Meerwasserentsalzungsanlage im Süden von Fuerteventura wird wohl noch Jahre dauern

Zukunftsvision-einer-Meerwasserentsalzungsanlage

Die Kanarische Regierung hat weitere 325.000 Euro für die Planung einer neuen Meerwasserentsalzungsanlage im Süden Fuerteventuras bewilligt. Was in der offiziellen Mitteilung zunächst wie ein weiterer Schritt zur Verbesserung der Wasserversorgung erscheint, wirft bei genauerer Betrachtung der bisherigen Projektgeschichte Fragen auf. Denn seit Juli 2024 wurden bereits drei Aufträge im Gesamtwert von mehr als 810.000 Euro vergeben. Trotzdem soll die grundlegende Projektplanung, auf Spanisch „proyecto básico“, und nicht etwa die fertig gebaute Meerwasserentsalzungsanlage, erst Ende 2028 abgeschlossen sein.

Die kanarische Regierung hat das Instituto Tecnológico de Canarias (ITC) erneut damit beauftragt, die Planungen für die zukünftige Meerwasserentsalzungsanlage im Süden Fuerteventuras voranzutreiben. Der neue Auftrag hat ein Budget von 325.000 Euro und eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2028.

Die zukünftige Meerwasserentsalzungsanlage soll in Matas Blancas entstehen und zunächst eine Produktionskapazität von 15.000 Kubikmetern Trinkwasser pro Tag erreichen. Bis zum Jahr 2035 ist ein stufenweiser Ausbau auf 40.000 Kubikmeter täglich vorgesehen.

Mit dem Projekt soll die Wasserversorgung im Süden Fuerteventuras langfristig verbessert und die bestehende Infrastruktur ergänzt werden.

Bereits drei Aufträge seit Juli 2024

Ein Blick in die amtlichen Unterlagen der Kanarischen Regierung zeigt allerdings, dass die Vorbereitungen bereits seit mehr als zwei Jahren laufen.

Am 24. Juli 2024 erhielt das ITC einen ersten Auftrag über 335.000 Euro. Dieser umfasste die Untersuchung des Wasserbedarfs, die Bewertung möglicher Standorte und technischer Alternativen sowie ausdrücklich auch die Erstellung des Grundprojekts für die neue Entsalzungsanlage. Die Arbeiten sollten ursprünglich bis September 2025 abgeschlossen sein.

Dazu kam es jedoch nicht.

Am 23. Dezember 2025 erteilte die Kanarische Regierung einen weiteren Auftrag über 150.574,55 Euro, um die begonnenen Arbeiten fortzuführen. Dessen Laufzeit endete am 30. September 2026.

Mit der Verfügung Nr. 291/2026 vom 26. Oktober 2026 folgte nun ein dritter Auftrag über weitere 325.000 Euro.

Damit summieren sich die drei Beauftragungen des ITC auf insgesamt 810.574,55 Euro. Ob sämtliche Beträge bereits vollständig ausgezahlt wurden, geht aus den vorliegenden Unterlagen nicht hervor.

Regierung räumt Verzögerungen ein

Besonders aufschlussreich ist die offizielle Beauftragungsverfügung vom 26. Oktober 2026, die von Regierungsrat Manuel Miranda unterzeichnet wurde.

Darin wird ausdrücklich eingeräumt, dass die ursprünglich vorgesehenen Arbeiten nicht vollständig innerhalb der vereinbarten Fristen abgeschlossen werden konnten.

Als Gründe werden unter anderem Schwierigkeiten bei der Beschaffung notwendiger Daten sowie Verzögerungen bei der Genehmigung des ausgewählten Standorts durch den Inselwasserrat von Fuerteventura (Consejo Insular de Aguas de Fuerteventura) genannt.

Hinzu kommen nach Angaben der Kanarischen Regierung zusätzliche Anforderungen der Inselbehörden, die den ursprünglichen Leistungsumfang erheblich erweitert hätten.

Damit bestätigt die Regierung selbst, dass die Planungen nicht verlaufen sind wie ursprünglich vorgesehen.

Neue Anforderungen machen die Planung komplexer

Die zusätzlichen Anforderungen betreffen wesentliche Bestandteile des zukünftigen Entsalzungssystems.

So soll die Anlage vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Außerdem ist eine doppelte Druckleitung zum rund 280 Meter hoch gelegenen Wasserspeicher in Guerime vorgesehen. Die Entfernung beträgt mehr als acht Kilometer.

Darüber hinaus sollen Möglichkeiten untersucht werden, die bei der Meerwasserentsalzung anfallende konzentrierte Salzlake wirtschaftlich zu nutzen.

Die Anlage soll außerdem als öffentlich zugänglicher Industriekomplex konzipiert werden, der unter anderem von Schulklassen und anderen Besuchergruppen besichtigt werden kann.

Auch die technische Ausbauplanung ist anspruchsvoll. Während die erste Ausbaustufe mit Meerwasser aus Küstenbrunnen versorgt werden soll, ist für spätere Ausbaustufen eine offene Meerwasserentnahme vorgesehen.

Gerade diese unterschiedlichen Verfahren zur Meerwassergewinnung können umfangreiche technische und umweltbezogene Untersuchungen erforderlich machen.

Umfangreiche Vorarbeiten, aber noch kein fertiges Grundprojekt

Nach Angaben der Regierung wurden im Rahmen der bisherigen Beauftragungen bereits verschiedene technische und ökologische Untersuchungen durchgeführt oder begonnen.

Dazu gehören unter anderem eine topografische Vermessung mittels LiDAR-Technologie, Untersuchungen zu Erkundungsbohrungen, ein vorläufiges Anlagenkonzept sowie eine erste Untersuchung zur Versorgung mit erneuerbaren Energien.

