Gemeinde La Oliva befürwortet Filmstudio-Projekt „Dreamland Studios“ im Norden Fuerteventuras

Dreamland

Am 28.02.2021 berichteten wir über das geplante Projekt der „Dreamland Studios“.

Auf einem rund 160.000 Quadratmeter großen Gelände in der Nähe der Autobahn bei Corralejo wollte ein Investor nach eigenen Angaben über 100 Mio. Euro in die Hand nehmen, um die „Dreamland Studios“ mit mindestens 3 Studio-Hallen, Europas größtem Wassertank für Filmaufnahmen, einem Themenpark rund um die virtuelle Realität und Filmproduktion und sogar eine Akademie mit Ausbildungsmöglichkeiten für den cineastischen Nachwuchs zu erschaffen.

Am 29.01.2021 sollte die Inselregierung von Fuerteventura darüber abstimmen, das „öffentliche Interesse“ für dieses Projekts festzustellen, um damit die planungsrechtliche Grundlage für dessen Realisierung zu schaffen.

Dazu muss man wissen, dass der Raumordnungsplan von Fuerteventura keine Flächen für so spezielle Nutzungen wie „Filmstudios“ oder „Themenparks“ ausweist.

Das kanarische Bodengesetz erlaubt solche außergewöhnlichen Projekte grundsätzlich auf Flächen, die z.B. als „suelo rústico común“ ausgewiesen sind. Voraussetzung ist jedoch die Anerkennung des „öffentlichen Interesses“ für die geplante Nutzung.

Auch bei dem Standort, den der Investor für das Dreamland-Projekt ausgewählt hat, handelt es sich um „suelo rústico común“, also um Land, für das im Raumordnungsplan keine konkrete Nutzung vorgesehen ist, z.B. als Wohngebiet, Gewerbe- oder Industriegebiet, Infrastruktureinrichtungen, Ackerland oder ähnliches. Außerdem ist für das Land kein besonderer Schutz vorgesehen, z.B. als Vogelschutzzone, Landschaftsschutzgebiet, Naturpark oder ähnliches.

Kampagne mit irreführenden Behauptungen gegen das Projekt

Trotzdem hat nach der Präsentation des Projekts eine fragwürdige Kampagne in den Medien stattgefunden. Mit irreführenden Schlagzeilen wie „Themenpark in den Dünen von Corralejo“ wurde von Umweltschutzorganisationen Stimmung gegen das Projekt gemacht.

Tatsächlich liegt das Gelände rund 400 Meter von dem Naturschutzgebiet „Dunas de Corralejo“ entfernt, aber eben keinesfalls „in den Dünen“, sondern auf einem mehr oder weniger ebenen und sehr steinigen Gelände, das außer zur Errichtung von Solar- oder Windkraftanlagen zu keiner anderen Nutzung geeignet sein dürfte. Entsprechende Anlagen befinden sich bereits in der Nähe.

in grün: Grundstück für Dreamland, praktisch direkt an der Autobahn

Wesentlich dichter als an den Dünen liegt das Gelände an der Autobahn bei Corralejo. „Dies ist für uns ein wichtiges Kriterium, denn eine gute Erreichbarkeit und gute Parkmöglichkeiten sind für Dreamland unverzichtbar“, erklärte der Investor in einer Pressemitteilung. Diese Tatsache wurde in vielen Medienberichten schlicht unterschlagen.

Ebenfalls zum Zankapfel wurde, dass der Investor das Land wohl zu einem Preis „nur“ 80.000€, also 50 Cent pro Quadratmeter gekauft haben soll. Dass der Boden aber überhaupt nur durch eine Investition von 100 Mio. Euro einen Wert erhält, ohne die er einfach nur eine wertlose Steinwüste geblieben wäre, wurde ebenfalls nicht berichtet. Was für mutmaßliche Neider „viel zu wenig“ war, war für den Verkäufer des Grundstücks sicher ein mehr als faires Angebot.

