Visitfuerteventura.es: Die schlechteste Tourismus-Webseite der Welt

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Auf Fuerteventura hat sich in den letzten Wochen, Monaten und Jahren einiges verändert. Wer die Fuerteventura-Zeitung regelmäßig liest, bekommt vieles davon mit.

Aber wussten Sie, dass man noch immer mit Airberlin oder Monarch Air nach Fuerteventura reisen kann, obwohl beide Fluggesellschaften bereits seit 2017 pleite sind und ihren Flugbetrieb eingestellt haben?

War ihnen klar, dass man im Stella Canaris noch immer Zimmer reservieren und Konferenzen abhalten kann, obwohl mittlerweile jeder weiß, dass der Hotelkomplex schon seit Jahren geschlossen ist? Oder dass man im Hotel Jandia Golf Urlaub machen kann, obwohl es bereits im April 2019 Insolvenz beantragt hatte?

Fast schon kleinkariert ist unsere Frage nach den Hotels Ambar Beach und Best Age Fuerteventura, die mittlerweile „Alua“ bzw. „Matas Blancas“ heißen.

All diese „Informationen“ finden die Besucher der offiziellen Webseite visitfuerteventura.es unseres „Patronato de Turismo“, des Fremdenverkehrsamtes von Fuerteventura.

Bei all den Veränderungen, die Fuerteventura in den letzten Jahren erlebt hat, ist unsere offizielle Tourismuswebseite eine konstante Größe, seit sie in 2012 online ging.

Wie ein Fels in der Brandung trotzt sie der technologischen Entwicklung des Internets, den sich verändernden gesetzlichen Vorschriften und jeglichen Trends im Online- und Tourismusmarketing.

Was genau ist eigentlich das Patronato de Turismo de Fuerteventura?

Das Patronato de Turismo de Fuerteventura ist laut seiner Satzung eine „Eigenständige lokale Behörde mit eigener Rechtspersönlichkeit“.

Laut dieser Satzung ist es der Zweck des Patronato, „den Tourismus der Insel Fuerteventura zu entwickeln und zu koordinieren“.

Dazu gehört es unter anderem, „Veranstaltungen zu organisieren, um Tourismus anzulocken“ und „auf der Insel und abseits der Insel Aktivitäten zu entwickeln, die dazu beitragen, das Image der Insel zu verbessern.“

Zu guter Letzt ist es Aufgabe des Patronato, „Publikationen mit touristischen Information herauszugeben“.

Was ist der Zweck einer Tourismus-Webseite?

Weltweit geben touristische Destinationen, außer Fuerteventura, viel Geld für die Entwicklung und vor allem die regelmäßige Wartung und Aktualisierung ihrer Tourismusportale aus.

Das Portal Skift.com hat 2017 eine Liste mit den besten offiziellen Tourimusseiten erstellt. Dort wird z.B. der Geschäftsführer des Fremdenverkehrsamts von Neuseeland zitiert:

„Unsere Webseite gibt uns eine Idee davon, was Reisende interessiert. Dabei geht es nicht so sehr um die Interessen eines Einzelnen, sondern um die Trends bei einer großen Zahl von Besuchern unserer Webseite. Wir bauen die Webseite weiter aus und entfernen konsequent Inhalte, die unsere Besucher nicht interessieren“.

Skift.com erklärt, dass die Auswahl der besten Tourimus-Webseiten von Jahr zu Jahr schwerer fällt:

„Viele Seiten wurden in den letzten Jahren neu gestaltet, um die Destinationen aufregender und einladender zu präsentieren“. Viele Änderungen an den Webseiten betreffen vor allem die Verbesserung der Nutzererfahrung. Die meisten Top-Tourismusseiten präsentieren sehr prominent Veranstaltungen. Das ist eigentlich nichts Neues, schließlich ist das eine der Hauptaufgaben der Fremdenverkehrsbüros.

Was sollte eine Tourismus-Webseite leisten?

Eine Tourismus-Webseite kann und soll keine Reisen verkaufen. In der Regel wird sie von Informationssuchenden in zwei unterschiedlichen Phasen benutzt:

  1. Zur Informationsgewinnung vor der Buchung
  2. Zur Informationsgewinnung kurz vor oder während der Reise

In der ersten Phase sollte eine Tourismuswebseite „Appetit auf das Reiseziel wecken“. Dazu muss sie nicht nur harte Fakten liefern, sondern zunächst einmal Emotionen erzeugen. Sie dient quasi der Vorbereitung einer späteren Buchung.

