Opposition im Süden von Fuerteventura wittert Skandal beim Kauf der Finca von Ajuy

Ajuy-Wanderweg

In der Gemeinde Pájara im Süden von Fuerteventura könnte sich ein neuer Skandal anbahnen. So sieht es zumindest die PSOE, die die Mehrheit der Opposition im Gemeinderat von Pájara stellt.

Wie das Onlinemedium DiarioDeFuerteventura berichtete, soll am Freitag, 29.07.2022, der Termin für die notarielle Beurkundung des Kaufes der „Finca de Ajuy“ stattgefunden haben.

Zu dieser Meldung passt, dass die Gemeinde Pájara insgesamt drei Schecks über den Gesamtbetrag von 1.862.691€ ausgestellt hat, um den Kaufpreis für den Kauf des über 500.000 Quadratmeter großen Grundstücks zu begleichen.

Ein Scheck über rund 1,2 Mio. Euro ging an den Mehrheitseigentümer, die Firma „Paraje Natural de Ajuy, S.L“, deren Geschäftsführer José Antonio Jorge Fierro ist. Der Gesellschaft gehörten 99% des Grundstücks.

1% gehörte einem Guadalberto Gil Molina, der für seinen Anteil einen Scheck über 12.293€ erhielt.

Der dritte Scheck über 633.999€ ging an die Banco Santander. Mit diesem Betrag wurde die Hypothek abgelöst, mit der das Grundstück belastet war.

Die berühmten Höhlen von Ajuy befinden sich auf dem Grundstück

Auf dem Grundstück, dessen Erwerb durch die Gemeinde schon lange geplant war, befinden sich unter anderem die Höhlen von Ajuy, die den Ort Ajuy zu einem beliebten Ausflugsziel auf Fuerteventura machen.

Sowohl der jetzige Bürgermeister von Pájara, Pedro Armas (AMF) als auch der vorherige Bürgermeister Rafael Perdomo (damals PSOE), vertraten die Ansicht, dass „eine touristische Bewirtschaftung äußerst interessant ist“ und dass das Grundstück „unbegrenzte Möglichkeiten“ böte. Selbst einen Vergleich mit der berühmten „Cueva de los Verdes“ oder den „Jameos de Agua“ auf Lanzarote scheute man nicht.

Kaufpreis liege beim Dreifachen des Marktwertes

Während man sich beim Potential des Grundstücks scheinbar noch weitgehend einig war, gehen die Ansichten bezüglich eines angemessenen Kaufpreises jedoch weit auseinander.

Pedro Armas, der amtierenden Bürgermeister, bezeichnete den Kaufpreis als „lächerlich niedrig“ („irrisorio“) und erklärte, dass er dem Wert entspräche, der durch einen Gutachter festgestellt worden sei.

Die Opposition (PSOE) bezeichnete die Vorgehensweise von Pedro Armas dagegen als „plumpe Gutsherrenart“ („cacicada grosera“).

In einer Pressemitteilung vom 30. Juli 2022, war sie ihm vor, einen „Überfall auf die Gemeindekasse verübt („atracar“) zu haben“, indem er das Grundstück in Ajuy „für das Dreifache des Wertes“, ohne das „vorgeschriebene technische Gutachten“ und trotz der „sehr ernsten Zweifel des Gemeindejustitiars an der Sache selbst und an den Formalitäten“, erworben hat.

Daher fordert die PSOE eine offizielle Untersuchung des Geschäfts von Amts wegen und eine Intervention der Staatsanwaltschaft.

Justitiar empfiehlt, Kauf nicht durchzuführen

Die Gutachten der Technikerin der Abteilung für Gemeindevermögen und des Gemeindejustitiars, die der Fuerteventurazeitung vorliegen, stützen die Vorwürfe der Opposition. Die Gutachten umfassen 16 bzw. 9 eng beschriebene A4-Seiten.

Sowohl die Abteilung für Gemeindevermögen und der Justitiar kommen zu dem Ergebnis, vom Kauf abzuraten.

Die Abteilung für Gemeindevermögen sieht u.a. die Notwendigkeit für den Erwerb nicht ausreichend begründet, da dafür tatsächlich ein genehmigtes Projekt für die Nutzung vorliegen müsste.

Außerdem bemängelt sie, dass das Wertgutachten keine Marktstudie enthält, die gesetzlich vorgeschrieben sei, weshalb man nicht wisse, ob der ermittelte Wert dem Marktwert entspricht.

