdem regt die Gemeinde an, einzelne besonders problematische Kurven zu entschärfen. Nach ihrer Einschätzung könnten entsprechende Veränderungen teilweise mit vergleichsweise geringen Investitionen vorgenommen werden.
Als kurzfristige Lösung schlägt die Gemeinde außerdem Ampelanlagen vor, die den Verkehr an besonders engen Stellen abwechselnd in jeweils eine Richtung freigeben.
Bürgermeister Enrique Cerdeña Méndez betont die Dringlichkeit der Maßnahmen. Die schwierigen Straßenverhältnisse beeinträchtigten sowohl die Einwohner, die regelmäßig auf die Verbindung angewiesen sind, als auch die zahlreichen Touristen, die Betancuria besuchen.
Nach Angaben der Gemeinde habe man das Cabildo bereits mehrfach auf die Problematik hingewiesen. Ausreichende Maßnahmen seien bislang jedoch nicht umgesetzt worden.
Wäre ein Verbot für große Reisebusse die bessere Lösung?
Neben den Vorschlägen der Gemeinde wären auch Verkehrsbeschränkungen für besonders große Busse denkbar.
Eine Möglichkeit wäre, Reisebusse ab einer bestimmten Fahrzeuglänge auf den kritischen Streckenabschnitten zu verbieten. Eine andere Option wäre die Festlegung einer bestimmten Fahrtrichtung für größere Busse, sodass sie sich dort nicht mehr begegnen können.
Auch eine verbindliche Koordination des Busverkehrs, insbesondere an Tagen mit hohem Kreuzfahrtaufkommen, könnte eine Alternative sein. Die bereits bestehende WhatsApp-Gruppe der Reiseleiter zeigt, dass eine solche Abstimmung in der Praxis funktioniert.
Allerdings müssten bei möglichen Beschränkungen auch die Auswirkungen auf den touristischen Ausflugsverkehr und den öffentlichen Busverkehr berücksichtigt werden.
Straßenbau könnte das Landschaftsbild verändern
Die FV-30 führt durch die eindrucksvolle Berglandschaft des Naturparks Betancuria (Parque Rural de Betancuria). Gerade die zahlreichen Kurven und die weitgehend ursprüngliche Landschaft machen den besonderen Charakter der Strecke aus.
Eine Verbreiterung der Fahrbahn oder eine Begradigung von Kurven könnte Eingriffe in das Gelände erforderlich machen. Zusätzliche Ausweichbuchten oder eine gezielte Verkehrsregelung könnten daher Alternativen zu umfangreichen Straßenbaumaßnahmen sein.
Bislang hat die Gemeinde Betancuria kein generelles Busverbot gefordert. Sie setzt vielmehr auf bauliche Verbesserungen und eine bessere Verkehrsregelung.
Was meint Ihr? Sollten große Reisebusse auf der Bergstraße zwischen Pájara und Betancuria verboten werden, oder sollten die Straßenverhältnisse und die Verkehrsregelung so verbessert werden, dass auch weiterhin große Busse dort fahren können?
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