Fuerteventura: Bevölkerungswachstum mit Folgen

Puerto del Rosario Lufbild w

Die Zahl der gemeldeten Einwohner von Fuerteventura ist in 2018 um 2,7% auf 113.275 gestiegen. In absoluten Zahlen sind das 2.976 neue Einwohner. Dies hat das Nationale Statistikinstitut INE bekannt gegeben.

In absoluten Zahlen hat die Bevölkerung in der Gemeinde Pájara im Süden Fuerteventura am stärksten zugelegt. Hier sind 716 neue Einwohner hinzugekommen. Mit dem Anstieg von 19.823 auf 20.539 ist die bedeutende Schwelle von 20.000 Einwohner überschritten worden. Dies hat z.B. zur Folge, dass bei den Kommunalwahlen am 26.05.2019 nicht mehr 17 sondern 21 Kandidaten in den Gemeinderat einziehen. Ein Mitglied des Gemeinderats, das Vollzeit arbeitet, bekommt 3.700€ Brutto im Monat. Die vier zusätzlichen Posten kosten den Steuerzahler also rund 177.600€ pro Jahr oder 710.400€ in der 4-jährigen Legislaturperiode.

Die in Bezug auf die Einwohnerzahl größte Gemeinde ist Puerto del Rosario. Sie wuchs in 2018 von 38.711 auf 39.282 Einwohner.

La Oliva ist um 525 Einwohner auf 25.884 gewachsen.

Zuwanderung ist große Herausforderung für Fuerteventura

Die Bevölkerung ist auf Fuerteventura nicht nur in 2018, sondern auch den Jahren davor dramatisch gewachsen. Dies liegt nicht an einem Geburtenüberschuss. Vielmehr hat der immense Zuzug von Menschen dazu geführt. Selbst in den Jahren der Krise nach 2008 gab es nur ein Jahr, in dem die Bevölkerung Fuerteventuras leicht geschrumpft ist. In allen anderen Jahren ging es steil nach oben.

In 2007 waren auf Fuerteventura 94.386 Menschen registriert. Am 1.1.2019 waren es 18.864 mehr. Das sind ziemlich genau 20% mehr als damals.

Dieses massive Bevölkerungswachstum hat auf Fuerteventura zu einem erheblichen sozialen Problem geführt: zu immens gestiegener Nachfrage nach Wohnraum und damit zu stark steigenden Mietpreisen.

Legt man die durchschnittliche spanische Haushaltsgröße von 2,5 Personen zugrunde, bedeuten 18.864 neue Einwohner einen zusätzlichen Bedarf von mehr als 7.500 Wohnungen gegenüber 2007. Wenn man bedenkt, dass seit dem Zusammenbruch der Immobilienmärkte in 2008 auf Fuerteventura praktisch keine Wohnungen mehr gebaut worden sind, wird das Ausmaß des Mangels deutlich.

Das Bevölkerungswachstum in 2018 um knapp 3.000 Menschen hätte auf Fuerteventura den Neubau von mindestens 1.200 Wohnungen erfordert. Allein in Pájara hätten für die 716 neuen Einwohner rund 290 neue Wohnungen entstehen müssen. Gebaut worden ist in dieser Zeit jeoch fast nichts.

Prognosen gehen davon aus, dass die Bevölkerung auf den Kanaren, und sicher auch auf Fuerteventura, in den nächsten Jahren weiter stark steigen wird. Die Nachfrage nach Wohnraum wird sich entsprechend genauso ausweiten.

Die Politik steckt den Kopf in den Sand

Sämtliche Ebenen der Politik haben das Problem scheinbar noch nicht erkannt. Folglich haben sie keine Lösungen im Hut.

