Kurz und heftig: Chronologie des Fluglotsenaufstandes

Am Freitag, den 03.12.2010, genau zum Beginn des langen Wochenendes vor dem Tag der spanischen Verfassung, probten die Fluglotsen in Spanien den Aufstand. Hunderttausende Reisende waren betroffen von dem Zusammenbrechen des gesamten Flugverkehrs über dem spanischen Luftraum. Nach knapp 24 Stunden war der Spuk vorbei, und die Lotsen beugten sich den drastischen Gegenmaßnahmen der Regierung, wohl aus Sorge, ansonsten für Jahre ins Gefängnis zu gehen.

So fing alles an:

Am Freitag den 03.12.2010 um 9.24h verkündete die Gewerkschaft der Fluglotsen USCA die Einberufung einer „permanenten Versammlung“ an allen Arbeitszentren, um die Maßnahmen zu bewerten, die der Ministerrat beschließen würde.

14.00 Uhr: Die Regierung informiert über die Verabschiedung eines Gesetzes, das gewisse Privilegien der Fluglotsen beschneidet. Nach der neuen Rechtslage können u.a. Krankheitszeiten und Freistellungstage nicht mehr auf die maximal zulässige Jahresarbeitszeit angerechnet werden. Außerdem ermöglicht das neue Gesetz die Privatisierung des Betriebs von Flughäfen in Spanien.

16.00 Uhr: die Gewerkschaft USCA ruft für 17.00h eine Pressekonferenz ein, auf der sie die Ablehnung des neuen Gesetzes verkündet, aber keine Angaben über einen Arbeitskampf macht.

17.00 Uhr: Die spanische Fluggesellschaft IBERIA teilt auf der Internetplattform Twitter mit, dass die Flughäfen von Madrid, Palma de Mallorca und in Galizien geschlossen sind. Die staatliche Flughafenbetreibergesellschaft AENA gibt in einer Pressemitteilung bekannt, dass die Fluglotsen begonnen hätten, sich krank zu melden.

18.00 Uhr: In einer weiteren Pressemitteilung qualifiziert AENA die Entscheidung, den gesamten Luftverkehr des Landes lahmzulegen, als „extrem schwerwiegend“. Zu der Zeit sind bereits 250.000 Passagiere betroffen, 70% der Fluglotsen sind abwesend und die Luftkontrollzentren von Madrid, den Balearen und den Kanarischen Inseln sind geschlossen.

20.30 Uhr: Der spanische Verkehrsminister, José Blanco, bezeichnet die Situation als „äußerst schwerwiegend“ und bittet die Bürger, die nicht reisen können um Entschuldigung für die „Erpressung durch die Fluglotsen, die die Bürger als Geiseln genommen hätten“. Das Verhalten der Fluglotsen sein untolerierbar und die Regierung sei bereit, mit aller Entschlossenheit und Härte zu handeln und alle gesetzlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Situation zu beenden.

21.30 Uhr: Ein königliches Dekret tritt in Kraft, das es ermöglicht, die zivile Kontrolle des Luftverkehrs unter militärisches Kommando zu stellen. Der König unterschreibt das Gesetz in der spanischen Botschaft in Argentinien, wo er sich anlässlich eines iberoamerikanischen Gipfeltreffens aufhält.

22.30 Uhr: Nach einer außerordentlichen Sitzung des Ministerrates unterzeichnet der Regierungspräsident Zapatero ein Dekret, das die Fluglotsen dem Militär unterstellt. Das Verteidigungsministerium übernimmt das Kommando über die Kontrolle des Flugverkehrs und beruft die Fluglotsen unverzüglich an Ihre Arbeitsplätze.

23:30 Uhr: Die Guardia Civil fährt zum Hotel Auditorium in der Nähe des madrider Flughafens Barajas, wo sich viele Fluglotsen versammelt haben, um die Personalien der Streikenden festzustellen. Später muss die Polizei einen Tumult aufgebrachter Reisender verhindern, die sich ebenfalls in dem Hotel aufhalten und die Fluglotsen später unter Polizeischutz aus dem Hotel begleiten.

Am Samstag um 2.00h morgens droht der spanische Innenminister Rubalcaba mit der Verhängung des Alarmzustandes.

8.00 Uhr: Nur die Hälfte der Fluglotsen kommt zum Schichtwechsel, doch die Erschienenen weigern sich zu arbeiten, da sie gesundheitliche Probleme hätten.

9.30 Uhr: AENA bittet die Reisenden, nicht zu den Flughäfen zu kommen, da der Luftraum keinesfalls vor 13.00h geöffnet werden könnte.

10.00 Uhr: Eine weitere außerordentliche Sitzung des Ministerrates beginnt.

10.15 Uhr: Iberia und Ryanair geben die Stornierung aller Flüge bis Sonntag 6.00h bekannt.

12.20 Uhr: die Regierung verhängt zum ersten Mal in der Geschichte der spanischen Demokratie den Alarmzustand. Damit unterstehen die Fluglotsen dem Kommando des Militärs und werden offiziell zum Dienst einberufen. Wer sich nun immer noch weigert, seinen Dienst zu verrichten, setzt sich der Gefahr aus, nach Militärstrafrecht belangt zu werden. Im Falle einer Verurteilung wegen Ungehorsam und Aufstand in der jeweils schwersten Form drohen Haftstrafen von bis zu 15 Jahren.

14.00 Uhr: Die Fluglotsen fangen an, sich an ihren Arbeitsplätzen einzufinden, nachdem sie von AENA eine Zustellung mit ihrer Einberufung und einer Belehrung über die rechtlichen Konsequenzen der Anwendung des Militärstrafrechts erhalten haben.

15.53 Uhr: Die Regierung gibt die Öffnung des Luftraums bekannt.

16.50 Uhr: Das erste Flugzeug startet nach dem Chaos vom Flughafen Barajas.

Insgesamt waren rund 600.000 Passagiere direkt von dem Flugchaos betroffen. Die chronologische Darstellung der Ereignisse kann natürlich nur ein sehr verkürztes Bild abgeben.

Das Bild, das viele ausländische Reisende einmal mehr vom Urlaubsland Spanien mitnehmen, dürfte auch noch viel später Wirkung zeigen. Manch einer wird sich sagen: „Man muss wohl in Zukunft einen großen Bogen um Spanien machen“. Man stelle sich vor, was in Reisenden vorgeht, die am Flughafen festsitzen, nur wenig Zugang zu aktueller Information haben und miterleben müssen, wie mitten im Chaos plötzlich das Militär vorfährt, einmarschiert und das Kommando übernimmt. Oder was die Menschen gefühlt haben müssen, die über zweieinhalb Stundenlang völlig ahnungslos im Flugzeug auf dem Rollfeld gewartet haben, und deren Piloten nur bekannt geben konnten, dass der Funkverkehr zum Tower zusammengebrochen ist.

1 Kommentar

  1. Ich liebe Fuerteventura heiß und innig.
    Komme mit meiner Frau 2-3 mal im Jahr
    auf diese tolle Insel…

    Aber, wenn man uns denn mit aller Gewalt
    unsere Liebe nehmen will, indem man uns
    einen großen Stein nach dem anderen
    in den Weg wirft, dann leidet nicht
    nur die Liebe zur Insel!

    Ich schmeiße meinen Gästen auch nicht
    die Türe vor der Nase zu …

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