Spaniens Immobilienspekulanten wandeln sich zu Aasgeiern

Solange sich die Preisspirale immer weiter nach oben drehte, konnten Immobilienspekulanten in Spanien elegant und –meist auch steuerfrei- das große Geld machen. Sie kauften einfach eine, oder auch mehrere, noch zu erbauende Immobilien gleichzeitig „vom Plan“, also noch lange bevor der erste Spatenstich gemacht wurde. Dafür mussten sie in der Regel nur eine kleine Anzahlung im Bereich von 10 – 20% des Kaufpreises leisten. Die Hohe Kunst der Spekulation lag nun darin, möglichst noch vor Fertigstellung der Bauarbeiten die Immobilie an einen Dritten weiterzuverkaufen, noch bevor man selbst vom Bauträger zur notariellen Beurkundung gebeten wurde.

Nicht selten waren die fertig gestellten Immobilien 20-30% oder gar noch mehr Wert, als der Spekulant dafür „vom Plan“ bezahlen musste, sodass die „Investoren“ ihr eingesetztes Kapital während der Bauzeit um das zwei- bis dreifache vermehren konnten. Die dabei erzielten Gewinne wurden meist am Fiskus vorbei geschleust, sodass die Spekulanten diese oft steuerfrei kassierten. Für die Bauträger waren diese Spekulanten durchaus wichtig, da die Banken bereits vor Baubeginn einen Teil der Wohnungen verkauft wissen wollten, damit sie das Bauvorhaben finanzierten.

Mit dem Platzen der Immobilienblase in 2007 war der Traum dann vorbei, viele Spekulanten konnten ihre Immobilien nicht mehr vor Fertigstellung weiterverkaufen und mussten die Hypotheken für deren Kauf vom Bauträger übernehmen. So mancher „Investor“ hat seitdem mehrere Hypotheken an der Backe.

Da diese Form der Spekulation nur bei einem kräftig steigenden Immobilienmarkt funktioniert, hat sich der Immobilienspekulant in Spanien nur in einen Aasgeier verwandelt. Er sucht gezielt nach notleidenden Eigentümern, die lieber gestern als heute ihre Immobilie verkaufen müssen, weil sie die Hypothek nicht mehr bezahlen können. Dabei handelt es sich meist nicht um Multimillionäre, sondern Personen, die ein relativ kleines Vermögen ihr Eigen nennen und Gelder schnell bewegen. Sie kaufen mit großen Preisabschlägen von nicht selten 20%, 30% oder gar 50% des aktuellen Marktwertes, der meist ohnehin schon weit unter den Maximalwerten aus Zeiten des Immobilienbooms liegt, zu denen der notleidende Eigentümer die Immobilie einst erworben hatte. Sie nutzen aus, dass sie eine gewisse Zeit haben, die Immobilie weiterzukaufen, Zeit, die der verzweifelte Eigentümer gerade nicht hat. Dennoch versuchen die neuen Aasgeier-Spekulanten, die Immobilien so schnell wie möglich weiterzuverkaufen, obwohl es auch solche geben soll, die Geld und Mühe investieren, die Immobilie vor dem Weiterverkauf zu renovieren und aufzuhübschen.

Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die Situation am spanischen Immobilienmarkt wieder normalisiert und wieder längerfristige Interessen die Überhand gewinnen. Wenn Menschen wieder Wohnungen kaufen, weil sie darin wohnen oder diese langfristig vermieten wollen, kann sich Spaniens Immobilienmarkt und damit die gesamte Volkswirtschaft wieder erholen.

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