Die Spanische Minderheitsregierung des Sozialisten Pedro Sanchez (PSOE) hat gerade das ohnehin schon extrem mieterfreundliche Mietrecht noch weiter zugunsten der Mieter verschoben. Gewerbliche Vermieter haben weiterhin kaum Möglichkeiten, säumige Mieter oder gar Hausbesetzer schnell und unkompliziert aus ihren Wohnungen zu bekommen. Das Risiko, in Mietwohnungen zu investieren, wird für Wohnungsbaugesellschaften und Fonds noch unkalkulierbarer.

Die Kanarische Regierung hat in den letzten 10 Jahren praktisch keinen sozialen Wohnungsbau betrieben. Ihre Strategie in der Wohnungspolitik beschränkt sich ausschließlich auf die Bekämpfung der Ferienwohnungen, die sie als einzigen Schuldigen für die Wohnungsknappheit brandmarkt. Dabei hat sie keine Hemmungen, Gesetze zu erlassen, die verfassungswidrig sind und gegen Europarecht verstoßen.

Das Cabildo von Fuerteventura ist seit Jahren nicht in der Lage, einen rechtsverbindlichen Flächennutzungsplan (PIOF) zu verabschieden.

Die Gemeinden auf Fuerteventura, so auch Pájara, schaffen es nicht, rechtsgültige Bebauungspläne aufzustellen. Der letzte Bebauungsplan von Pájara aus dem Jahr 1998 wurde 2003 durch einen Gerichtsbeschluss annulliert. Seitdem gilt wieder der Bebauungsplan aus dem Jahr 1989!

Soziales Pulverfass: die Lunte brennt schon

Ohne den Bau von Wohnungen lässt sich das Problem der Wohnungsknappheit nicht lösen. Doch Wohnungen entstehen nicht von heute auf morgen. Schon gar nicht, wenn noch nicht einmal die planungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Eine Ausweitung des Angebots an Wohnraum ist jedoch kurzfristig nicht möglich. Daher könnten Politiker auf die Idee kommen, an der Nachfrage zu drehen. Ein neuer Schuldiger für die Misere lässt sich leicht finden: der Zuzug von Ausländern. Dies wäre Wasser auf die Mühlen von nationalistischen oder rechtspopulistischen Parteien. Es ließe sich sicher vielen Wählern leicht verkaufen, dass die Ausländer schuld sind am Wohnungsmangel.

2 Kommentare

  1. Die gleichen Probleme kennen wir aus der Schweiz 🇨🇭….. nur in etwas grösserer Dimension dh grosse Zuwanderung von sehr reichen Menschen oder dem Gegenteil .
    Dementsprechend hat sich die Lebensqualität für den mittelständigen Schweizer massiv verschlechtert!
    Zersiedelung der Landschaft , Dichtestress , massive Verteuerung in allem Bereichen! Lohn- und Leistungsdruck , Umweltverschutzung ( Abfall , Fluglärm , Verkehr , Schwerverkehr usw.) . Dies natürlich weil die 🇨🇭auch eine Insel in Europa ist !
    Auch hier hat man keine Lösung und verschliesst die Augen vor den unweiglichen Folgen ……

  2. Mehr Wohnraum ist mit Sicherheit nicht so einfach zu realisieren.
    Fuerteventura ist eine Insel somit ist irgendwann mal die Grenze erreicht . Bauland steht nicht uneingeschränkt zur Verfügung wenn man nicht den letzten Quadratmeter der Insel bebauen will. Seit 1995 war ich schon ca 10 mal auf Fuerteventura und bin erstaunt was jedes mal neu dazugebaut wurde gut meistens waren es nur Hotels und Appartments.Meiner Meinung nach verträgt die Insel keine weitere Bebauung mehr.Wasserversorgung ist nur mit großem Aufwand möglich.Selbstverständlich kann ich es mit gut vorstellen das immer mehr Menschen dort leben möchten ist es doch das ganze Jahr warm und man hat keine Heizkosten , die ja gerade hier in Deutschland immer mehr zu einer Belastung für die Haushalte werden.

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