Blick über das Gelände, das sich sonst für kaum etwas anderes nutzen ließe

Und so zeichnete sich ab, als über das öffentliche Interesse abgestimmt werden sollte, dass die Opposition der Inselregierung sich gegen das Projekt positioniert hatte. Der Tenor war: „Dreamland gerne, aber nicht an dieser Stelle“. Und so entschied sich die damals schon geschwächte Inselregierung in Ermangelung einer Mehrheit dafür, die Abstimmung zu vertagen.

Damit ist ein „öffentliches Interesse“ des Projekts bislang nicht festgestellt worden und die Realisierung steht in den Sternen.

Gemeinde La Oliva bezieht klar Stellung für Dreamland

Die Gemeinderegierung von La Oliva, in dessen Territorium sich der geplante Standort befindet, hat sich ausdrücklich für das Projekt ausgesprochen. Wie die Gemeinde in einer Pressemitteilung vom 26.02.2021 auf ihrer Webseite mitteilt, wurde eine Unterstützungsinitiative mit den Stimmen von En Marcha, Gana Fuerteventura, Podemos und PP beschlossen.

Die Gemeinde befürwortet das Projekt, weil es auf die Diversifizierung des wirtschaftlichen und touristischen Angebots setzt und weil es Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten im audiovisuellen Sektor schafft.

„Die wirtschaftliche Diversifizierung ist eine Schlüsselfrage um die Zukunft der Insel mit Garantien anzugehen. Die fehlende Raumplanung und eine prohibitive Haltung einiger Inselbehörden haben Fuerteventura ein Fehlen von Gelegenheiten eingebrockt“, erklärte Pilar González, Bürgermeisterin von La Oliva. Die technischen und juristischen Dienste der Gemeinde La Oliva und der Inselregierung von Fuerteventura haben das Projekt positiv begutachtet. Trotzdem hat sich das Cabildo de Fuerteventura (Inselregierung) dafür entschieden, die bloße Erklärung zum öffentlichen Interesse auf dem Tisch liegen zu lassen und so die Fortführung des Projekts zu gefährden, erklärt Gónzalez weiter.

Bürgermeister von Pájara stellt gerne ein Gelände zur Verfügung

Als Pedro Armas, Bürgermeister von Pájara in einem Radiointerview zu seiner Meinung befragt wurde, erklärte er: „Dreamland ist eine Initiative, die Fuerteventura sich nicht entgehen lassen darf. Pájara hat eine Mio. Quadratmeter geeignetes Land für dieses Projekt, wo man es übermorgen starten könnte, wenn man wollte. Wir haben eine idyllische Naturkulisse mit Cofete, den ganzen Stränden und Tälern im Süden und eine exzellente Fährverbindung nach Gran Canaria“.

Der Investor von Dreamland hatte zuvor erklärt, dass für die wirtschaftliche Tragfähigkeit eine Standort möglichst weit im Norden und an der Autobahn nötig sei, um eine gute Erreichbarkeit von Lanzarote aus zu gewährleisten. So könnten auch Touristen von Lanzarote den Themenpark während eines Tagesausflugs nach Fuerteventura bequem besuchen.

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12 Kommentare

  1. @Paco: Danke für die interessanten Links, das sind natürlich hervorragende Vorbilder und es wäre höchst wünschenswert, wenn das hier auch funktionieren würde. Die Insel ist bekanntermaßen prädestiniert und beliebt für die Außenaufnahmen. Die geplanten Studios würden sich der günstigen Konkurrenz in Marokko, Rumänien etc. stellen müssen. Es bleibt spannend. Warum erstellt man das Ganze nicht einfach auf das Gelände des stillgelegten Acua Water Parks oder nahe an der Stadt Corralejo? Das würde weniger unberührte Natur zubetonieren…

