Ein sehr persönlicher Ausflugsbericht zur Villa Winter in Cofete

Villa-winter-innenhof

Irgendwo hier muss er doch sein, der versteckte Zugang zu dem geheimen U-Boot-Stützpunkt der Nazis.

Sicher führt ein steiler Gang hinab, tief in den Berg, vielleicht an einem dicken, zerschlissenen Tau, das als Halt dient. Schließlich wird man dann wohl in der kühlen Dunkelheit ein Rauschen und Gurgeln hören, von den Wellen, die gegen die vom Vulkan ausgespülte, riesige Höhle schlagen, in die sicher ein oder zwei U-Boote samt Anleger, Stegen und Laderampen passen. Bestimmt waren die stählernen, schaukelnden Giganten in dem von Lampen erhellten, zerklüfteten Hohlraum ein Anblick, der den Atem stocken ließ.

So erschreckend schaurig wie die weiße „Villa Winter“, die sich mitten in der kargen, öden Landschaft in Cofete wie aus dem Nichts vor uns erhebt.

Villa Winter – was so anheimelnd klingt wie eine Luxusherberge für Langzeiturlauber ist eine verstörende Facette und ein ungelöstes Rätsel der traumhaft schönen Urlaubsinsel Fuerteventura, die schon unzählige Historiker, Wissenschaftler, Abenteurer in ihren Bann zog – und natürlich Touristen wie mich, der zum ersten Mal seinen Fuß auf dieses Eiland und auf dieses sagenumwobene Anwesen setzte.

Winter – dieser Name kann kalte Schauer über den Rücken jagen und öffnet ein dunkles Kapitel der Geschichte Deutschlands und Spaniens.

Als Ingenieur für die Nazis und Vertrauter von Hauptkriegsverbrecher Hermann Göring (beging 1946 in Nürnberg kurz vorm Tod durch den Strang Selbstmord) hatte Gustav Winter die Halbinsel Jandia ausgiebig erkunden lassen, dann gepachtet und großräumig abgesperrt. Der vielseitige Spezialist, etwa für den Aufbau von Elektrizitätswerken, Fabriken und Werften der Kriegsmarine, soll im Interesse Adolf Hitlers gehandelt haben, auf den kanarischen Inseln einen Außenposten für U-Boote aufzubauen.

Hitler war damals mit seinem spanischen Pendant Diktator Francisco Franco verbündet.

Das mutmaßliche Ziel der Nazi-Schergen: Im geplanten Weltkrieg von Fuerteventura aus mit einer geheimen U-Boot-Flotte den Nordatlantik zu beherrschen. So geschichtlich belastet betritt man nun diese heruntergekommene, baufällige Villa Winter – wenn denn ihr derzeitiger Bewohner Zeit für eine Führung hat. Im Innenhof, in dessen Mitte eine Bergwerkslore von Krupp steht, bellen Wachhunde ohne Ende, und ein aufgehängter Boxsack deutet an, dass auch mit dem Guide nicht zu spaßen ist.

Doch am meisten schüchtert die beklemmende Atmosphäre ein. Denn hier hat sich vor mehr als 80 Jahren nicht ein reicher Nazi irgendeinen einen protzigen Palast errichtet, der jetzt ruinös verfällt. Das mondäne Anwesen ist wie eine massive, uneinnehmbare Burg in den Berg gebaut, zu der nur eine steinige, kurvenreiche Straße führt. Auch dank des runden, hervorstechenden Wachturms könnten Feinde in den flachen Gerölllandschaften auf weite Strecke gesichtet und vernichtet werden.

Oder diente der Turm als Peilpunkt für U-Boote, die dann in das unterirdische Höhlensystem eintauchen und unter der Villa wieder auftauchen konnten?

Der Fremdenführer Pedro Fumero, der für den Erhalt der Villa kämpft, zeigt auf seinem Handy angebliche geologische Untersuchungen der Wasserblasen. Und deutet beim Gang in das Gemäuer an, wo neben U-Boot-Modellen und Generatoren eine Puppe in Nazi-Kostüm und mit Hitler-Bärtchen wartet, dass die Villa nicht nur ein getarnter Angriffs-, sondern auch Fluchtpunkt gewesen sein könnte.

In Vitrinen sind zahlreiche Laborgegenstände ausgestellt, etwa Gläser, Kolben, Flaschen, Bestecke und Werkzeuge die zu einem Raum eine Etage tiefer gehören könnten, der weiß gekachelt an einen OP- oder Obduktionssaal erinnert. Der im Boden abgesenkte Abfluss soll eine schnelle Reinigung einer möglicherweise blutigen Angelegenheit dienen. Ein größerer Ofen, der auf keinen Fall als gewöhnlicher Backofen im Kellergeschoss diente, löst gespenstische Bilder aus.