Noch drastischer sind die Bedenken des Justitiars. Er erklärt in seinem Gutachten, dass die sich eigentliche Forderung der Bank gegen den Grundstücksverkäufer auf rund 2,2 Mio. Euro belief.

Allerdings konnte der Grundstücksverkäufer offenbar im Vorfeld des Verkaufs mit der Bank aushandeln, dass diese sich mit einer Zahlung von gerade einmal etwas mehr als 600.000€ zufrieden geben würde und somit auf immerhin fast 1,6 Mio. Euro verzichtet.

Die Tatsache, dass sich eine Bank als gewinnorientiertes Unternehmen auf einen Schuldenerlass von 1,6 Mio. Euro einlassen sollte, wenn der Marktwert tatsächlich bei über 1,8 Mio. Euro liegen sollte, war für den Justitiar in keiner Weise nachzuvollziehen und ließ erhebliche Zweifel am gutachterlich festgestellten Marktwert entstehen.

Warum sollte die Bank nur rund 600.000€ nehmen, wenn das Grundstück tatsächlich das Dreifache wert wäre? Dann hätte sie doch die Zwangsvollstreckung einfach weiter betreiben können, die ohnehin schon eingeleitet war.

Und so hätte die Gemeinde das Grundstück in der Zwangsversteigerung erwerben können und wäre nicht angreifbar gewesen, einen zu hohen Preis zu bezahlen.

Diese und viele weitere Fragen werden nun wohl die Gerichte klären müssen.

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6 Kommentare

  1. ganz ehrlich? wieder viel geld ausgegen und NIX weiter passiert. sozialwohnungen wollte er bauen… NIX.. die strassen in morro mal ausbessern oder erneuern.. (da habe ich 10 leute gesehen, davon haben zwei diesen auffüllasphalt geschippt, die anderen standen daneben) dafür werden hundert tausende ausgegeben.. die strasse zum hafen runter, ich hab angst um meine reifen.. pozo negro ging das auch. innerhalb von drei tagen war da eine neu asphalt schicht drauf.. auf ein paar kilometern.. oder war das nur wegen der agrarmesse?
    aber gut.. erstmal kaufen,,, geld damit verdienen steht nicht zur debatte. wie auch.. hehe

    • Pozo Negro…es war tatsächlich nur wegen der AGRAR Messe…!

      Wurde sogar so im Radio publiziert.

      Seit knapp 30 Jahren befahre ich die Insel kreuz und quer, DIESES Stück „Fahrbahn“ ist bis Mai im Zustand der frühen 90er geblieben, mir unerklärlich, warum…

      Auch ein ca. 2km langer Straßenabschnitt oberhalb des Los Gorrionos, Nähe Costa Calma, der damals noch keine Autobahn war, wurde vor Jahren an einem(!) Tag komplett geteert.

      Vormittags fuhren wir von Costa Calma nach Jandia an den Strand, die Strasse war einspurig und wurde durch Warnposten anstatt Ampeln geregelt. Eine dampfende Asphaltmaschine im Tal…
      ..als wir am Abend zurückfuhren, waren Arbeiter und Maschine weg, dafür ein ca. 1,5 km Teilstück komplett neu asphaltiert.

      Ich überlegte lange Jahre, ob es doch nur geträumt war, bis ich im Mai an Pozo Negro vorbei“schwebte“… 😉

  2. Meine Zeit als Unternehmensberater ist lange vorbei, war mir zu stressig, aber hier gebe ich gerne meinen Senf dazu.

    Schöner Quatsch, der (kaum bewertbare) Wert des Grundstücks ist doch hier gar nicht relevant, sondern die Tatsache dass es einzigartig ist. Die Summe von 1.8M für 500 000 QM ist nicht hoch und es gibt viele, die so eine Summe bezahlen könnten – wodurch das touristisch einzigartige Objekt für immer vom Markt verschwinden würde. Die touristische Situation wäre damit unwiederbringlich zerstört oder zumindest unsicher auf unabsehbare Zeit.

    Somit war der Kauf alternativlos.

    Die Deppen die davon faseln dass es überteuert ist, hätten ja mal versuchen können es für ein Drittel zu kaufen. Haha.

    Das ist eine Sondersituation, die Bank hätte bei einer Zwangsversteigerung riskiert, weniger zu bekommen und die Gemeinde hätte riskiert, das Grundstück für immer zu verlieren.

