Fuerteventura ist doch keine Klotür!

Fuerte ist doch keine Klotür

„I was here“ ist wohl einer der häufigsten und gleichzeitig dümmsten Klosprüche der Welt. Schon auf römischen Latrinen gab es die sogenannten „latrinalia“. Und heute beschäftigen sich Soziologen, Psychologen, Kommunikationswissenschaftler und zahlreiche andere Kulturwissenschaftler mit Klo-Graffiti.

Auch Fuerteventura verkommt immer mehr zur Leinwand für solche Schmierereien. Allerdings nicht mit Edding oder Spraydose und nicht an Klotüren.

Die Urlaubs-Graffitis werden vielmehr mit Steinen in die Landschaft gelegt. Und so prangen an Stränden, die sonst als Fotokulisse für Reisekataloge dienten, nun immer öfter in Stein gelegte Liebesgrüße in riesigen Lettern. In Naturschutzgebieten türmen sich hässliche Steinhaufen, die unübersehbar zeigen: „Ich war hier!“ An Stränden bauen Urlauber runde Steinburgen, an denen nicht selten sogar Schilder mit Eigentumshinweise zu finden sind.

Möchtegern-Umweltschützer bauen im Naturpark von Jandia regelrechte Mauern auf Wegen, wohl mit der vermeintlich guten Absicht, die Durchfahrt von Fahrzeugen zu verhindern.

Aus Sorge über die immer weiter um sich greifende „Dekorierung“ der Landschaft hat sich das Fremdenverkehrsamt zu Wort gemeldet. In einer Pressemitteilung bittet es um Hilfe. Hotelmitarbeiter, Reiseleiter, Rettungsschwimmer und alle, die mit Touristen in Berührung kommen, sollen diese über die Unsitte aufklären. Die Botschaft: „Bitte hinterlasst keine permanent sichtbare Spuren!“

Harmloses Vergnügen oder Umweltschädigung?

Für Naturliebhaber ist es eigentlich selbstverständlich, keine Spuren in der Natur zu hinterlassen. Das gilt für das Mitnehmen von Müll genauso wie für das Belassen von Steinen an in ihrer ursprünglichen Lage.

Es mag sein, dass ein Foto eines steinernes Liebesbekenntnisses von Lieschen und Hänschen für die beiden Liebenden ganz toll ist. Aber ganz ehrlich: wer sonst will das sehen? Mit den Landschaftsgraffitis scheint es sich genauso zu verhalten, wie mit wilden Mülldeponien und Klotüren: Wenn einer erst mal den Anfang macht, machen viele andere es nach. Und so besteht tatsächlich die Gefahr, das Fuerteventuras Strände zu Klotüren werden.

Doch das Bauen von Steinskulpturen ist bei weitem nicht nur ein ästhetisches Problem. Jeder Stein ist Teil eines Biotops, auch wenn mach einer dies auf einer Insel wie Fuerteventura nicht glauben mag. Steine dienen als Lebensraum, Versteck, Nest, Windschutz, Futterplatz und vieles mehr. Somit sind sie Lebensgrundlage für eine Vielzahl von Lebewesen.

Allein das Umdrehen eines Steins kann alles Leben auf dessen Ober- und Unterseite vernichten. Bei einem einzelnen Stein mag das Ökosystem das vielleicht aushalten. Aber der tausendfache Abtransport von Steinen, wie z.B. beim Leuchtturm von El Cotillo, kann ganze Biotope für immer zerstören.

Auf den Balearen, wo das Problem schon viel größere Ausmaße angenommen hat, konnten Biologen bereits nachweisen, dass einige Pflanzenarten in den betroffenen Gebieten völlig verschwunden sind.

Und so schließen wir uns der Bitte des Fremdenverkehrsamtes an: „Liebe Fuerteventura-Urlauber und Residente: Bitte lasst die Steine dort, wo die Natur sie platziert hat!“

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