Und wofür dieser ganze Spuk? Angeblich sollten oder wollten hier Nazigrößen auf der Flucht ihre Gesichter chirurgisch verändern lassen, um – ausgestattet mit neuem Pass – mit neuer Identität ins Ausland, etwa rüber nach Südamerika oder nur 100 Kilometer bis Afrika zu flüchten. Natürlich im bereitstehenden U-Boot, nur ein paar Etagen tiefer. Das alles soll noch Jahre nach dem Krieg so abgelaufen sein.

Die Gruseltour führt in unheimliche Gänge voller finsterer, fensterloser Räume und Verschläge mit rostigen Betten und zerfallenen Schränken. Vorbei an angeblich meterdicken Wänden mit angeblichen Schießscharten für Maschinengewehre und unerklärlichen Hohlräumen, die der Fremdenführer mit einem ohrenbetäubenden Schlag mittels eines Stahlstabs andeutet.

Liegt dort der Gang zu den Höhlen? Sind dort versteckte Räume für angeblich tonnenweise Gold, mit dem der gesamte Ausbau bezahlt wurde? Oder sind doch alles nur Hirngespinste? Eine Mischung aus James Bond-Bösewicht und Dr. Frankenstein, gepaart mit dem Grauen der Nazizeit? Und welche Rolle spielte Spanien bei den ganzen militärischen Operationen?

Gustav Winter, der 1971 auf Gran Canaria mit 78 Jahren starb, nahm alles Wissen mit ins Grab.

Klar ist: Der Fremdenführer und Hausherr lebt vom Mythos Villa Winter, an jedem Touristen, der zu ihm pilgert, verdient er ein paar Euro. Auch auf Youtube zeigen Doku-Clips über „Hitlers Safe House“ weiter rege Nachfrage, ebenso in diversen Internetforen.

Wer die „Casa Winter“ (gehört jetzt der Baugesellschaft Lopesan) verlässt und die Straße Richtung Meer fährt, landet an einem Strand, an dem vor lebensgefährlicher Brandung gewarnt wird. Trotzdem stürzen sich einige Schwimmer in die haushohen Wellen. Direkt daneben ist ein alter Friedhof, auf dem mitten im Sand Holzkreuze zwischen schwarzen Steinen und frisch abgelegten Blumen stecken.

Für zahlreiche Touristen, zu Fuß oder per Auto, ist Cofete ein beliebtes Ziel, um mal von Müßiggang auf Nervenkitzel zu schalten. Doch sicher ist jeder froh, diesen unheilvollen Ort wieder zu verlassen, um schnell wieder auf Fuerteventuras Sonnenseite zu sein.

Ich danke meinem alten Schulfreund PHILIPP J. MECKERT für diesen tollen Bericht.

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25 Kommentare

  1. Alles! Aber auch Alles! Sollte so bleiben: Die Piste, keinerlei Infrastruktur, die Villa samt ihren Mythen, der bezaubernde Strand OHNE Bar etc. , die faszinierende Landschaft.
    Genießt es einfach und zerstört es bitte nicht.

  2. Ich finde den Artikel ausgesprochen amüsant, die meisten hier scheinen eher die Corona-Verbiesterung zu benötigen..man kann schon seit längerem erkennen, dass hier in Kommentaren nur negatives thematisiert wird, sich hier einige in Selbstgefälligkeit und Besserwisserei am liebsten sehen, anstatt – „einfcah mal die Klappe halten!“ :o))

    Wer den Artikel so nimmt, wie er wohl gemeint ist, wird sich über Abwechslung freuen und sich etwas amüsieren.

    Lasst der Villa einfach den Mythos, den sie hat, es ist das einzige auf der Insel, was noch einen hat … egal, welche „Fakten“ und „Recherchen“ und „persönliche Kenntnisse“ der ein oder andere hat, die meisten waren ja wohl ohnehin nur einmal hier…. und Gott sei Dank ist die Zufahrtsstraße nach wie vor nicht dazu geeignet, JEDEN All-inkl-Bändchenträger auf eigne Faust aus seiner Hotelzeile zu locken…

    Die Insel braucht dieses kleine Rätsel und wohl weniger große Filmstudios im Norden.

    Was wäre die Zeitung hier ohne derartige Berichte??