  2. @ Sanchez
    Re: „Bisher sieht die Projektidee eher wie ein Freizeitpark aus“
    Was anderes ist so ein „Themenpark“ ja auch nicht.
    – Vorbilder aus der Filmindustrie gibt es einige:
    https://www.themenpark.de/freizeitparks/in/filmparks
    Der Unterschied zu so einem Griff in’s Klo, wie dem inzwischen geschlossenen „Acua Water Park“ am Ortseingang von Corralejo wäre aber der, dass es da wirklich authentische Filmrequisiten, wie z.B. den Drachen Fuchur in der Bavaria Filmstadt https://www.filmstadt.de/ zu bestaunen gäbe. Im Rahmen einer Führung, und mit anderen Events.
    – Das funktioniert aber nur, wenn dahinter auch wirklich authentisches Filmschaffen vor Ort steckt. In Quarzazate / Marokko passiert das schon seit Jahrzehnten.
    https://www.expedia.de/explore/das-hollywood-marokkos-ait-ben-haddou-und-ouarzazate
    p.

  3. @Christian Czech: Der Investor nennt sich José Antonio Newport Machín, über seinen Namen kann man die Investorengruppe googeln. Sie investieren in Hotels und Golfplätze auf den Kanaren, Kapverden, Marokko und Spanien. Da stellt sich die Frage, ob überhaupt und welche Verbindung der Investor zur Filmindustrie hat. Bisher sieht die Projektidee eher wie ein Freizeitpark aus. Ich persönlich finde es ist eine hervorragende Idee auf der Insel parallel zum Tourismus andere Standbeine aufzubauen, man sollte aber doch hinterfragen dürfen, wer und was hinter einem Großprojekt steckt, ohne als „ewiggestriger“ zu gelten. Es gibt bereits genug Bauruinen und jetzt bald unkontrolliert in die Landschaft gesteckte Windräder. Der Schatz der Insel bleibt die unberührte Natur.

  4. Das könnte eine tolle Chance für Fuerte sein. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
    Gerade im letzten Jahr hat es sich ja gezeigt, wie dringend notwendig eine Diversifizierung ist. Auch der Tourismus könnte davon profitieren. Und der einzige Einsatz den man dafür bringen muss, sind ein paar Hektar Ödland. Und etwas Mut.
    Die ewig Gestrigen, die „aus Prinzip Dagegen sind“, geben die Menschen weder Arbeit, noch Perspektive.

  5. Meistens ist das alles Geblubber um irgendwelchen Investoren das Geld aus der Tasche zu ziehen oder Fördertöpfe zu plündern.
    Übrig bleibt dann nur eine weitere Bauruine auf Fuerte und ein zwielichtiger insolventer Gauner der über alle Berge ist

  6. In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, wie weit die Angelegenheit Olivia Beach gediehen ist. Die Zeit des Lockdown wäre ja ideal zur Renovierung gewesen. Oder schläft die Inselregierung immer noch?

  7. Solange sich die Damen und Herren in Puerto Rosario nicht zu einer positiven Beurteilung durchgerungen haben, geht erst Mal gar nichts.

    Vielleicht dann manana, wenn der unbekannte Investor die Geduld verloren hat?

  8. Ich kann die Menschen auf Fuenteventura Verstehen, dass Ihnen neue Arbeitsmöglichkeiten helfen könnten-aber so…? Für Viele und auch für Uns wäre der Zauber der wunderschönen ruhigen Naturlandschaft-weshalb wir gekommen sind, für immer verloren…😔Eine Renovierung von Olivia Beach würde auf lange Sicht sicherlich besser helfen💚
    Loni Wagner und Familie 💑

  9. gibt noch eine andere Möglichkeit – ein echter Knaller:
    Das Projekt startet im Süden von Lanzarote, dann kann können sich derweil die Gemeinden Fuerteventuras so viel zanken, wie sie wollen.

  10. Es gibt wohl pro und contra zu dem Projekt. Denke wohl es wird realisiert, ob es natürlich nachhaltig Erfolg haben wird, möchte ich bezweifeln.
    Vielleicht die nächste bauruine auf der Insel…

  11. Man hört immer nur von einem Investor, wer ist denn nun dieser Investor? Das wäre doch mal eine Recherche wert…

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