Pimientos de Padrón – warum unreife Früchte so lecker sind

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Aus der spanischen Vorspeisenküche sind sie nicht wegzudenken. In fast jedem Restaurant auf Fuerteventura werden sie serviert. Die Rede ist von Pimientos de Padrón.

Unreife Früchte

Eigentlich lernt man schon früh, dass man unreife Früchte besser nicht isst. Unreifes Obst gibt Bauchweh, so die übliche, fast immer aber auch zutreffende Meinung.

Pimientos de Padron sind aber genau das: nämlich die unreifen Früchte der der Paprika-Variante Caspicum annuum. Und trotzdem kann man sie ohne Bauchschmerzen zu riskieren genießen.

Diese Paprika-Art wird grün, also in diesem Falle unreif vom Strauch geerntet und ist zwischen 5 und nicht mehr als 10 Zentimeter lang. Die Früchte sind eher länglich. Die Farbe variiert zwischen gelbgrün und olivgrün. Die Früchte weisen in der Länge leicht knollige Furchen auf.

Lässt man die Schoten an der Pflanze, werden diese rot (reif).

Zubereitung

Die Pimientos werden entweder auf einer heißen Platte (plancha) gebraten oder in einer Pfanne oder in einer Fritteuse in reichlich Olivenöl frittiert.

Nach dem Frittieren / Braten sind die Pimientos weich und teilweise leicht gebräunt. Nach dem Abtropfen werden sie mit etwas grobem Meersalz bestreut und sofort heiß serviert.

Der Stiel bleibt beim Frittieren in der Regel an der Schote. Er wird zwar nicht mitgegessen, hilft aber beim Essen. Man nimmt die Pimientos mit den Fingern am Stiel und beißt unterhalb des Ansatzes ab. Die Finger zu benutzen ist in diesem Fall also keineswegs schlechter Stil.

Scharf oder nicht – das ist hier die Frage

Traditionell war der Genuss der Pimientos de Padrón ein Spiel mit dem Feuer. Einige der kleinen Schoten werden nämlich höllisch scharf.

Heutzutage sind die meisten Pimientos de Padrón jedoch nicht mehr so scharf.

Wer aber einmal an eine richtig scharfe Schote abbekommen hat, der ist vorsichtig. Man nimmt an, dass bei jeder Ernte zwischen 10 und 25% der Schoten „scharf“ (spanisch: picante) sind.

Bei der Frage, ob man von außen erkennen kann, ob eine Schote scharf ist oder nicht, scheiden sich die Geister. Klar ist, dass die Reife einen Einfluss hat. Wenn die Schoten einen leichten Rotstich aufweisen – also bereits reifen, hatten sie mehr Zeit, Capsaicin zu bilden, das für die Schärfe verantwortlich ist.

Ebenso können größere Schoten schärfer sein als kleinere. Schließlich sind die größeren länger gewachsen und hatten ebenfalls mehr Zeit, den Scharfmacher zur bilden. Aber auch dieser Anhaltspunkt ist eben nur genau das: Ein Anhaltspunkt.

Ob nun ein spezieller Glanz der Schote vor dem Frittieren oder eine leichte Deformation an der Spitze der Schote wirklich erkennen lässt, ob eine Schote scharf ist oder nicht, bleibt letztlich offen. Klar ist jedoch, dass der Standort der Pflanze bezüglich Sonne und Schatten sowie und auch die Bewässerung während der Wachstumsphase der Schoten einen Einfluss auf die Schärfe haben.

Der beste Tipp, um nicht zu viel Schärfe abzubekommen ist es, die Schote vorsichtig „anzuknabbern“ und erst wenn man sicher ist, dass sie nicht scharf ist, ganz in den Mund zu nehmen.

Was tun, wenn man eine richtig scharfe Schote erwischt hat?

Wenn nach dem genüsslichen Hineinbeißen in die grüne Schote plötzlich der Mund brennt, ist guter Rat gefragt. Am Besten zu dem Greifen, was meist mit auf dem Tisch steht: Brot. Gut kauen, das nimmt die Schärfe. Am besten mit Alioli, schließlich ist der Scharfmacher Capsaicin fettlöslich. Auch ein Schluck Milch kann helfen.

Woher kommt der Name „Pimientos de Padrón“?