Auch Umweltuntersuchungen zur Vogelwelt, zur Flora und Fauna, zum Meeresboden, zur Gezeitenzone und zu möglichen Kulturgütern gehören zu den vorbereitenden Arbeiten.

Die Verfügung lässt allerdings nicht eindeutig erkennen, welche dieser Leistungen bereits vollständig abgeschlossen sind und welche sich noch in Bearbeitung befinden.

Fest steht, dass das Grundprojekt nach mehr als zwei Jahren Vorbereitungszeit noch nicht vollständig vorliegt.

Warum dauert die Planung bis Ende 2028?

Die neue Beauftragung läuft bis zum 31. Dezember 2028. Damit wird sich die Phase der vorbereitenden Planung, gerechnet vom ersten Auftrag im Juli 2024, über einen Zeitraum von rund viereinhalb Jahren erstrecken, sofern die neue Frist vollständig ausgeschöpft wird.

Allerdings umfasst der aktuelle Auftrag nicht ausschließlich die technische Erstellung des Grundprojekts. Das ITC soll auch die erforderlichen Genehmigungs- und Zulassungsverfahren begleiten.

Die lange Vertragslaufzeit bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass die eigentliche technische Ausarbeitung mehr als zwei weitere Jahre benötigt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Verteilung der vorgesehenen Ausgaben.

Für das Jahr 2026 sind lediglich 17.850 Euro vorgesehen, für 2027 dagegen 256.200 Euro und für 2028 noch 50.950 Euro.

Damit entfallen knapp 79 Prozent des neuen Auftragsvolumens auf das Jahr 2027.

Dies könnte darauf hindeuten, dass der Schwerpunkt der technischen Arbeiten bereits 2027 liegen soll und das Jahr 2028 vor allem für weitere Abstimmungen und Genehmigungsverfahren vorgesehen ist. Ein verbindlicher Zeitplan für die einzelnen Arbeitsschritte lässt sich aus der veröffentlichten Verfügung allerdings nicht ableiten.

Grundprojekt bedeutet noch keinen Baubeginn

Bei der Bewertung der zeitlichen Abläufe ist außerdem entscheidend, was unter einem „proyecto básico“ zu verstehen ist.

Ein solches Grundprojekt beschreibt die wesentlichen technischen Eigenschaften, die Dimensionierung und die grundsätzliche Ausgestaltung einer geplanten Anlage. Es dient unter anderem als Grundlage für weitere Genehmigungen und die anschließende detaillierte Planung.

Es ist jedoch nicht mit einem vollständigen Ausführungsprojekt, einem sogenannten „proyecto de ejecución“, gleichzusetzen.

Erst die detaillierte Ausführungsplanung schafft die technischen Voraussetzungen für die konkrete bauliche Umsetzung.

Selbst wenn das Grundprojekt Ende 2028 vollständig vorliegt, bedeutet dies daher noch nicht, dass unmittelbar mit dem Bau der Entsalzungsanlage begonnen werden kann.

Wann die Ausführungsplanung abgeschlossen, die Bauarbeiten ausgeschrieben und die Anlage tatsächlich in Betrieb genommen werden könnte, geht aus den bislang veröffentlichten Informationen nicht hervor. Das gesamte Verfahren bis zur Fertigstellung kann aber noch Jahre dauern.

Mehr als 810.000 Euro und weiterhin offene Fragen

Die offiziellen Unterlagen erklären zumindest teilweise, weshalb sich die Planung der neuen Entsalzungsanlage verzögert hat. Schwierigkeiten bei der Datenbeschaffung, eine verzögerte Standortgenehmigung und zusätzliche technische Anforderungen haben offenbar dazu geführt, dass die ursprüngliche Beauftragung nicht ausreichte.

Dennoch bleiben Fragen.

So ist bislang nicht ersichtlich, welche konkreten Ergebnisse mit den ersten beiden Aufträgen über zusammen 485.574,55 Euro erzielt wurden und welche Leistungen im Rahmen des dritten Auftrags zusätzlich erbracht werden sollen.

Ebenso bleibt offen, wann die neuen Anforderungen der Inselbehörden erstmals formuliert wurden und weshalb diese nicht bereits Bestandteil der ursprünglichen Planung waren.

Auch die Frage, weshalb für die Fertigstellung eines bereits seit 2024 bearbeiteten Grundprojekts eine weitere Laufzeit bis Ende 2028 vorgesehen ist, lässt sich anhand der veröffentlichten Verfügung nicht abschließend beantworten.

Die Kanarische Regierung verweist zwar auf die Komplexität des Vorhabens und die erforderlichen Genehmigungen. Ein detaillierter Terminplan mit überprüfbaren Zwischenzielen ist in der sechsseitigen Beauftragungsverfügung jedoch nicht enthalten.

Für den Süden Fuerteventuras, dessen Wasserversorgung seit Jahren ein wichtiges Infrastrukturthema ist, bleibt damit vor allem eine entscheidende Frage unbeantwortet: Wann wird aus den umfangreichen Planungen tatsächlich eine betriebsbereite Entsalzungsanlage?

Bestimme den Lohn für unsere Arbeit!

Wenn Du unsere Inhalte nützlich, unterhaltsam oder informativ findest, kannst Du den Lohn für unsere Arbeit selbst bestimmen. Das geht ganz einfach über diesen Link:

9cdec601297747c29bf539c8f57bfa8c
https://www.fuerteventurazeitung.de/du-bestimmst-den-lohn-fuer-unsere-arbeit/ banner 300x250 Bestimme den Lohn

Weitere Beiträge im Bereich Fuerteventura Nachrichten