200 Meilen nordöstlich von Fuerteventura: Europa Oil & Gas entdeckt großes Ölvorkommen

Ölvorkommen-vor-Fuerteventura

Ölplattformen beinahe in Sichtweite vor der Küste von Fuerteventura und Lanzarote. Ständige Gefahr von Ölverschmutzungen an den Stränden mit unkalkulierbaren Folgen für den Tourismus. Zerstörung mariner Lebensräume.

Diese und viele weitere Ängste vor den Folgen der Suche nach Erdöl in den spanischen Hoheitsgewässern vor Fuerteventura uns Lanzarote führten zwischen 2012 und 2015 zur größten Protestbewegung, die die Kanarischen Inseln je erlebt haben.

Als der spanische Erdölkonzern REPSOL in 2015 vermeldete, dass bei Probebohrungen keine nennenswerten Vorkommen entdeckt werden konnten und man auf weitere Bohrungen verzichten wolle, löste sich die Anspannung. Das Problem schien vom Tisch zu sein.

Doch dies bedeutete nur, dass nicht in spanischen Gewässern und nicht von spanischen Ölfirmen gebohrt wurde. Die Erdölsuche in marokkanischen Gewässern blieb von den Protesten und Gerichtsentscheidungen auf spanischer Seite und davon, dass Repsol das Handtuch geworfen hatte, völlig unberührt.

Marokko hat zwischen dem Becken von Tarfaya im Süden und Rabat im Norden an praktisch seiner gesamten Atlantikküste entlang Lizenzen zur Erdölsuche erteilt. Die Explorationsgebiete bei Tarfaya liegen dabei deutlich weniger als 50 Meilen von Fuerteventura und Lanzarote entfernt.

Das Risiko, dass in der Nähe von Fuerteventura eines Tages Öl gefördert wird, war also keineswegs gebannt. Nur die Chancen, dass der spanische Staat von eventuellen Vorkommen profitieren könnte, sanken auf Null.

Europa Oil & Gas findet förderungswürdige Ölvorkommen

Das britische Unternehmen Europa Oil & Gas meldete in seinem Zwischenbericht vom 14. April 2022 die Entdeckung eines förderungswürdigen Ölvorkommens im Gebiet „Inzegane Offshore“, das im Becken von Agadir liegt. Das Gebiet ist rund 200 Meilen von den Kanaren entfernt.

Das Explorationsgebiet umfasst eine Fläche von 11.228 Quadratkilometern, ist also rund 7 Mal so groß, wie die Fläche von Fuerteventura.

Allein die 5 besten Probebohrungen lassen auf ein risikolos förderbares Vorkommen von über einer Milliarde Barrel schließen.

Laut Europa Oil & Gas handelt es sich bei „Inzegane“ um eine hoch-bedeutende Explorations-Gelegenheit in einem hochgradig unerforschten Gebiet der Erde. Dieses passe sehr gut zur Strategie des Unternehmens, ein ausgewogenes Portfolio an Vermögenswerten zu schaffen.

Europa Oil & Gas hält einen Anteil von 75% an dem Fördergebiet. Die restlichen 25% hält Marokko.

Marokko biete eine „hoch attraktive Investitionsgelegenheit mit ausgezeichneten steuerlichen Bedingungen. Viele große und mittlere Unternehmen haben dort Lizenzen erhalten, darunter ENI, Hunt, Genel und ConocoPhillips, erklärt Europa O&G in seinem Bericht weiter.

Mit rund 200 Meilen liegt das Gebiet, in dem Europa O&G nun Öl gefunden hat, relativ weit von Fuerteventura entfernt. Die Ölplattformen werden also auf keinen Fall von Fuerteventura aus zu sehen sein. Da das Gebiet jedoch nordöstlich der Kanaren liegt, ist es durchaus denkbar, dass eventuelle Ölverschmutzungen vom vorherrschenden Nordostpassat zu den Kanaren getrieben werden.

Fuerteventura ist von Öl abhängig

Auch auf Fuerteventura leidet die Wirtschaft unter hohen Energiepreisen. Nicht einmal 12 Prozent des Strombedarfs der Insel stammen aus Wind- oder Solarenergie. Stattdessen werden 88 Prozent des Stroms in einem altertümlichen Ölkraftwerk erzeugt. Verbrauchsspitzen werden mit Gasturbinen abgefangen.

Schon 2012 erschien es scheinheilig, wenn ein dicker Geländewagen mit dem Aufkleber „no petroleo“ (Kein Öl) am Heck an der Tankstelle stand, und gleichzeitig die Zapfpistole in den Tankstutzen steckte.

Öl wird so oder so gefördert werden, wenn es entsprechende Vorkommen gibt. Hätte man in den eigenen Gewässer fördern können, so hätte man sowohl Einfluss auf die zu treffenden Sicherheitsvorkehrungen nehmen als auch von den Gewinnen profitieren können.

Die Gewinne und die Sicherheitsbestimmungen machen nun andere.

Hätte Fuerteventura seinen im Überfluss vorhandenen Wind und die Sonne in den letzten Jahren genutzt, könnte man zumindest moralisch gerechtfertigt einen Verzicht auf Ölförderungen einfordern.

Jetzt aber über Ölförderungen in der Nähe zu jammern, während man sich gleichzeitig über hohe Strom- und Ölpreise beklagt, ist genauso scheinheilig wie der tankende Geländewagen mit dem Protestaufkleber am Heck.

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3 Kommentare

  1. Welche Denke ist denn bei den für Fuerteventura politisch Verantwortlichen vorhanden?
    Es weht ständig heftiger Wind, es scheint sehr oft die Sonne, aber der Löwenanteil des Stroms wird nicht etwa dezentral durch Wind und Sonne, nein, durch die fossilen Brennstoffe Öl und Gas mit entsprechenden Emissionen erzeugt. Und dann gibt es eine Stromtrasse nach Norden und eine nach Süden. Prima!
    Bei den Ciringuitos am Strand tuckern die Diesel-Stromagregate, machen Lärm und Gestank,
    und niemand stört sich daran, es war ja schon immer so.
    Gleichzeitig sägt man an den Wurzeln der eigenen wirtschaftlichen Existenz, indem man gut nachgefragte Hotels wie das RIU Oliva Beach, das RIU Palace Tres Islas und das Royal Palm Resort droht abzureißen, weil der Naturschutz das angeblich verlangt.
    Das wirkt alles nicht sehr durchdacht.
    Statt sich einmal final mit den überall anzutreffenden Rohbauskeletten zu beschäftigen, oder die längst veralteten bzw. defekten Windräder im Süden der Insel durch moderne, leistungsfähige Windkraftanklagen zu ersetzen (2 neue leisten so viel wie alle alten zusammen).
    Stattdessen gibt es für viele hundert Millionen € immer mal wieder ein paar km Autobahn dazu, weil man die ja unbedingt braucht.
    Großartig, Naturschutz at its best!

  2. „Dusch mich, aber mach mich nicht nass.“ Unter diesem Motto arbeitet das Cabildo von Fuerteventura seit Jahren . Postengeile Politiker schieben sich und ihren Kumpanen die Positionen zu ohne das diese das nötige Fachwissen haben. Man ist kaum daran interssiert Lösungen für erneuerbare Energie zu finden.

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