Touristenrekord – Kündigungsrekord

Spanien wird bis zum Ende 2012 rund 58,1 Mio. Touristen empfangen haben, eine Zahl, die nur im Vor-Krisenjahr 2007 jemals in der spanischen Geschichte übertroffen wurde. Doch die Tourismusunternehmer werden zum Jahreswechsel kaum die Champagnerflaschen köpfen, um auf den Rekord anzustoßen. Denn trotz der Rekorde bei den Touristenzahlen ist die gebeutelte Branche von Massenentlassungen gezeichnet. Rekordurlauberzahlen stehen Rekordkündigungszahlen gegenüber.

Rund 20.000 Beschäftigte haben im November 2012 ihren Job verloren, bei Fluggesellschaften, Reiseagenturen, Hotelketten, Reiseveranstaltern und in öffentlichen Betrieben wie dem spanischen Flughafenbetreiber AENA oder der nationalen Parador-Hotelkette.

Allein die spanische Fluggesellschaft Iberia hat im November ein Massenentlassungverfahren mit rund 4.500 Betroffenen eingeleitet. AENA bereitet die Entlassung von rund 1.600 Personen vor und Parador will rund 650 Beschäftigten kündigen und weiteren 1.000 die Gehälter kürzen.

Diese Entlassungswelle zieht sich wie ein roter Faden durch viele Tourismusunternehmen in Spanien.

Sicher sind die Entlassungen eine Folge der Verbilligung von Kündigungen, die die Regierung von Mariano Rajoy mit ihren Maßnahmen zur Flexibilisierung des Arbeitsrechts eingeführt hat. Doch dass die Kündigungen trotz der guten Urlauberzahlen jetzt stattfinden, könnte ein Indiz dafür sein, dass die Arbeitsmarktflexibilisierung viel zu spät gekommen ist.

Möglicherweise wären die Folgen der Krise für die Unternehmen weniger schlimm gewesen, wenn sie die erforderlichen Anpassungen, auch durch die Entlassung von Mitarbeitern, hätten durchführen können, als die Urlauber zu Beginn der Krise ausgeblieben sind.

Außerdem bedeuten viele Urlauber nicht zwangsläufig gute Geschäfte, genauso wenig wie hohe Umsätze mit hohen Gewinnen gleichzusetzen wären.

Da Spanien innerhalb der Eurozone keine Möglichkeit hat, seine Wettbewerbsfähigkeit durch eine Währungsabwertung zu verbessern, bleibt als Steuerungsmöglichkeit nur eine Senkung der Lohnkosten. Diese Notwendigkeit wird sicher noch zu weiteren Lohnsenkungen und Entlassungen führen, bevor Spanien eines Tages das Hauptproblem Arbeitslosigkeit lösen und aus der Krise herauskommen kann.

1 Kommentar

  1. Bei 58,1 Millionen Touris in 2012 kann es ja wohl kaum
    an den unterbezahlten Mitarbeitern liegen…
    Entlassen, entlassen, entlassen … das ist alles, was
    den EUROPAS dazu einfällt ?
    Was haben diese Mitarbeiter eigendlich angestellt,
    oder bisher geleistet, um 58 Millionen Menschen zu Spanienurlauben zu bewegen? Die haben doch wohl auch dafür gesorgt,
    daß wir Touris uns wohl fühlen und gerne wieder kommen…
    Lohnkürzungen und Entlassung der „kleinen“ wird
    Spanien und Europa jedenfalls nicht zu mehr langfrist-
    Gewinnen verhelfen. Trotzdem steht gerade Spanien
    und insbesondere die Kanaren nicht gerade am
    unteren Rand der Reisekosten …
    Da sollten vielleicht so einige „Spitzenverdiener“
    ihre Dinero-Ansprüche etwas senken, ODER ???

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