Stella Canaris: macht der ägyptische Investor einen Rückzieher?

Das Stella Canaris wird als Labranda World die größte Hotelanlage auf Fuerteventura

Eigentlich sollte das ehemalige Stella Canaris als “Labranda World” schon im Sommer 2018 neu eröffnen. Der ägyptische Investor Samith Sawiris und der deutsche Reiseveranstalter FTI hatten den brach liegenden Hotelkomplex im Süden Fuerteventuras Ende 2016 gekauft.

2013 wurde das Stella Canaris geschlossen. Nachdem die Mitarbeiter einige Monate keine Gehaltszahlungen bekommen und deshalb gestreikt hatten, war das endgültige Aus besiegelt.

Die Wiederauferstehung des Stella Canaris als „Labranda World“ könnte nun in Gefahr sein. Der Investor Samith Sawiris zeigte sich in einem Interview in der spanischen Zeitung El Mundo enttäuscht von der spanischen Bürokratie: „Die Bürokratie in Spanien ist viel schlimmer als in Ägypten. Die Hotels sind noch immer geschlossen und wir konnten noch nicht mal mit der Renovierung anfangen, weil wir uns mit vielen Problemen konfrontiert sahen.“

„Mañana, mañana“ ärgert sich Sawiris: „Wir bekommen ständig Versprechen, die nicht eingehalten werden“. Gleichzeitig sagt er, dass es seine erste und letzte Investition in Spanien sei. Es sei sehr kompliziert für Ausländer, hier Geschäfte zu machen, und der habe die Antipathie seitens der Behörden und der Bevölkerung nicht erwartet.

„Ich habe nicht mit so vielen Hindernissen und einem so wenig herzlichen Empfang als ausländische Investoren gerechnet.“

Als Beispiel führt er folgendes auf: „Es gab ein kleines Grundstück neben unserem, das der Gemeinde gehörte. Wir brauchten dieses, um die Rezeption zu erweitern und um einen neuen Eingang zu bauen. Anstatt uns das Grundstück zu verkaufen, hat die Gemeinde eine öffentliche Versteigerung organisiert, weil angeblich das Gesetz dies vorschreibe. Dies ist aber nicht wahr. In anderen Ländern hätte man uns das Grundstück für ein solches Großprojekt geschenkt, um die Investitionen zu fördern.

In der Versteigerung gab es eine zweite Runde, und eine einheimische Person hat diese gewonnen. Nun will uns der neue Eigentümer das Grundstück zu einem noch höheren Preis verkaufen, aber wir weigern uns, mit ihm zu sprechen. Also bauen wir das Projekt kleiner, was letztlich weniger Zimmer und weniger Arbeitsplätze bedeutet.“

„Für unseren deutschen Reiseveranstalter sind die Kanaren ein Schlüsselmarkt. Also lag es nahe, dass wir mit Investitionen wie dieser über fast 200 Mio. Euro entschieden nach Spanien expandieren. Wenn ich allerdings einen Käufer finde, verzichte ich darauf.

Gemeinde Pájara und Cabildo weisen Vorwürfe zurück

Blas Acosta, Vizepräsident und Verantwortlicher für das Tourismusressort des Cabildo de Fuerteventura (Inselverwaltung), widersprach der Darstellung Sawiris: „Den Weg der Bürokratie zu gehen ist in Spanien Synonym für die strikte Einhaltung der einschlägigen Gesetze. Ich kenne zwar nicht die Ägyptische Bürokratie, aber sehr wohl die spanischen und kanarischen Gesetze. In diesem Fall kann man die Verzögerungen bei der Erteilung der endgültigen Genehmigungen nicht den lokalen Behörden vorwerfen. Die vorläufigen Genehmigungen wurden bereits Ende 2017 erteilt. Das Problem liegt bei den technischen Teams des Investors, die ein Jahr später die notwendigen Unterlagen noch nicht eingereicht haben, so Blas Acosta.

Aus Sicht Acostas haben sowohl das Cabildo als auch die Gemeinde Pájara die Wiederauferstehung des Stella Canaris öffentlich unterstützt. Der Gemeindekasse von Pájara würden dank des Projekts insgesamt rund 1 Mio. Euro zufließen.

“Die Techniker des Investors haben ihr Hausaufgaben nicht gemacht”

Auch der Bürgermeister von Pájara, Rafael Perdomo, sieht die Verantwortung für die Verzögerungen beim Technikerteam des Investors. Die angeforderten Unterlagen, die für die Erteilung der endgültigen Baugenehmigung erforderlich sind, seien noch nicht vollständig eingereicht worden. „Die Techniker haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht und wollen die Verantwortung für ihre Inkompetenz, die Ausführungsprojekte zu erstellen und einzureichen, auf die Gemeinde abwälzen. Außerdem scheine es, dass nicht alle Informationen an den Eigentümer weitergegeben würden, warum die Aufforderungen der Gemeinde nicht erfüllt worden seien.

Im September 2017, so Perdomo, habe die Gemeinde die Genehmigung für das Basis-Projekt erteilt. Nun müsse der Bauherr die Ausführungspläne vorlegen, damit die endgültige Baugenehmigung erteilt werden könne. Von den insgesamt 6 Hotels sei bisher nur die Ausführungsgenehmigung für das 4-Sterne-Hotel „Jandia Zoo“ erteilt worden. Sobald die angeforderten Ausführungsprojekte eingereicht werden, könnten die Baugenehmigungen erteilt werden, sofern die Dokumente den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.

Perdomo weist auch die Vorwürfe zurück, dass die Bürokratie Sawiris Investitionen in Pájara bremse. „Das stimmt so nicht. Erst vor wenigen Tagen, ab 02.10.2018, haben sie die angeforderten Unterlagen für ein Hotel eingereicht, nichts weiter. Es sind sie selbst und vor allem die Technikerteams, die keine weiteren Unterlagen eingereicht haben.“

Perdomo nimmt auch die Beamten seiner Baubehörde in Schutz: „Wir können uns nicht über geltendes Recht hinwegsetzen. Die Beamten haben ihre Arbeit mit absoluter Korrektheit ausgeführt. Bürokratie ist gleichbedeutend mit Gesetz. Wir selbst haben größtes Interesse an der Erteilung der Baugenehmigungen. Diese bedeuten für uns Einnahmen von über einer Million Euro und viele neue Arbeitsplätze.“

1 Kommentar

  1. Ich hatte mich zu diesem Bauvorhaben schon mal geäußert.
    Wenn es stimmt mit der Versteigerung des Nachbargrundstücks finde ich
    die Reaktion des Investors nachvollziehbar.
    Der neue Besitzer brauch es ja nicht. Sonst hätte er es ja nicht mit „Aufschlag“
    zu Kauf angeboten.
    Ich sehe nicht, das hier in absehbarer Zeit eine neue Hotelanlage entsteht.

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