In der zweiten Phase, vor oder während der Reise, kann die Webseite dazu beitragen, dem Reisenden zu unvergesslichen Urlaubserlebnissen zu verhelfen. In diesem Moment suchen Urlauber Antworten auf die Frage: „Was kann ich im Urlaubsziel erleben“.

Als offizielle Webseiten haben die Internetauftritte von Fremdenverkehrsämtern einen großen Vorteil gegenüber privaten Webseiten. Sie werden gerne und häufig auch von von anderen offiziellen Webseiten verlinkt. Dadurch können sie nicht selten sehr gute Positionen in Suchmaschinen wie Google und damit eine sehr große Zahl von potentiellen Interessenten für ihr Reiseziel erreichen.

Defizite der Webseite visitfuerteventura.es

Es scheint so, als sehe das Patronato de Fuerteventura in seiner Webseite kein Werkzeug mit dem es seine satzungsmäßigen Ziele erreichen kann. Anders ist nicht zu erklären, dass es seine Webseite offenbar über Jahre vernachlässigt hat.

Emotionen? Fehlanzeige!

Mit ihrem veralteten Design, dem Fehlen von Fotos und den teils holprigen und schlecht übersetzten Texten dürfte die Webseite visitfuerteventura.es beim Besucher wohl kaum Emotionen wecken.

Leider hat das Patronato uns auf Anfrage keine Angaben zum Besucherverhalten auf ihrer Webseite gemacht. Angeblich werden solche Daten nicht erhoben. Doch es ist anzunehmen, dass die Besuchszeiten auf der Webseite nicht sonderlich lang sein dürften.

Technisch auf dem letzten Stand? Eher Mittelalter!

Die Webseite des Fremdenverkehrsamts von Fuerteventura ist 2012 online gegangen. Seitdem hat sie offenbar keine technischen Aktualisierungen erfahren.

Ein Alter von 7 Jahren bedeutet für eine Webseite, dass sie aus dem Mittelalter des Internets stammt.

Damals gab es Instagram noch nicht für Android. Apples IOS hatte noch einen größeren Marktanteil als Android. Die Einbindung von Youtube-Videos in „normale“ Webseiten war erst seit kurzem technisch überhaupt möglich.

Offenbar hatte man damals schon versucht, die Webseite für Apples IPhone zu „optimieren“. Dafür hat man die Darstellung auf anderen Endgeräten sträflich vernachlässigt. Auf einem PC sieht die Webseite einfach nur scheußlich aus. Mit sogenanntem „responsive Design“ ist es heute selbstverständlich, dass Webseiten auf allen Endgeräten gut aussehen.

Zum absolut notwendigen Standard gehört heute auch eine verschlüsselte Übertragung von Webseiten. Im Browser erkennt man das an dem kleinen Vorhängeschloss in der Adresszeile. Fehlt die Verschlüsselung, warnen viele Browser davor, dass die „Seite nicht sicher“ ist oder zeigen sie gar nicht erst an. Viele potentielle Besucher springen dann schon ab, bevor sie die Startseite überhaupt erst gesehen haben. Suchmaschinen, allen voran Google, strafen unverschlüsselte Webseiten in den Suchergebnissen gnadenlos ab.

All das, was Nutzer heute also von einer Webseite erwarten, kann visitfuerteventura.es technisch nicht erfüllen.

Auf den Inhalt kommt es an!

Inhaltlich ist die Webseite visitfuerteventura.es das Gegenteil von aktuell. Die letzte deutschsprachige „Nachricht“ stammt aus 2017, der letzte spanische Blogbeitrag aus 2016.

Tipps zu Unterkünften, Restaurants und Aktivitäten sind lieblos zusammengestellte Linksammlungen, größtenteils veraltet und ohne informativen Mehrwert. Stattdessen nutzen private Unternehmen diese Stelle offenbar zu einer kostenlosen Suchmaschinenoptimierung für ihre eigenen Webseiten.

Dort wo man zur Lagebeschreibung von Stränden und anderen Zielen Karteninformationen verwenden wollte, erscheint eine Fehlermeldung, da man offenbar die Voraussetzungen für das Einbinden von Google Maps nicht beachtet hat.

