Gute Konjunkturaussichten oder Vorwahlkampf?

In Spanien rücken die Parlamentswahlen näher, für die zwar noch kein genauer Termin feststeht, die aber gemäß Verfassung zwischen dem 20. November und 20. Dezember stattfinden müssen.

Und so dürfte sich nicht nur das gemeine Volk, sondern auch die amtierende Regierung freuen, dass sich die positiven Nachrichten über die Wirtschaftsentwicklung gerade jetzt häufen.

Und so gibt es viele Neuerungen, die den meisten Bürgern die Rückkehr aus den Sommerferien versüßen.

Vielleicht sind die Steuererleichterungen, die jetzt kommen, ein frühes Wahlgeschenk. Doch letztlich bedeuten sie, dass der Gürtel, der mit den Sparmaßnahmen infolge der Wirtschaftskrise immer enger und enger gezogen werden musste, nun deutlich gelockert wird.

Selbständige und Freiberufler müssen in Ihren Rechnungen, die sie anderen Unternehmern stellen, einen Steuereinbehalt (retención) ausweisen. Dieser wird vom Rechnungsempfänger einbehalten und direkt ans Finanzamt abgeführt. Diese „retención“ wurde im Juli von 19% auf 15% gesenkt. Das bedeutet, dass Selbständige und Freiberufler mehr Geld flüssig haben, das z.B. für Investitionen oder den Konsum zur Verfügung steht.

Auch die Einkommensteuer für Angestellte wird gesenkt. Die einkommensabhängingen Steuersätze sinken von 20, 25, 31, 39 und 47% auf 19, 24, 30, 37 und 45%.

Millionen von Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst, denen ihre Zuschläge im Jahre 2012 als Sparmaßnahme gestrichen wurden, bekommen diese zumindest zum Teil wieder ausgezahlt. Am Jahresanfang gab es bereits 25% der Zuschläge, weitere 25% folgen zum Jahresende, die restlichen 50% in 2016.

Zusammen mit der moderaten bzw. sogar leicht sinkenden Preisentwicklung, vor allem durch den niedrigen Ölpreis, könnten die Spanier erstmals seit langer Zeit real wieder mehr Geld im Portmonee haben. Wenn sie dieses Geld nun nicht sparen sondern in den privaten Konsum stecken, könnte daraus ein richtiges Konjunkturprogramm werden.

Auch der abgewertete Euro, die weiter steigenden Tourismuszahlen und stark anziehenden Exporte schaffen an sich gute Rahmenbedingungen für eine deutlich wachsende Wirtschaftsleistung.
Was bleibt, ist die nach wie vor hohe Staatsverschuldung und die immer noch hohe Arbeitslosigkeit. Man kann nur hoffen, dass die Staatslenker auch in der nächsten Legislaturperiode das Ruder in die richtige Richtung halten, damit es weiter bergauf gehen kann. Spanier, geht wählen, aber macht keinen Blödsinn an der Urne!

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