    Ist schon OK so. In 10 Jahren kratzt das keinen mehr. Stellt ein paar Solarzellen in den hinteren Bereich, falls möglich, und lasst die Touristen weiter gratis in die Höhlen, die lassen dafür etwas Geld in der Gemeinde. Man hat nun die Möglichkeit der Weiterentwicklung, die man ohne das Grundstück NICHT hätte.

    • Leider ist die Situation in einem Unternehmen nicht vergleichbar mit der in einer Behörde. Es gibt im öffentlichen Bereich fest vorgegebene Verfahrenswege, die zwingend einzuhalten sind, da gesetzlich vorgegeben. Unternehmen können oft wesentlich flexibler und pragmatischer vorgehen, was auch ok ist, da sie ihr eigenes oder das Geld ihrer Aktionäre ausgeben. Ein Bürgermeister gibt aber Geld aus, das ihm nicht gehört, weshalb der Gesetzgeber besonders hohe Maßstäbe an sein Handeln anlegt, die hier möglicherweise nicht eingehalten wurden. Die starren Regeln sind aber bei solchen Sonderfällen oft nicht sinnvoll, da stimme ich Dir zu. Einer der Kritikpunkte ist ja ein fehlendes genehmigtes Projekt. Es fehlt also am Nachweis, dass der Kauf des Grundstücks notwendig und geeignet ist, um ein konkretes Ziel zu erreichen. Ein Grundstück zu kaufen, um darauf in Zukunft irgend wann einmal ein abstraktes Projekt zu realisieren, würde ich als Spekulation bezeichnen. Das ist in einem Unternehmen ok, aber nicht wenn ein Bürgermeister das mit dem Geld seiner Bürger macht (und selbst dann nicht, wenn er es in seiner Amtszeit mit seinem eigenen Geld machen würde). Wissend, dass mit der Gemeinde ein Käufer bereit steht, der bis zu 1,8 Mio. ausgeben kann und will, hätte es die Bank m.E. durchaus auf eine Zwangsversteigerung ankommen lassen können. Es gibt im spanischen Hypothekenrecht mehrere Mechanismen, die ein Verramschen zu Lasten des Gläubigers und des Schuldners in der Zwangsversteigerung verhindern. Die Bank hätte also durchaus Möglichkeiten gehabt, bei einem zu geringen Gebot sich das Grundstück selbst zuschlagen zu lassen und dann an die Gemeinde weiterzuverkaufen. Ich würde mich dem Gemeindejustitiar anschließen, dass bei der Sache etwas gewaltig müffelt. Der Gewinner scheint auf jeden Fall der Verkäufer zu sein, der statt 2,2 Mio. Schulden nun 1,6 Mio. Plus hat.

      • Ich verstehe, was du sagen willst. Aber wie wäre die Sache ausgegangen, wenn z.B. im Juli 2023 eine Versteigerung stattgefunden hätte. Viele Wochen vorher terminiert natürlich. Selbst wenn dann ein Vertreter der Gemeinde mit 1.8Mio dabei gewesen wäre (vermutlich hätte die Opposition das verhindert, und die Versteigerung hätte trotzdem stattgefunden…)?

        Vielleicht wäre dann ein Bieter dabeigewesen, der 2 Mio. hätte bieten können. Der Gemeindevertreter kann aber nicht über sein Maximum, wäre somit eine leichte Beute für andere Bieter gewesen!

        Dann wäre das Ding weg gewesen. Die Opportunitätskosten eines Nicht-Kaufs sind >> 1.8Mio, somit hätte kein Berater zu so einem Risiko raten können. Ja, der Verkäufer ist gut weggekommen, wie üblich bei Verkäufen zur Vermeidung von Zwangsversteigerungen.

        Die Gemeinde hätte es in 10 Jahren ja sonst doch gekauft. Vom privaten Ersteigerer. Für 5 Mio 🙂

        • Einer der Kritikpunkte ist ja das fehlende Projekt. Wie will man also Opportunitätskosten abschätzen, ohne zu wissen, was man auf dem Grundstück überhaupt machen will bzw. darf? Wer sich mit dem Immobilienmarkt auf Fuerteventura auskennt weiß, das Zwangsversteigerungen auch bei gut vergleichbaren Standard-Immobilien oft vakant bleiben und bei „komplizierten“ Fällen noch häufiger. Auch ein privater Investor hätte bei seinem Gebot die Unsicherheit mit berücksichtigen müssen, mit dem Grundstück möglicherweise gar nichts wirtschaftlich Sinnvolles anfangen zu können. Es liegt immerhin in einem geschützten Bereich. Am Versuch der Bewirtschaftung ist ja auch schon der Verkäufer gescheitert.

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