    Eine Corona- und KlugscheißerdebattenOnlinePlattform?!

    @ Thomas, meinen Respekt für den Artikel, aber noch mehr dafür, dass du jeglichen Kommentar unkommentiert lässt … ;o)

  3. Jetzt hab ich‘s begriffen. Der „Villa Winter“ Artikel ist reine SATIRE. So gesehen ist er natürlich große Spitze. Dann auch dem Chefredakteur ne glatte eins!
    Toll und intelligent gemacht und ein Lese-Genuss!

  4. Wer den Artikel über die Villa Winter verurteilt, hat überlesen, dass dieser übertitelt war mit „Ein sehr PERSÖNLICHER Ausflugsbericht…“. Aber ganz so persönlich ist dieser freilich nicht, denn ich kann ihn nicht nur vollinhaltlich bestätigen, sondern sogar noch ergänzen: Bei meiner letzten – natürlich nicht billigen! – Besichtigung der Villa Winter 2019 wurde die Führung von einer netten Dame, ca. 40 Jahre, durchgeführt. Sie hatte zur bereits erwähnten Verwendung der Villa zusätzlich erklärt, dass die im Kellerbereich befindlichen düsteren fensterlosen Schlafräume für zwangsuntergebrachte nicht-arische Kinder dienten, die aus der ganzen Welt hierher verschleppt worden seien. Die ahnungslosen Kinder wurden dann in der für solche Zwecke extra errichteten „Küche“ im Keller getötet, seziert und im Ofen verbrannt. Sie redete dabei von tausenden Kindern! Tatsächlich passt diese Schilderung auch haarscharf auf die vorgefunden Räume und die eigene Fantasie wird wohl auch dazu beitragen nichts anzuzweifeln! Der Schlag mit der Metallstange auf den Boden, welcher auf Hohlräume noch unterhalb des Untergeschosses hinweisen sollte, fand natürlich auch statt. In den Gesichtern der anderen Besucher war über Verstörung, Schrecken und Belustigung alles erkennbar.
    Eine Pflege oder Erhalt dieses architektonisch sehr beeindruckenden Gebäudes findet schon länger nicht mehr statt. Jeder einzelne Cent, der dem jetzigen Eigentümer oder Verwalter in den Rachen geschmissen wird, ist eine Schande!

  5. Franco war Hitler noch paar Gefallen schuldig,, weil er ohne ihn nicht Diktator geworden wäre und dies passierte auch auf Fuerteventura . Er war nur so clever und hielt sich offiziell im 2. Weltkrieg neutral, was sein Regime nach dem 2. Weltkrieg bis zu seinem Tod 1975(!) gerettet hat. Hinterher hat man alles getan, dieses zu vertuschen, um sich nicht weiter international zu isolieren. Spanien sollte da mal etwas ehrlicher seine Vergangenheit so allmählich aufarbeiten.

    • Ich denke, die spanische Regierung hat kein Interesse daran, diese Geschichte aufzuarbeiten. Sollte sich auch nur ein einziger Beweis finden, der bestätigt, dass Franco nicht neutral war, sodern mit Hitler kollaboriert hat, dann würde das ein politisches Erdbeben auslösen.

  6. Als wir vor kurzem auf Fuerte waren, trafen wir die Autorin Janneke van Oorschot. Ihr Buch „Villa Winter“ ist gut recherchiert (allerdings auf Niederländisch).

  7. Ich danke für diese realistische Einschätzung, Tom. Dann sollte doch jetzt mal gemeinsam mit der FZ mit diesem Nazi-Blödsinn aufgeräumt werden, oder? Auch die FZ hat Verantwortung. Gerne übermorgen da gemeinsam treffen und für Klarheit sorgen. Macht die FZ mit? Fragt der Oliver. Und ist gespannt auf die Antwort der FZ.

  8. Habe große Hochachtung vor der guten Arbeit der Fuerte-zeitung, toll und informativ. Und jetzt ein solch absurder „Absturz“ mit dem „Villa Winter“ Bericht. Das hat mit seriösem Journalismus nichts mehr zu tun.Grauenhafter, billiger Klamauk, dazu völlig falsch. Schade.
    Ich kenne die Villa Winter (und die Familie) persönlich seit 1984 persönlich gut, war auch öfter in der „Villa“. Von der Beschreibung (samt des Baus) stimmt so gut wie nichts. Und das weiß auch der Chefredakteur gut und scheut sich nicht, so ein Geschreibsel zu veröffentlichen Schade.
    Ich kann nur sagen: „sechs – setzen“