Der Nutzen für einen Besucher, egal ob zur Reiseplanung oder während seiner Reise, ist also sehr beschränkt bis gar nicht vorhanden.

Webmasters Supergau

Besucher von der eigenen Seite wegzuleiten, ist der wohl der größte Fehler, den man als Webmaster machen kann. Schließlich, so sollte man annehmen, hat man zuvor allergrößte Anstrengungen unternommen oder gar Geld für Werbung ausgegeben, um Besucher auf die Seite zu locken.

Diesen Fehler findet man allein auf der Startseite des Patronato de Fuerteventura gleich zweimal. Dort findet man zum einen ein Flugsuche-Formular des Online-Reiseverkäufers „rumbo.es“. Füllt man dieses aus, gelangt man auf dessen Webseite nicht etwa zu Flügen nach Fuerteventura, sondern bekommt völlig andere Reiseziele angeboten.

Besonders delikat: beim Link zu „rumbo.es“ handelt es sich um einen sogenannten „Affiliate Link“.

Diese Art von Links kennt man von vielen kommerziellen Webseiten. Auch die Webseite www.Fuerteventurazeitung.de setzt solche Affiliate-Links ein. Der Webseitenbetreiber erhält eine Provision, wenn ein Nutzer auf diesen Link klickt und dann eine Reise bucht.

Wir können bei dem Affiliate-Link auf der Webseite des Patronato nicht erkennen, dass eine sogenannte Affiliate-ID übertragen wird, mit der eine Verkaufsprovision einer bestimmten Quelle zugeordnet werden könnte. Es lässt sich anhand des öffentlich sichtbaren Quellcodes der Webseite also nicht feststellen, dass irgendjemand für die Klicks, die von der offiziellen Webseite des Fremdenverkehrsamtes stammen, eine Provision erhält.

Doch selbst wenn keine Provisionen fließen, ist der Einbau eines solchen Affiliate-Links äußerst fragwürdig. Schließlich wird dadurch ein Privatunternehmen begünstigt, indem es eine Leistung (in diesem Fall Webseitenbesucher) kostenlos zugeschanzt bekommt, für die es normalerweise viel Geld bezahlen müsste. Dieser geldwerte Vorteil kann pro Monat locker einige hundert bis tausende Euro ausmachen.

Ein weiterer Werbebanner für „minube.es“ führt ebenfalls auf eine kommerzielle Webseite, die davon lebt, Reisen und Ausflüge (nicht nur auf Fuerteventura) zu verkaufen.

Den Fehler, Webseitenbesucher auf andere Websites weiterzuleiten, kann man auch auf vielen weiteren Unterseiten von Visitfuerteventura.es beobachten. Doch auf der Startseite wird ein ein so grober Fehler zum Marketing-Supergau.

Wir konnten keine schlechtere Tourismus-Webseite finden

Trotz intensiver Suche ist es uns nicht gelungen, weltweit eine schlechtere offizielle Tourismuswebseite als die von Fuerteventura im Internet zu finden. Selbst Cuba, das bis vor wenigen Wochen eine grottenschlechte Webseite betrieben hatte, hat inzwischen seinen Webauftritt modernisiert.

Zukunftsstrategie Tourismuswebseite für Fuerteventura

2020 und die folgenden Jahre dürften für die Tourismusverantwortlichen auf Fuerteventura nicht einfach werden.

Schon seit 2018 gehen die Zahlen internationaler Besucher deutlich zurück. Der wichtigste Markt „Deutschland“ ist regelrecht eingebrochen. Die Flugkapazitäten sind nach der Pleite von AirBerlin und Germania drastisch gesunken.

Reiseziele, von deren Niedergang Fuerteventura in den Jahren des afrikanischen Frühlings profitieren konnte, erwachen und sind plötzlich wieder ernstzunehmende Konkurrenten.

Die Kernaufgaben, die ein Patronato de Turismo zu erfüllen hat, nämlich Touristen anzulocken, werden also für Fuerteventura wichtiger denn je.

Welche Publikation könnte heutzutage besser für Fuerteventura werben, als eine zeitgemäße, gut gepflegte Tourismuswebseite?

Die Erstellung einer erstklassigen, technisch und gestalterisch einwandfreien Tourismuswebseite mit guten Inhalten in den wichtigsten Sprachen dürfte kaum mehr als 50.000 Euro kosten. Bei einem Jahresbudget von über 2 Mio. Euro sollte das also nicht am Geld scheitern.

