Ein Arzt auf Fuerteventura spricht über die Gründe für die hohe Inzidenz vor allem im Norden

Inzidenzen-Fuerteventura-nach-Gemeinden

Auf Fuerteventura gibt es zurzeit ein starkes Nord-Süd-Gefälle bei den Corona-Zahlen. Das Infektionsgeschehen spielt sich tatsächlich fast ausschließlich in der nördlichsten Gemeinde La Oliva und in der Hauptstadtgemeinde Puerto del Rosario ab.

Die 7-Tage-Inzidenz für La Oliva lag am 04.12.2021 bei rund 367. In Puerto del Rosario lag sie bei 191. In den südlichen Gemeinden Pájara und Tuineje lag die Inzidenz dagegen „nur“ bei 89 bzw. 51. Seitdem sind die Inzidenzwerte auf der gesamten Insel weiter gestiegen.

José Manuel Toscano, Arzt und Koordinator der Covid-Teams auf Fuerteventura, hat in einem Interview mit dem Online-Medium DiariodeFuerteventura.com interessante Einblicke in die aktuelle Corona-Situation auf der Insel gegeben. Er gibt seine Einschätzung für die Gründe dieses Nord-Süd-Gefälles an und erklärt, warum die Zahlen im Norden so viel stärker gestiegen sind.

Was ist passiert, dass sich auf Fuerteventura so viele Neuansteckungen ereignen?

„Wir haben begonnen, durch Touristen importierte Fälle zu empfangen, die aus Gebieten kommen, in denen das Virus floriert. Touristen aus Zentral- und Nordeuropa haben die ersten Fälle von dem gebracht, was man „die 6. Welle“ nennen kann. Einmal mehr hat das Nachtleben dazu geführt, dass das Virus durch die Interaktion der residenten Bevölkerung und der Touristen erneut zirkuliert, und zwar vor allem im Norden Fuerteventuras.“

Wie sieht das Profil der infizierten Personen in dieser neuen Welle aus?

„Es handelt sich mehrheitlich um Ungeimpfte zwischen 30 und 50 Jahren, sowie um ungeimpfte Touristen.

Die Patienten mit schwerem Verlauf, die ins Krankenhaus eingewiesen werden mussten, einschließlicher derer auf Intensivstation, sind ungeimpfte Personen.

Corralejo ist eine Zone mit vielen ungeimpften oder unvollständig geimpften Touristen, die viel mit der lokalen Bevölkerung interagiert haben“.

La Oliva ist die kanarische Gemeinde mit der höchsten Inzidenz. Was geschieht dort?

„In La Oliva gibt es viel soziale Interaktion, viel Nachlässigkeit bei den Covid-Schutzmaßnahmen, viele Leugner, viel soziales Leben und sehr wenig Respekt für die Maßnahmen: falschen oder fehlende Nutzung der Masken, Nachtleben in schlecht belüfteten Lokalen und fehlender Abstand.“

Glauben Sie, dass es an Polizeikontrollen in La Oliva mangelt?

„Die Polizei hat dort wenig Handlungsmöglichkeiten. Sie hat uns gegenüber gesagt, dass sie nicht genug Personal hat, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Wenn sie an einer Stelle eine Versammlung auflöst, findet diese sich an anderer Stelle wieder zusammen. So ist es sehr schwierig, die Pandemie in Corralejo zu kontrollieren. Ich glaube, dass mehr polizeiliche Kontrolle nötig ist.“

Was charakterisiert die Ausbrüche, sie sich zurzeit ereignen?

Im Allgemeinen entstehen die Ausbrüche bei gesellschaftlichen Treffen, im Nachtleben, bei Firmenfeiern und Familientreffen. Diese Charakteristika bleiben im zeitlichen Ablauf gleich.

Haben die Patienten im Krankenhaus Vorerkrankungen?

„Wir haben den einen oder anderen Touristen mit Vorerkrankungen im Krankenhaus. Wenn ein Geimpfter ins Krankenhaus eingewiesen wird, oder, wenn es schlechter wird, auf die Intensivstation muss, ist es, weil er eine Vorerkrankung hat. Ein Geimpfter verfügt über einen Schutz mit dem er sich zwar infizieren kann, aber keine schwere Erkrankung haben wird. Das Profil der hospitalisierten Patienten auf Fuerteventura ist „ungeimpft“ oder „geimpft mit Vorerkrankung“.“

Wie sieht es mit dem Impffortschritt aus?

