Rezession trotz Boom. Das Paradoxon der spanischen Tourismusindustrie

Spanien hat in 2012 einen wahrhaftigen Boom bei ausländischen Touristen erlebt. 57,7 Mio. ausländische Urlauber haben insgesamt 43,306 Mrd. Euro ins Land gebracht, soviel wie nie zuvor. Damit verzeichnet die spanische Tourismusbranche den zweiten Rekord in Folge, zumindest bei den ausländischen Urlaubern. Doch der Branche geht es dennoch schlecht.

Volkswirte zählen den ausländischen Tourismus zum Export (die Dienstleistung wird zwar im Inland erbracht aber trotzdem „exportiert“, da sie von Ausländern in Anspruch genommen wird und Geld vom Ausland nach Spanien fließt). Die Einnahmen durch den Auslandstourismus machen bereits 11% der gesamten Einnahmen in der Zahlungsbilanz Spaniens aus. Damit ist der Auslandstourismus neben den „sonstigen Dienstleistungen“ praktisch die einzige Position der Zahlungsbilanz, die einen Überschuss von 31,4 Mrd. Euro aufweist, und damit ein wichtiges Gegengewicht zum Handelsdefizit von knapp 25 Mrd. Euro darstellt.

Während die ausländischen Urlauber immer mehr Geld in Spanien ausgeben, leisten sich die Spanier immer weniger im Ausland. In 2012 gaben spanische Touristen nur 11,906 Mrd, Euro im Ausland aus (zum Vergleich: in 2007 waren es 27,84 Mrd. Euro).

Und so sind es auch die deutlich gesunkenen Ausgaben der spanischen Urlauber, die die spanische Tourismusbranche erneut in eine Rezession treiben. Die Spanier geben weniger Geld für Urlaub aus, und zwar sowohl im Ausland, als auch im Inland. Denn trotz der Rekordzahlen bei den Auslandtouristen ist das touristische BIP nach Schätzungen von Exceltur in 2012 um 1,6% gesunken.

Die spanische Tourismusbranche macht rund die Hälfte ihres Umsatzes mit inländischen Urlaubern. Der Boom im internationalen Geschäft reicht daher nicht aus, um den massiven Rückgang beim inländischen Tourismus auszugleichen.

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