Drogenschmuggel? Fast 2.000 Liter Benzin in Lieferwagen auf Fuerteventura beschlagnahmt

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Die Guardia Civil hat auf Fuerteventura drei Männer festgenommen, die fast 2.000 Liter Benzin in einem Lieferwagen transportiert haben. Nach Einschätzung der Ermittler könnte der Treibstoff für die Versorgung von „Narcolanchas“ bestimmt gewesen sein, also für Schnellboote, die insbesondere beim Drogenschmuggel eingesetzt werden. Die als „Petaqueo“ bekannte Praxis ist seit April 2026 ausdrücklich im spanischen Strafgesetzbuch berücksichtigt.

79 Kanister mit insgesamt 1.975 Litern Benzin

Wie die Guardia Civil der Provinz Las Palmas mitteilte, erfolgte der Einsatz in der Nacht des 29. August 2026. An einer Tankstelle in einem Gewerbegebiet in der Gemeinde Antigua wurden mehrere Personen beobachtetet, die eine große Menge Kraftstoff in Behälter abfüllten, die nach Angaben der Guardia Civil nicht den gesetzlichen Sicherheitsvorschriften für den Transport gefährlicher Güter entsprachen.

Die Beamten fingen den den Lieferwagen anschließend ab. Dabei bemerkten sie einen starken Benzingeruch aus dem Inneren des Fahrzeugs. Bei der Kontrolle des Laderaums fanden sie zahlreiche mit Kraftstoff gefüllte Kanister. Außerdem entdeckten die Beamten zwei Personen, die sich im hinteren Teil des Lieferwagens versteckt hatten.

Insgesamt stellte die Guardia Civil 79 Kanister mit jeweils 25 Litern Benzin sicher. Damit wurden insgesamt 1.975 Liter Kraftstoff beschlagnahmt.

Verdacht auf Versorgung von Drogenschmugglern

Nach Angaben der Guardia Civil bestanden Anhaltspunkte dafür, dass das Benzin zur illegalen Versorgung von Booten bestimmt war, die im Zusammenhang mit Drogenschmuggel eingesetzt werden könnten. Die Beamten nahmen daraufhin den Fahrer sowie die beiden im hinteren Teil des Fahrzeugs versteckten Männer fest. Ihnen wird ein Delikt im Zusammenhang mit dem Handel und Transport entzündlicher Stoffe vorgeworfen.

Nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen wurden die drei Festgenommenen dem zuständigen Gericht vorgeführt. Dieses ordnete für alle drei Männer Untersuchungshaft ohne Möglichkeit einer Freilassung gegen Kaution an.

Was bedeutet „Petaqueo“?

Als „Petaqueo“ wird in Spanien die logistische Versorgung von Schnellbooten mit großen Mengen Kraftstoff bezeichnet. Der Begriff leitet sich von „petaca“ ab, einer Bezeichnung für Kanister beziehungsweise Kraftstoffbehälter. Dabei werden große Mengen Benzin in Kanistern gelagert und zu bestimmten Punkten an der Küste oder direkt auf See gebracht, um sogenannte Narcolanchas mit Treibstoff zu versorgen.

Solche leistungsstarken Schnellboote benötigen wegen ihrer starken Außenbordmotoren erhebliche Mengen Kraftstoff. Durch die Versorgung außerhalb regulärer Häfen können sie lange Strecken zurücklegen, ohne zum Tanken einen kontrollierten Hafen anlaufen zu müssen. Petaqueo stellt damit einen wichtigen Teil der Logistik dar, die von Organisationen des Drogenschmuggels genutzt werden kann.

Spanien hat Strafrecht für Petaqueo 2026 verschärft

Für den vorliegenden Fall ist eine Gesetzesänderung besonders relevant. Mit dem Organgesetz 1/2026 vom 8. April 2026 (Ley Orgánica 1/2026, de 8 de abril) wurde Artikel 568 des spanischen Strafgesetzbuchs (Código Penal) geändert. Die Neuregelung trat am 10. April 2026 in Kraft und sollte nach der Gesetzesbegründung ausdrücklich auch eine strafrechtliche Antwort auf die als Petaqueo bekannte Praxis schaffen.

Artikel 568 Absatz 1 stellt unter anderem den nicht gesetzlich oder behördlich erlaubten Besitz, die Lagerung, Herstellung, den Handel, Transport oder die Lieferung von explosiven, entzündlichen, brandfördernden oder erstickenden Stoffen unter Strafe. Für Organisatoren und Initiatoren sieht die Vorschrift grundsätzlich vier bis acht Jahre Haft vor, für Personen, die daran mitwirken, drei bis fünf Jahre.

Seit dem 10. April 2026 enthält Artikel 568 zusätzlich eine spezielle Regelung für flüssige Brennstoffe. Handelt es sich bei dem entzündlichen Stoff um flüssigen Kraftstoff, beträgt die vorgesehene Freiheitsstrafe drei bis fünf Jahre. Bei weniger schwerwiegenden Fällen können Gerichte unter Berücksichtigung der konkreten Umstände der Tat und des Täters eine Strafe des niedrigeren Grades verhängen.

Damit ist die neue Vorschrift zeitlich grundsätzlich auf einen Transport Ende August 2026 anwendbar. Ob die Voraussetzungen des Straftatbestands im konkreten Fall tatsächlich erfüllt sind und welche Strafe gegebenenfalls verhängt wird, entscheidet jedoch das zuständige Gericht.

Auch der Oberste Gerichtshof (Tribunal Supremo) hat sich am 10. Juni 2026 ausführlich mit Petaqueo befasst. Er stellte dabei klar, dass die seit April 2026 geltende Fassung des Artikels 568 Absatz 2 für Taten nach Inkrafttreten der Reform eine spezifische strafrechtliche Regelung für flüssige Kraftstoffe enthält. Die Entscheidung betraf allerdings einen älteren Sachverhalt und damit die Rechtslage vor der Gesetzesänderung.

Erst kürzlich spektakulärer Fall von Petaqueo auf Fuerteventura aufgeklärt

Der oben beschriebene Fall ist längst kein Einzelfall auf Fuerteventura. Ende 2025 wurden im Hafen von Morro Jable 3.200 Liter Treibstoff und zwei Boote sichergestellt, die ebenfalls im Zusammenhang mit den Drogenschmuggel standen.

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