Wie kamen die Säugetiere nach Fuerteventura?

Die Zahl der Säugetierarten, die auf Fuerteventura leben und sich Fortpflanzen, ist recht überschaubar. Bis auf zwei Arten haben alle eines gemeinsam: sie sind nicht auf natürlichem Weg nach Fuerteventura gekommen, sondern wurden vom Menschen eingeschleppt.

Um die Besiedlung Fuerteventuras durch Tier- und Pflanzenarten zu verstehen, hilft ein Blick auf die biogeografische Entwicklung des heutigen Lebensraums. Wie alle Kanarischen Inseln ist auch Fuerteventura ozeanischen Ursprungs. Das bedeutet, dass die Inseln sich vom Meeresboden erhoben haben und niemals eine Landverbindung zum Kontinent bestand. Einzig während einer Eiszeit war es möglich, ohne nasse Füße von Lanzarote nach Fuerteventura zu gelangen, aber eine Verbindung zum afrikanischen Festland gab es auch dann nicht.

Die lange Seereise nach Fuerteventura

Wie konnten also Tiere auf eine vom Festland völlig isolierte Insel gelangen? Die Antwort ist einfach: Schwimmen oder Fliegen!

Schwimmen scheidet für die meisten Landsäugetiere verständlicherweise aus. Dazu ist die Entfernung zwischen Fuerteventura und Afrika mit gut 100km einfach zu groß. Um also doch auf natürliche Weise auf dem Seeweg nach Fuerteventura zu gelangen, brauchten Säugetiere ein Transportmittel, höchstwahrscheinlich Treibgut wie zum Beispiel Baumstämme. Da Säugetiere regelmäßig trinken müssen, endeten solche „Überfahrten“ für die meisten Individuen höchstwahrscheinlich tödlich.

Das einzige Säugetier, das es so nach Fuerteventura geschafft hat, ist die Kanarenspitzmaus (Crocidura Canarienis). Sie war klein genug und hatte vielleicht einfach nur Glück, dass ein trächtiges Weibchen, ein Paar oder eine Gruppe von fortpflanzungsfähigen Tieren nach Fuerteventura gelangen konnte.

Dieses kleine Tier lebt so versteckt und zurückgezogen, dass man kaum die Chance hat, es jemals zu Gesicht zu bekommen. Leider ist die Kanarenspitzmaus mittlerweile vom Aussterben bedroht, nachdem sie seit Millionen von Jahren auf den östlichen Kanaren gelebt hat. Als eigene Art identifiziert wurde sie übrigens erst 1983.

Sie wird nur 5 bis 8 cm groß und erreicht ein Gewicht von nicht einmal 10 Gramm. Eine Besonderheit ist der Einsatz von Gift, das sie Beutetieren wie z.B. Eidechsen durch einen Biss in den Hals injiziert. Ihr bevorzugtes Habitat sind die Lavafelder (Malpaises) Fuerteventuras und Lanzarotes.

Luftbrücke von Afrika nach Fuerteventura

Die zweite Säugetierart, die es ohne menschliches Dazutun und wohl auch mit eigenem Antrieb nach Fuerteventura geschafft hat, ist die Weißrandfledermaus (Pippistrellus Kuhlii), deren heutiges Verbreitungsgebiet sich unter anderem auf den nordafrikanischen und südeuropäischen Mittelmeerraum erstreckt. Sie ist die einzige Fledermausart auf Fuerteventura und offenbar ein ausgesprochener Fuerteventura-Fan, denn obwohl die Entfernung nach Lanzarote nur 15km beträgt, hat sie sich dort, so weit bekannt ist, nicht angesiedelt. Lanzarote ist scheinbar für Fledermäuse überhaupt nicht attraktiv, denn dort lebt keine einzige Art, während auf den westlichen Inseln gleich mehrere Spezies zu finden sind.

Genau wie die Kanarenspitzmaus ist auch die Weißrandfledermaus schwer zu beobachten, da sie nicht nur selten, sondern auch nachtaktiv ist. Sie lebt vor allem in der Umgebung des Ortes Pájara, wurde aber auch in Vega de Rio Palmas, Antigua und dem Barranco de los Molinos beobachtet.

Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Insekten, die sie häufig in der Nähe von Straßenlaternen jagt. Sie wird nur knapp 5cm groß, wiegt 5 bis 10 Gramm und hat eine Flügelspannweite von rund 22cm.

Mit menschlicher Hilfe nach Fuerteventura

Alle anderen Säugetiere, die heute auf Fuerteventura leben, wurden vom Menschen angesiedelt. Während Schädlinge wie die Hausmaus (Mus domesticus), die Hausratte (Rattus rattus) und die Wanderratte (Rattus norvegicus) eher unfreiwillig als blinde Passagiere eingeschleppt wurden, dienten andere als Nutztiere oder Haustiere. Darunter fanden sich auch invasive Arten, wie das Nordafrikanische Borstenhörnchen (Atlantoxerus getulus) und die Hauskatze (Felis catus), die eine ernsthafte Bedrohung für heimische Tier- und Pflanzenarten darstellen.

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