  9. Wenn man sich mit der Biographie von Gustav Winter beschäftigt, merkt man ganz schnell, daß zwar sein Leben interessant und spannend war. Aber die ganzen Geschichten, die dort ueber Nazis, Rattenlinie, usw. erzählt werden, sind zu 99% Erfindungen. Zum Teil wohl von Gustav Winter selbst.
    Trotzdem ein verwunschener Ort. Fast wie am Ende der Welt. Und einen der tollsten Strände der Erde. Zumindest für mich

  10. Tom, zur Sache, petro lebt sein Leben lang in diesem Haus, als ich ihn das letzte Mal besucht habe hat sein Onkel noch gelebt, die Hunde sind harmlos für mich, die beißen nur böse Menschen. Ich hab die bremsen gesehen die manipuliert wurden zwei Tage vorher, Tom verrecken einfach, es wird keiner merken.

  11. Ich denke nicht das da U-Boote sind oder waren. Denkt ihr nicht das die Regierung nachdem sie die Geschichten gehört hat nicht die komplette Küste dort nach einem Eingang abgetaucht hat und die Villa auf den Kopf gestellt hat?! Und der jetztige Eigentümer ist eine Baugesellschaft als ob die nicht auch das ganze Gemäuer untersucht haben. Eine Möglichkeit wäre natürlich das die Regierung die kompletten Hohlräume mit Beton zugeschüttet hat das man nie was finden kann. Mich interessieren 2 Dinge: 1. Ist die Villa unter Denkmalschutz? Dann könnte man einfach das Gemäuer einreisen. 2. Was machte Winter auf Gran Canaria? Gibt es dort auch was aufregendes von ihm? PS: Was ist die Villa Wert? Wollen wir sie gemeinsam kaufen und untersuchen? 😀

  12. Ja, aber was war denn nun dort? Ich habe die Villa 2 x besucht. Verfallen, heruntergekommen ist sie … Jemand hat ein paar Nazi-Devotionalien, Batteriekisten und nun auch eine Führerfigur hineingestellt – und fertig ist eine Villa zum gruseln? In der heutigen Zeit sollte man auch in Spanien darauf aufpassen, keine Pilgerorte für ewig Gestrige zu schaffen. Vielmehr wäre die Geschichte wissenschaftlich aufzuarbeiten. Das müsste auch von diesem Medium gefordert und von der hiesigen Lokalregierung gefördert werden. Und es sollte definitiv kein pseudowisenschaftlicher, zum Mythos verklärter Naziklamauk auf dieser schönen Insel mittels Aufsätzen in Pennälerformat verbreitet werden.

    • Die Batteriekisten sind aus Caleta von den damaligen Bauaktivitäten der DDR zu Beginn der 80er Jahre, siehe auch Aufschrift „VEB Grubenlampen und Akkumulatorenwerke DDR 9540 Zwickau“.

  13. Sehr interessanter Bericht vielen herzlichen Dank. Leider ist der Strand und der Friedhof nicht mehr so einsam und verlassen wie noch vor 20 Jahren. Die Zufahrtsstrasse wird regelmäßig gewässert und grobe Schäden beseitigt, das Abenteuer vergangener Jahre existiert nicht. Badende werden sporadisch vom Hubschrauber aus gewarnt.

  14. Die Einzige Berichte Dass Nicht berichtet Ist Wer Wahr Die Menschen Wo Die Strecke Bzw Diese Villa Gebaut Haben komisch Dass wäre Interessant Fur Die Leser Dankeschön

  15. Der jetzige Bewohner lebt von einem Mytos, der ihm seinen Lebensunterhalt sichert.
    Seit Jahrzehnten habe dort Ziegenhirten ein armseliges Leben geführt, bis sie förmlich vertrieben wurden. Wir haben die Villa besichtigen dürfen, als dort noch keine als Nazi verkleidete Schaufensterpuppen, U-Boot Modelle und andere herbeigetragenen Dinge aus dem 3. Reich standen. Die damaligen Bewohner waren nett, ihre Hunde strichen uns um die Beine, und man wusste nicht, ob wir dort ohne Bissswunden wieder rauskommen. Das war aber auch schon das Unheimlichste, was wir in Erinnerung haben. Wir durften den Keller und den Baufälligen Turm begehen, alles ohne Schauer im Nacken.
    Wie gesagt: Der neue Bewohner hat dort eine Geschäftsidee gewittert, und vermarktet sie, mehr nicht!

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