Die größere Herausforderung ist es, die Webseite sowohl technisch als auch inhaltlich aktuell zu halten. Die Herausgabe von Publikationen ist gemäß Satzung eine Kernaufgabe des Patronato. Daher sollte es einen oder zwei Redakteure zumindest in Teilzeit beschäftigen können, um täglich aktuelle Inhalte zu generieren und diese anschließend von professionellen Übersetzern in die gewünschten Zielsprachen übertragen zu lassen.

Die technische Wartung einer Webseite kann man problemlos an einen Dienstleister auslagern.

Wenn sich dann noch jemand professionell um das Marketing und die Suchmaschinenoptimierung kümmern würde, hätte Fuerteventuras offizielle Webseite eine reelle Chance, zur Bewältigung der sich abzeichnenden Krise beizutragen.

Ein Jahresbudget von vielleicht 30.000€ für die kontinuierliche Aktualisierung, Werbung, Wartung und Optmierung der Webseite sollte bei einem Gesamtbudget von 2 Mio. Euro ebenfalls kein Problem sein.

Wenn aber, so wie zurzeit, die nach außen für jedermann sichtbaren Ergebnisse der Arbeit unseres Fremdenverkehrsamtes so vernachlässigt werden, stellt sich unweigerlich die Frage, wie es „unter der Haube“ aussieht und wie effizient das Jahresbudget von 2 Millionen Euro verwendet wird.

5 Kommentare

  1. Ihr habt doch sicher jeden Tag die Werbung des zentralen Tourismusbüros auf hola.fm im Ohr. Die klingt wie irgendeine Verlautbarung irgendeines Politbüros in einem kompletten Hinterwäldlerland. Schön für hola.fm, die Werbeeinnahmen können sie sicher brauchen, aber das ist sowas von trostlos und eigentlich eher abschreckend…

  2. Verantwortlicher für dieses Problem: ,,der unfähige Blas Acosta!!!“ Mir tun die Beschäftigten in der Tourismusbranche leid!
    LG Don Bernado

  3. Der Sache kann ich auch nur zustimmen, falls hier der Zug schon abgefahren ist, ist es sehr schwer ihn wieder einzuholen und aufzuspringen. Hier ist die Frage wie und wann das Cabildo endlich reagiert und etwas versucht und verändert um die Touristen wieder insbesondere die Deutschen auf die Insel zu bekommen (seit der neuen Regierung ist alles noch schlimmer geworden diese Damen und Herren kassieren nur ab. Hier werden Reisen nach UK und Festland Spanien vom Patronato de Turismo de Fuerteventura unternommen um neue Urlaubern die Insel schmackhaft zu machen mit so einer Webseite? Deutschland wird hier irgendwie vergessen, hat sich jemand schon mal überlegt wie hart das die Unternehmen trift die hauptsächlich deutsche Kunden haben wenn 30% wegbleiben. Wenn ich mir alleine die armselige Veranstaltung auf der ITB 2019 in Berlin anschaue die ist genau so schlecht wie die Webseite gewesen da werden irgendwelche ungelernte unmotivierte Typen von der Insel an den Stand gestellt und verteilen ein paar Flyer. Für 2 Millionen Jahresbudget kann wirklich mehr erwartet werden.

  4. Fuerteventura braucht doch anscheinend auch keine aktuelle und gut gepflegte Webseite. Man liest es doch hier immer wieder, wir kommen schon 30 / 40 Jahre nach Fuerteventura. Läuft doch, wieso sich die Mühe machen Marketing zu betreiben und eventuell auch mal ein anderes Publikum anzusprechen. Vielleicht wissen die Verantworrlichen aber auch gar nicht was sie vermarkten sollen? Dann würde ich es doch mal mit den schönen Stränden und der Sonne versuchen. Von der haben wir hier nämlich im Winter nicht so viel.

  5. Genau das ist das Problem. Was soll man dazu noch sagen? Wir sollen mit diesen Verantwortlichen Premiumprodukte in Fuerteventura leiten und führen; eine fast unmenschliche Aufgabe.
    Da werden zum Beispiel eigenständig Miss-Events (superstarke Werbung für die Insel) organisiert und auf der anderen Seite bewegen diese ganzen Verantwortlichen … Bürgermeister, Tourismusverantwortliche, Inselpräsident usw. nicht einen Schritt ihren dicken Hintern, … aber fett abkassieren.

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