Spanischer Arbeitsmarkt mit neuem traurigem Rekord

Die Arbeitslosigkeit hat in Spanien im zweiten Quartal 2012 erneut einen historischen Höchststand erreicht. Die Arbeitslosenquote lag Ende Juni 2012 bei 24,63% der aktiven Bevölkerung. 5.693.100 Personen waren landesweit ohne Job. Ende 2007, kurz vor dem Platzen der Immobilienblase und dem Zusammenbruch der spanischen Bauwirtschaft, lag die Arbeitslosigkeit bei 7,95% bzw. bei ca. 1.765.000 Personen. Währen der letzten Wirtschaftskrise 1994 lag die Arbeitslosigkeit mit 24,55% geringfügig unter dem heutigen Wert. Der Massive Stellenabbau im zweiten Quartal 2012 zeigt, dass die Rezession mit Gewalt zurückgekommen ist. Normalerweise steigt saisonbedingt ab Ostern zum Sommer hin die Beschäftigung deutlich an. Dieser Effekt war in diesem Jahr offenbar zu gering, um die Verluste an anderer Stelle auszugleichen: im zweiten Quartal 2012 sind netto 15.900 Jobs verloren gegangen, gleichzeitig ist die aktive Bevölkerung seit Jahresbeginn um 37.600 Personen angestiegen.

Eine große Rolle bei der Jobvernichtung spielen offenbar die Sparmaßnahmen im öffentlichen Dienst. 63.000 Stellen sind im öffentlichen Sektor abgebaut worden. Da der Nettoverlust an Arbeitsplätzen bei 15.900 Stellen liegt, müssen in anderen Branchen zusätzliche Stellen geschaffen worden sein.

Besorgnis erregend sind die Stellenverluste in der spanischen Industrie. Zwar ist die Industrie nicht der Sektor mit der größten Zahl an Beschäftigten, dennoch stellt sie eine wichtige Säule des spanischen Arbeitsmarktes dar, weil sie in der Regel gut bezahlte und vor allem sehr langfristige Arbeitsplätze bietet.

Ein großes Problem des spanischen Arbeitsmarktes ist der Anstieg der „aktiven Bevölkerung“, also der Personen, die im arbeitsfähigen Alter sind und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Wenn z.B. der Hauptverdiener in einer Familie seinen Job verliert, werden oft andere Familienmitglieder auch „aktiv“, indem z.B. die Hausfrau oder der arbeitsfähige Nachwuchs sich auf die Suche nach Arbeit machen, um den Einkommensverlust auszugleichen. Als gegenläufiger Effekt passiert es aber auch häufig, dass Langzeitarbeitslose resignieren und ihre Suche aufgeben und somit „inaktiv“ werden.

Die Arbeitslosenzahlen stammen aus der monatlich aktualisierten „Befragung der aktiven Bevölkerung“. Wie jede Statistik ist auch diese mit Vorsicht und Verstand zu lesen und zu interpretieren. Die Daten stammen z.B. von der Sozialversicherung und den Arbeitsämtern. Erfasst werden also nur Personen, die dort registriert sind. Arbeitslose, die keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, und sich deshalb gar nicht registrieren lassen, sind genauso wenig erfasst, wie Personen, die einer illegalen Beschäftigung nachgehen.

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