Polizei nimmt Präzisionsschützen fest: mögliches Attentat auf spanischen Regierungschef Pedro Sanchéz vereitelt

Pedro Sanchez im Fadenkreuz

Die katalanische Polizei Mossos d´Esquadra hat am 19.09.2018 einen 63 jährigen Wachmann festgenommen. Der Mann aus Terrassa in der Provinz Barcelona steht im Verdacht, einen Mordanschlag auf den spanischen Regierungspräsidenten Pedro Sánchez vorbereitet zu haben. Die Nachricht ist erst jetzt an die Öffentlichkeit gedrungen, nachdem das zuständige Gericht das Untersuchungsgeheimnis aufgehoben hat.

Das spanische Onlineportal Publico.es bezeichnet den Tatverdächtigen als „perfekten einsamen Wolf“ und als einen „Herr Niemand mit Waffenschein“. „Er hatte den nötigen Willen, die Ausbildung, die Bewaffnung und den Fanatismus, um sein Ziel Pedro Sánchez auszuschalten.

Der Tatverdächtige soll ein herausragender Präzisionsschütze sein, der beste des Olympischen Schützenverein von Vallés, in dem er seit vielen Jahren erfolgreich an Wettkämpfen teilnahm. Außerdem war er wohl ein Anhänger des spanischen Diktators General Francisco Franco.

Als Wachmann in einer kleinen, unbedeutenden Sicherheitsfirma war er für die Bewachung von Gebäuden und Garagen zuständig. Dank seines Berufs und als Sportschütze ist er berechtigt, Schusswaffen zu führen.

Sein Hass auf den Sozialisten Pedro Sánchez entzündete sich offenbar mit der Ankündigung der Regierung, die sterblichen Überreste des Diktators Francisco Franco aus dem „Nationalmonument des Heiligen Kreuzes im Tal der Gefallenen“ zu entfernen.

Der Tatverdächtige war zuvor niemals polizeilich aufgefallen. Und so kam die katalanische Polizei seinen Attentatsplänen nur durch einen Hinweis auf die Spur. In einer geschlossenen WhatsApp-Gruppe soll der Mann permanent Drohungen und Hasstiraden gegen Pedro Sánchez ausgesprochen haben. Zuletzt soll er unmissverständliche logistische Hilfe zur Verübung eines Attentats auf Sánchez gesucht haben. Dabei habe er mit seinem Waffenarsenal und seinen Fähigkeiten als Präzisionsschütze geprahlt. Er würde sich jedoch nicht mit dem Internet auskennen und bräuchte daher den Terminplan mit den öffentlichen Auftritten von Sánchez, um zu wissen, wo dieser sich zu konkreten Zeiten aufhalten werde.
Als er auch noch äußerte, dass er bereit sei, sich für Spanien zu opfern, informierte ein anderes Mitglied der Chatgruppe die Mossos.

Umfangreiches Waffenarsenal in der Wohnung des Verdächtigen

Die Polizei stellte Nachforschungen über den bisher völlig unauffälligen Mann an. Als sie herausfand, über welche Fähigkeiten als Präzisionsschütze der Tatverdächtige verfügte, reichten die Indizien für einen Durchsuchungsbeschluss.

Die Ergebnisse der Hausdurchsuchung waren für die Ermittler sicher eine Überraschung: der Mann hatte insgesamt 16 Feuerwaffen, darunter auch Kriegswaffen, gehortet. Im Waffenarsenal des potentiellen Attentäters befanden sich ein CETME-Sturmgewehr, das als Dienstwaffe der Guardia Civil und der spanischen Streitkräfte eingesetzt wurde, und ein tschechische Skorpion vz. 61 Maschinenpistole. Außerdem verfügte der Mann über 4 Präzisionsgewehre mit einer Reichweite von bis zu 1.500 Metern. In seinem Auto fanden die Beamten noch zwei Pistolen, von denen eine modifiziert und illegal war.
Auch die meisten anderen gefundenen Waffen waren illegal. Offenbar war der Mann als großer Waffenexperte auch in der Lage, die Läufe der Gewehre, die zuvor unbrauchbar gemacht worden waren, wieder zu reparieren.

Der Verdächtige sitzt seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft. Es soll seine Attentatspläne direkt nach der Inhaftierung gestanden haben.

Direkt nach der Festnahme informierte die Polizei den Sicherheitsdienst der Moncloa, dem spanischen Regierungssitz, über die mutmaßlichen Attentatspläne. Die Regierung entschied sich jedoch dazu, den Vorfall geheim zu halten.

Das Nationalgericht (Audiencia Nacional) hat den Fall an die 3. Strafkammer des Gerichts in der Stadt Terrassa in der Provinz Barcelona zurückgegeben. Das Nationalgericht sieht keine terroristisch motivierte Straftat, sondern eine Morddrohung oder eine Verschwörung zum Mord an einer Amtsperson.

Für die Geheimdienste ist es extrem schwierig, diese Art von potentiellen Attentätern, die als „einsamer Wolf“ ein völlig unauffälliges Leben führen, im Vorfeld aufzudecken.

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