Padrón ist eine Gemeinde der Provinz La Coruña in Galizien. Rund um den Konvent San Francisco de Hebrón, der zum Gemeindegebiet von Padrón gehört, wurde diese Paprikavariante ursprünglich in Spanien angebaut.

Mitgebracht hatten die Missionare des Franziskaner Konvents die Pflanzen im 16. oder 17. Jahrhundert aus Mesoamerika, einem Kuturareal in Mittelamerika. Mesoamerika umfasst große Gebiete des heutigen Mexiko, Belize, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica. Die Pflanzen wurden dann weiter selektiert.

Aus Herbón, einer Stadt im Padrón gibt es sogar Pimientos de Herbón, die herkunftsgeschützt sind. Pimientos de Padrón hingegen dürfen sich alle Früchte des Caspicum annuum, eines buschigen Halbstrauchs nennen.

Traditionell waren die Früchte in der Zeit vom Mai bis Ende Oktober – Anfang November auf den Märkten der Region erhältlich.

Durch neuere Anbaumöglichkeiten sind die Pimientos de Padron jetzt das ganze Jahr hindurch zu bekommen. Sie werden weiterhin in Spanien und auch in Marokko angebaut.

Aus Galizien stammt auch das spanische Sprichwort „Como los pimientos de Padrón, unos pican y otros no“ (Wie die Pimientos de Padrón, manche sind scharf und andere nicht).

In diesem Sinne: Guten Appetit

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7 Kommentare

  1. Hallo!, ein alter (79) diplomierter) Koch meint dazu: Olivenöl ist das BESTE Öl für die Ferien- und allgemeine Küche. Vermutlich auch das gesündeste! Bitte nur zwei Dinge beachten: es ist das Öl mit den meisten Vitaminen und Spuren-Elementen, deshalb NIE überhitzen! Es verliert dabei seine guten und gesunden Eigenschaften. Den Rest aus der Pfanne nicht wegwerfen (Oliven brauchen Jahre um gut zu reifen) aber als Salatöl immer noch topp (kalt natürlich). Wie die Hitze testen? ganz einfach in die heisse Pfanne mit den Zeigefinger ein paar Tropfen kaltes Wasser reinfallen lassen. Sobald es „prickelt“ ist das Öl heiss genug für die Padrones (und um anderes, zB.Fisch anzubraten). Guten Appetit an einem schön gedeckten Tisch an der Sonne, wünsch ich Euch allen…

  2. Diese Pimientos sind meine Lieblings-Vorspeise auf Fuerteventura. Vielen Dank für die Warnung, dass da auch scharfe dabei sein können. Bisher ist mir das noch nicht passiert, da ich in den nächsten Wochen noch so manche Portion davon verspeisen werde, bin mal etwas vorsichtiger.

  3. Danke für Euren Bericht, denn ich liiiebe diese Pimientos und weiß nun, dank Euch, was ich heute Nachmittag zwischendurch naschen werde 😉

    Wenn meine Sehnsucht nach Fuerteventura zu groß wird, dann kaufe ich mir oft kleine Roma-Tomaten und frische, rote Paprika und brate sie mir, um sie anschließend mit Meersalz aus dem Atlantik zu bestreuen.
    Aber tatsächlich wäre jetzt mal wieder Zeit für die Padrones. Sie „beamen“ mich jedes mal zurück auf Eure einmalig schöne Insel.

    Saludos,
    Fuertegirl

    PS: Habt Ihr villeicht noch eine Ergänzung zum Frittieren in Olivenöl? Ich meine, mal gelesen zu haben, dass kalt gepresstes Ölivenöl nicht zum Braten und Frittieren geeignet ist. Da Ihr das allerdings in Euren Artikel anders beschreibt – auf was muss ich achten, um das richtige Olivenöl zu nehmen? Könnt Ihr dazu noch einen Satz hinterher schicken?

    • Schön, dass der Bericht Dir gefällt.
      Das Thema „Frittieren mit Olivenöl“ wird immer wieder hart diskutiert.
      Forscher aus Australien haben 2018 in einer Studie bestätigt, dass extra natives Olivenöl auch bei hohen Temperaturen sicher und stabil ist.
      Wichtig sei:
      -Extra natives, gefiltertes Öl zu nutzen. Keinesfalls naturtrübes Olivenöl
      -Temperatur nicht über 190°C bringen
      -nur einmal verwenden
      -raucht das Olivenöl, sollte es nicht mehr verwendet werden

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