„… Auf Fuerteventura liegt die Impfquote rund 10 Prozentpunkte unter dem kanarischen Durchschnitt. … Es gibt eine Bevölkerungsgruppe zwischen 20 und 30 Jahren, die sich stärker gegen die Impfung sträubt… [Ende Noveber 2021 waren rund 63,5% dieser Altersgruppe vollständig geimpft.] Viele sind unentschlossen, weshalb wir eine Kampagne starten müssen, um diese Gruppe zu erreichen und ihnen das Risiko klarzumachen, sich nicht impfen zu lassen.“

Welche Auswirkungen hat die 6. Welle auf das Gesundheitssystem auf Fuerteventura?

„Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Notfalldienste der medizinischen Erstversorgung am Limit ihrer Kapazität. Es werden viele Atemwegserkrankungen behandelt.

Anders als im letzten Jahr treten jetzt auch Atemwegserkrankungen auf, die nichts mit Covid zu tun haben. Wir haben die ersten Grippefälle. Außerdem gibt es Infektionen mit anderen Viren, die gemeinsam mit Sars-Cov-2 auftreten. Die Situation ist jetzt komplexer. … All das überlastet die Versorgung etwas.“

Führt die 6. Welle für Absage oder Verschiebung von Operationen?

„Noch nicht, aber das kann passieren. Das Krankenhaus ist nicht direkt betroffen, dafür umso mehr das System der medizinischen Erstversorgung. Insbesondere die Sprechstunden in der Krankenpflege mussten reduziert werden. Das Hauptziel ist es in diesem Winter, zu impfen und sich um das Coronavirus zu kümmern.“ [die Pflegekräfte sind für die Durchführung der Impfungen und der Coronatests zuständig]

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16 Kommentare

  1. Vielen Dank für das informative Interview. Es ist erschreckend, dass es immer noch so viele Leute gibt, die ihre spätpubertäre Trotzhaltung, ihre ideologische Verblendung und ihr unsoziales Verhalten rücksichtslos ausleben und die große, verantwortungsvolle Mehrheit darunter leiden muss.

  2. Ich beobachte diese besorgniseregende Entwicklung auf Fuerte. Wieso dieser schnelle Anstieg der Inzidenz ? Haben für Mitte Januar nach Costa Calma gebucht, überlegen jetzt einen Rücktritt von unserer Pauschalreise ! Wären sehr traurig !!

  3. @Es handelt sich mehrheitlich um Ungeimpfte zwischen 30 und 50 Jahren, sowie um ungeimpfte Touristen.
    Ich dachte immer ungeimpfte Touristen kommen garnicht ins Land…oder lieg ich falsch?

  4. Da hilft nur 2G für alle Einreisenden!
    Mit Apellen an die Vernunft erreicht man die Impfverweigerer doch nicht mehr!
    Traurig aber wahr!
    Warum soll die große vernünftige Mehrheit unter den wenigen Unbelehrbaren leiden?

  5. Auch wenn mein Kommentar bei einigen auf Widerstand stößt – wenn man nur Touristen mit 2G einreisen und vor allem in die Hotels lassen würde, hätte man diese Probleme nicht. Eigentlich ein Wahnsinn, letztes Jahr im Dezemeber mussten wir, um in unser gemietetes Ferienhaus zu ziehen einen PCR Test vorlegen. Nächste Woche (unsere Vorfreude ist riesig!) brauchen wir keinen einzigen Nachweis, um ins Hotel einzuchecken, nicht mal den Cov Pass muss man vorzeigen. Wir sind mittlerweile geboostert. Ohne Impfung würden wir niemals in ein Hotel mit Büffetversorgung gehen. Viele Urlauber würden sich bestimmt wohler fühlen mit 2G (und natürlich mit zusätzlichem Hygienkonzept).

    • Bei mir regt sich kein Widerstand. Gerne sogar 2G+. Ich denke, die Touristen, die dann nicht mehr kommen könnten, würden durch die „ersetzt“ die sich jetzt mit 3G nicht trauen.

  6. Liebes Team der Fuerteventurazeitung,
    auf der einen Seite wird gejammert dass sich zu wenige Leute impfen lassen und auf der anderen Seite kann man sich hier nicht – auch nicht gegen Geld – impfen lassen.
    Wir sind ein älteres Ehepaar und 2-Fach geimpft, aber die 6 Monate laufen im Januar aus. Da wir hier überwintern können wir uns keine Boosterimpfung in Deutschland abholen und hier bekommen wir keine weil wir hier nicht wohnen. Das geht bestimmt nicht nur uns so. Vielleicht sollte man das mal ändern.
    Vielen Dank für ihre tollen Berichte.
    Silvia

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